ganz gesetzt und kalt den zweiten ab."- Was er nicht sagte und dachte, aber fühlte und fürchtete, war: dass seine Halbgöttin Klotilde, die das Allerheiligste in seiner Brust bewohnte, und die seiner Seele durch ihre Unsichtbarkeit teurer, nötiger und eben darum gewisser geworden war, ihm vielleicht bei ihrer Erscheinung alle Hoffnungen auf einmal aus seinem Herzen ziehe. –
Es war am Abend des empfangenen Eimannischen Briefes, wo er so phantasierte: "Wenn doch Jenner nur so gesund bliebe! – Er muss Bewegung haben, aber eine ungewohnte – der Reiter muss gehen, der Fussgänger fahren. – Wir sollten miteinander zu Fuss durchs Land ziehen, verkleidet. – Ach ich könnte vielleicht manchem armen Teufel nützen – wir schlichen heimwärts durch St. Lüne – Nein, nein, nein"...
Er erschrak selber vor einem gewissen Einfall – denn er besorgte, er würde ihn, da er ihn einmal gehabt, auch ausführen, daher sagte er dreimal Nein dazu. Der Einfall war der, den Fürsten zu Klotildens Eltern hinzubereden. – Es half aber nichts: es fiel ihm bei, dass sein Vater ein zu strenges Rügegericht über den Kammerherrn und den Minister gehalten – "Was will mir Le Baut schaden! Wenn ich dem armen Narren nur drei Sonnenblicke von Jenner zuwendete! – Das Gescheiteste ist, ich denke heute nicht mehr darüber nach." Der Hund wird uns Antwort bringen; ich meines Ortes wette – ein feiner Menschenkenner auf meiner Insel wettet hingegen, der Held macht diesen Spass –, dass er ihn nicht macht.
18. Hundposttag
Standeserhöhung Klotildens –
Inkognito-Reise – Bittschrift der
Oberjägermeisterei – Konsistorialbote – Vexierbild
der Flachsenfinger
Freilich macht' er ihn, den Spass; aber ich verlier' im grund nicht. Denn es war so: vom Tage an, wo Doktor Kuhlpepper vor der vollblütigen Nase Zeusels mit seiner groben Hand wie mit einem elektrischen Auslader vorbeigegangen war, drängte sich der Mann mit drei Uhren an meinen Helden, der nur eine und noch dazu des Zeidlers plumpe trug. Zeusel dankte überhaupt Gott, wenn sich nur ein Hoffurier bei ihm betrank und der Hofdentist überfrass. Er kam immer mit gewissen geheimen Nach richten, die zu publizieren waren. Er behielt nichts bei sich, und hätte man ihn unter seine Apoteke zu hängen gedrohet. Er sagte unserm Helden, dass der Minister um die Stelle der zweiten Hofdame für seine Joachime bei der Fürstin werbe, die sich bloss die weibliche Dienerschaft selber wählen durfte – dass jener aber es nicht geradezu tun dürfe, weil er oder sein Sohn Mattieu dem Kammerherrn Le Baut versprochen, die nämliche Stelle Klotilden zu verschaffen – er bat also meinen Helden, der, wie er sehe, Mattieus Freund sei, ihm die Verlegenheit zu ersparen und den Fürsten zu bewegen (welches nur ein Wort koste), dass dieser selber bei der Fürstin die Bitte um Joachime einlege – die Fürstin, die ohnehin den Minister protegiere, würde' es aus mehr als einem grund mit Freuden tun, und der Minister könnte dann nichts dafür, wenn der Kammerherr, der Feind des Lords, leer ausginge. –
Der Tropf, sieht man, hatte bloss aus den zwei eingefangnen Nachrichten der zwei Amt-Werberinnen den ganzen übrigen Rechtgang erraten, und selber der Umstand, den ihm Mattieu entdeckte, dass der Minister einen Viertels-Flügel seines Palastes für eine Freundin seiner verstorbnen Tochter Giulia räume, hatte ihn nur mehr befestigt. So sehr ersetzt Bosheit nicht nur Jahre, sondern auch Nachrichten und Scharfsinn.
Mein Held konnte ihm nichts sagen als: er glaube nichts davon. Aber in drei einsamen Minuten glaubte er alles – denn deswegen, sah er, musste die liebe Klotilde gerade bei der Erscheinung der Fürstin aus dem Stifte zurück – deswegen wurde der Minister-Sohn von Le Baut mit soviel Rauch- und Dankopfer-Altären umbauet-deswegen brachte die Alte (im sechzehnten Hundposttage) dem Hofleben solche Ständchen und so laute überhaupt sind, sah er noch, zwei solche geächtete gefangne Hofjuden in Babylon des Teufels lebendig, bis sie in der alten heiligen Stadt wieder sitzen, und wenn sie gerade eine schöne Tochter haben, so wird diese zur Vorspann der Fahrt gebraucht und zur Montgolliere des Steigens...
"O komm nur, Klotilde" – rief er glühend – "Der Hof-Pfuhl wird mir dann ein italienischer Keller, ein Blumenparterre. – Bist nur du beim Minister, so hab' ich Geist genug und sprühe ordentlich. – Was wird mein Vater sagen, wenn er uns mit zwei Laufzäumen stehen sieht, an einem hast du die Fürstin, am andern ich den Mann...." jetzt fielen ihm Klotildens neuliche Einwendungen gegen das Hofleben wie Eiszapfen in sein kochendes Blut; aber er dachte, "Weibern gefallen doch die Hof-Lager des Glanzes ein wenig mehr, als sie selber vermuten und sagen, und weit mehr als den Männern. – Halte denn er es mit ähnlichem SeelenBau nicht auch aus? – Sie, als Stieftochter des Fürsten, und als eine schöne dazu, habe nur halbes Elend, gegen ihn gehalten und wisse sie denn, ob sie nicht einmal aus ihrem Feld-Etat in die Hofgarnison zurückgesetzt werde durch einen Zufall?" Unter dem Zufalle verstand er eine Heirat mit – Sebastian. Endlich beruhigte er sich mit dem, was ich auch glaube, dass sie damals bloss aus Höflichkeit einige Kälte gegen ihre neue Entfernung von ihren Eltern vorgespiegelt und also auch