. Zeusel kam auf diesem Teater mit den Festons von drei Uhrketten an – mit einem Paar Hosen, auf deren Knien einige Arabesken gedruckt waren – mit einer doppelten Weste, doppelten Halsbinde und im Gesicht mit doppelten Ausrufzeichen über den Kasernenmedikus – seine Geldbörse sass gerade unter dem heiligen Bein, weil er, wie einige Engländer, die Hosentasche in die Gegend der Hosenschnalle hatte verstecken lassen. Er hatte als Kammermohren seinen hagern langen Provisor mit, der im Neben-Trinkzimmer auf den sehr kurzen Provisor der zweiten oder Kanaillen-Apoteke stiess. Der kurze Provisor folgte aus Hass dem langen überall, bloss um ihn zu ärgern; aber diesesmal war er bloss vom land zurück mit einigen von Wiedergenesenden einkassierten Hühnereiern. Mattieu nahm sich – nach einem exegetischen Wink an Zeusel – die Freiheit, über das fürstliche Podagra Kuhlpeppers Meinung zu sein. Kuhlpepper, der ein alter Deutscher sein wollte – solche alte Deutsche können sich nie im Zorn, aber recht gut aus Eigennutz verstellen –, feuerte ab und sagte, der englische Doktor sei ein ganzer Ignorant. Zeusel fasste mit einem weiten Lächeln wie mit einem Buchdruckerstock seine höfische Verachtung gegen den groben Mann ein. Der Medikus sah wie der Gleicher, der Apoteker wie Spitzbergen aus. jetzt wurde bloss über das Podagra geturnt. Der Kampfwärter und Turniervogt Mattieu gab zu verstehen, "Zeusel liebe zwar seinen Fürsten und Herrn, aber er wünsche doch, dass diese Liebe die besten Mittel und die heilsamsten Einflüsse gehabt." – "In den H-" (sagte Kuhlpepper) "kann der da Einfluss haben." – Als sich der Apoteker deswegen stolz und verächtlich in die Höhe richtete: drückte ihn der Doktor langsam auf den Stuhl und auf seinen Geldbeutel nieder, und die auf die Achsel eingeschlagne Hand nagelte den kleinen Zierling samt der Börse an den Sessel an.
Diese Befestigung verdross den Schneidervogel am meisten, und er versetzte, in die Höhe wollend: "noch heute würde er, wenn er zu Rate gezogen würde, Sr. Durchlaucht die jetzige bessere Wahl anraten." Der Kasernenmedikus mochte vielleicht die Hand zu hurtig von der Achsel abdecken; denn er bestrich damit, wie mit einer Kanone, die Nase seines Gegners, worauf diese ein Blut wie der heilige Januar entliess. Der Evangelist bedauerte es für seine person, "dass zwei so verständige Männer sich nicht miteinander entzweien und schlagen könnten ohne persönlichen Hass und ohne Hitze, da sie gleich kriegenden Fürsten sich ohne beides anfallen könnten – aber das Bluten bestätige Zeusels Wallung zu sehr". – Zeusel rief zum Doktor: "Sie Grobian!" – Dieser nahm im Grimme wirklich die Mattäische Meinung an, jener blute nur aus Grimm, und verglich ihn mit den Kadavern, die in alten zeiten zwar bei Annäherung des Mörders bluteten, aber bloss aus ganz natürlichen Ursachen. Der Medikus suchte also seinen gleich einem Fürsten oben vergoldeten Stecken auf und beurlaubte sich mit der gekrönten Stange, indem er sie einige Male gleichsam magnetisch-streichend über Zeusels Finger führte; aber ich würde den Stab, wenn ich an der Stelle anderer Leute wäre, weder ein Hörrohr für Zeuseln nennen, das der Arzt an ihn, wie man Schwerhörigen öfters tut, anstiess, damit dieser besser hörte, noch auch einen Türklopfer, den er der Wahrheit vorstreckte, damit sie leichter in den Apoteker einkonnte: sondern er wollte bloss seine Finger nötigen, das Schnupftuch fallen zu lassen, damit er ihm ins Gesicht beim Abschied schauen könnte, den er in die schonende Wendung kleidete: "Sag er es Seinem Doktor, er und Er da, ihr seid die zwei grössten Stocknarren in der Stadt."
Vor den letzten Worten verhielten sich beide Provisores ruhig genug, nicht mit der Zunge – denn der lange Provisor sang als zweites Chor mit demselben Kriegsliede den kurzen an und war echter Anti-Podagrist –, sondern sonst. Wer überlegt, dass der lange meinen Helden wegen seiner Höflichkeit liebte und den kurzen nicht leiden konnte, weil Kuhlpepper alles bei diesem verschrieb, der würde von dem Paare nichts Geringers erwarten als den Widerschein des Billardzimmers; aber der lange Provisor war gesetzt und breitete erhebliche Wahrheiten nie wie Portugal mit Blute aus, sondern er nahm – sobald der Kasernenmedikus den Hofmedikus einen Stocknarren genannt hatte – still den Hut des kurzen Provisors, der in solchen des Zerknickens wegen seine Eier-Gefälle niedergelegt hatte, und setzte besagte Eier dem Professionverwandten ohne Ingrimm auf; und mit geringem Druck passte er den Doktorhut, der eine halbe Elle zu hoch sass, seinem Freunde – um so mehr, da auch Kastor und Pollux Eierschalen aufhatten – promovierend recht an und ging fort, ohne eben viel Dank für das aufgesetzte Filz-Gefüllsel und den fliessenden Gesicht-Umschlag haben zu wollen.
Schlägereien breiten kleine, wie Kriege grosse Wahrheiten aus. Der Hofkaplan Eimann sandte ein langes Glückwunschschreiben an Viktor und hiess ihn "Jenners Nierenlenker" und bat um seinen Besuch. Ein "Ranzenadvokat" klopfte bei ihm wie bei einer höhern Instanz an und bat ihn um eine fürstliche Einschreitung gegen das Regierkollegium. Der Apoteker hält mit seinem Gesuch um ein Lavement noch zurück.
Viktor sparte sich noch den ersten Besuch in St. Lüne auf wie eine reifende Frucht und ärgerte dadurch den Regierrat, der ihn hinbereden wollte. Aber er sagte: "Die Hinterbliebenen eines Orts sehnen sich nach dem, der daraus fort ist, so lange unbeschreiblich, bis er den ersten Besuch gemacht, so wie er auch. Nach dem ersten passen beide Parteien