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bind mich wieder zu! Ich freue mich, dass ich dich zuerst sah."- Der Sohn konnte vor Rührung nicht. – "Verbinde mich! das Licht schmerzt. – Du warst es? Rede!" – Er band stumm das geöffnete Auge unter den frohen Tränen des seinigen wieder zu. Als aber der Verband der schönen stoischen Seele alles verdeckte, seine Errötung und seine Ergiessung: so war es dem zu glücklichen Sohne nicht mehr möglich, sich länger zu fassener überliess sich seinem Herzen und klammerte sich mit seinen Tränen an das umhüllte Angesicht, dem er hellere Tage wiedergegeben hatte; und als er an seiner zitternden Brust die schnellern Schläge des väterlichen Herzens und die festere Umarmung des Dankes fühlte: dann war das beste Kind das glücklichste Kind. – Und alle waren über seine Freude froh und wünschten mehr dem Sohne als dem Vater Glück....

zwölf Kanonen gingen draussen los aus ebenso vielen Stubenschlüsseln – – Sie erschiessen diese Historie. – –

Denn jetzt ist sie wahrlich ausnicht ein Wort, nicht eine Silbe weiss ich mehrich habe überhaupt in meinem Leben gar keinen Horion und kein St. Lüne gesehen oder gehört oder geträumt oder nur romantisch ersonnender Teufel und ich wissen, wie es ist, und ich meines Orts habe ohnehin jetzt bessere Dinge zu machen und zu eröffnen, nämlich:

Die Ouvertüre und die geheime Instruktion

Ein andrer hätte dumm gehandelt und gleich mit dem Anfang angefangen; ich aber dachte, ich könnte allemal noch sagen, wo ich hausim grund am Äquator; denn ich wohne auf der Insel St. Johannis, die bekanntlich in den ostindischen Gewässern liegt, die ganz vom Fürstentum Scheerau umgeben sind. Es kann nämlich guten Häusern, die ihre ordentliche literarische Strazza (den Messkatalog) und ihr ordentliches Kapitalbuch (die Literaturzeitung) halten, nichts weniger unbekannt sein als mein neuestes Landeserzeugnis, die unsichtbare Loge; ein Werk, zu dessen Lesung, mein Landesherr seine Landeskinder und selber die Schriftsassen (es wäre nicht ausdrücklich gegen die Rezesse) noch mehr nötigen sollte als zum Besuche der Landesuniversität. In diese Loge hab' ich nun den ausserordentlichen Teich gesetzt, welcher unter dem Namen ostindischer Ozean bekannter ist, und in den wir Scheerauer die wenigen Molucken und andere Inseln hineingefahren undgeflastert haben, auf denen unser Aktivhandel ruht. Während dass die unsichtbare Loge in eine sichtbare umgedruckt wurde, haben wir wieder eine Insel verfertigtdas ist die Insel St. Johannis, auf der ich jetzt haus und spreche.

Der folgende Absatz dürfte anziehend werden, weil man darin dem Leser aufdeckt, warum ich auf dieses Buch den tollen Titel setzte: Hundposttage.

Es war vorgestern am 29. April, dass ich abends auf- und abging auf meiner Inselder Abend hatte sich schon in Schatten und Nebel eingesponnenich konnte kaum auf die Teidor-Insel hinübersehen, auf dieses Grabmal schöner untergesunkner Frühlinge, und ich hüpfte mit dem Auge bloss auf den nahen Laub- und Blütenknospen herum, diesen Flügelkleidern des wachsenden Frühlingsdie Ebene und Küste um mich sah wie eine Anziehstube der Blumengöttin aus, und ihr Putzwerk lag zerstreuet und verschlossen in Tälern und Stauden herumder Mond lag noch hinter der Erde, aber sein StrahlenSpringbrunnen sprützte schon am ganzen rand des himmels hinauf- der blaue Himmel war endlich mit Silberflittern durchwirkt, aber die Erde noch schwarz von der Nacht gemaltich sah bloss in den Himmel... als etwas plätscherte auf der Erde....

Ein Spitzhund tats, der in den indischen Ozean gesprungen war und nun losdrang auf St. Johannis. Er kroch an meine Küste hinauf und regnete wedelnd neben mir. Mit einem blutfremden Hunde ist eine Unterredung noch saurer anzuspinnen als mit einem Engländer, weil man den Charakter und Namen des Viehes nicht kennt. Der Spitz hatte etwas mit mir vor und schien ein Bevollmächtigter zu sein. Endlich machte der Mond seine Strahlen-Schleusen auf und setzte mich und den Hund unter Licht.

"Sr. Wohlgeboren

des Herrn Berg-Hauptmann5 Jean Paul

auf

Frei St. Johannis."

Diese Aufschrift an mich hing vom Halse der Bestie herunter und war an eine Kürbisflasche, die ans Halshand gebunden war, angepicht. Der Hund willigte ein, dass ich ihm sein Felleisen abstreifte, wie den Alpenhunden ihren tragbaren Konvikttisch. Ich zog aus dem Kürbis, der in Marketenderzelten oft mit Geist gefüllt worden, etwas heraus, was mich noch besser berauschteein Bündel Briefe. Gelehrte, Verliebte, Müssige und Mädchen sind unbändig auf Briefe erpicht; Geschäftleute gar nicht.

Das ganze BündelName und Hand waren mir fremddrehte sich um den Inhalt, ich wäre ein berühmter Mann und hätte mit Kaisern und Königen Verkehr6, und Berghauptmänner meines Schlages gäb' es wohl wenig, u.s.w. Aber genug! Denn ich müsste nicht eine Unze Bescheidenheit mehr in mir tragen, wenn ich mit der Unverschämteit, die einige wirklich haben, so fort exzerpieren und es aus den Brieten extrahieren wollte, dass ich der scheerauische Gibbon und Möser wäre (zwar im biographischen Fache nur, aber welche Schmeichelei!) – dass jeder, der ein Leben besässe und es von mir biographisch abgeschattet sehen wollte, damit fortmachen sollte, ehe ich von irgendeinem königlichen haus zum Historiographen weggepresset würde und gar nicht mehr zu haben wäredass es mir gleichwohl wie andern Berghauptleuten ergehen könnte, vor denen das zerstreuete Publikum oft nicht eher den