verhallte, gegen die Umstehenden: Nein, Brüder und Freunde, wenn ich so glücklich war, euch oft zum Sieg, immer zur Befolgung der Geseze und zur Ausübung der Menschlichkeit anzuführen, so ward ich selbst von Grundsäzen geleitet, die auch in diesem augenblick, da mich der grausamste Schlag des Schiksals trift, mich noch würdig machen, zum leztenmal Gehorsam von euch zu fordern – – Sie hielt inne; über sich selbst erhaben, in reiner Begeisterung stand sie da; ihr Auge blizte, wie sie wieder anhob, war ihre stimme fest; ihr schöner, noch halb entblösster Busen klopfte hoch, und indem er bewies, dass sie ein Weib war, löste sich der Schauder, den ihr Wesen erregte, in stiller Bewunderung auf – ihre Kriegsgefährten fühlten diesen Zauber, und traten ehrerbietig zurück. Dieser Mann ist mein Bruder, sagte sie; seit drei Jahren trennte ihn sein trauriger Irrtum von mir, vom väterlichen Haus. Ich glaubte ihn nach dem zehnten August für jeden Irrtum bestraft – er lebt, und meine und eure Pflicht übergibt ihn jetzt dem Gesez, mit allen, die unserm Schwert entgingen. Dieses Kind – Hier unterbrach sie sich, und ergriff die Hand des Knaben: Bruder, sage dort deiner Gattin, ich werde ihm Mutter sein; sage ihr, dieses Kind allein mache mich diese Stunde überstehen – Teodor schien von ihr zu gleicher Begeisterung emporgehoben; er hörte ihr ruhig zu, und wie sie geendet hatte, sagte er gerührt: Ja ich erkenne den gang unsers Schiksals! Nur auf diesen blutigen Wegen sollten wir uns wieder treffen, aber unsre Seelen sind ewig vereint – Ja empfange diesen holden Knaben von meiner Hand; doch nicht, wie du glaubst, hängt er mit dem Fluche zusammen, der schon bei unsrer Geburt, der vor uns schon über unsern Vater ausgesprochen ward. Jene Erblasste, die der Schreken über euern Sieg tödtete, war nicht mein Weib; mein Weib hat nie Unglück und Gefahr mit mir geteilt – Er nahm den Knaben in die Höhe, und legte ihn in Sara's arme: Weihe L***'s Sohn dem Vaterland, gegen das wir Rasende stritten! Diese Rache sparte dir das schicksal auf, zum Ersaz für grausame Leiden, zur Büssung deines fürchterlichen Unglücks! –
Sara hielt den Knaben, der sie und alles umher ängstlich anstaunte, und jetzt vom arme des Unbekannten sich zur toten Mutter hinbog – Sara hielt ihn fester, ja heftiger, sie zitterte unter dem Sturm, der ihre Seele zerriss. Endlich hatte sie den Sturm überstanden; sie kniete, den Knaben im Arm, im Kreis der erstaunten gefährten: Ja, ich folge deinem Ruf, unbegreifliches schicksal! Hier vor dieser Entselten, vor dem Bruder, vor diesen allen, die mit ihm dem tod geweiht sind, hier in eure hände, meine Mitbürger, lege ich den Schwur ab: Des Knaben Tugenden sollen einst seines Vaters Verbrechen versöhnen! – Sie stand auf, eine schöne Verwandlung schien in ihrem ganzen Wesen vorzugehen: ehemals hatte ihr finsterer blick, der ausdrukslos dumpfe Ton ihrer stimme, ihre trozig feste Stellung, jeden Verdacht, den ihre zarte Haut, ihre sanft herabfallenden Schultern, ihre schnell erschöpfte Brust erregen konnten, abgeleitet; jetzt stand sie unverkennbar ein weiches, unglückliches Weib, wehmütig zukte der Mund, der so lange das Gefühl wegtrozte, unverhalten drängten sich grosse Tränen aus dem nun milderen Auge – mit einer schmerzvollen stimme, die tief in den Herzen der Anwesenden erklang, mit einem Arm das Kind fest an ihren Busen drükend, mit der andern Hand den Hut herabnehmend, und den Säbel von der Seite losgürtend, wandte sie sich zu dem Mann, der sie vorher so störrisch angeredet hatte, und indem sie ihm beides übergab: Braver Mann, sagte sie, du brauchtest dich deines Kapitains nie zu schämen! Nun führe mich zu unserm Chef, dass ich ihm Rechenschaft von dieser Nacht ablege, – erst aber verordne, was unterdessen mit deinen Gefangenen geschehen soll. Und ihr, Kameraden – noch einmal lasst mich euch so nennen – Ihr werdet alle für mich zeugen, damit man mir dieses Kind nicht entreisse. Lebt wohl – dienet dem Vaterland – sichert unsre Freiheit – Sie hob ihre schönen Augen gegen Himmel, hielt das Kind in ihren Armen empor: Freiheit! Für die mein Blut floss, für die ich so vieles fliessen sah – zum erstenmal mir wahrhaft heilig und teuer, um dieses verwaissten Geschöpfs willen! – – Teodor schien sein schicksal, seine Zukunft vergessen zu haben, er stand, sein Auge entzükt auf Sara geheftet – er sah in ihr dasselbe Wesen wieder, in welchem er seit seiner ersten Jugend das Ideal des Weibes angebetet hatte. Die Krieger drängten sich, die meisten mit nassem blick, zu Sara, jeder schwor ihr achtung und Liebe, jeder schwor, das Kind zu verteidigen und zu erhalten; jeder bat sie wehmütig, ihm zu verzeihen, wenn seine Pflicht ihm gegen ihren Bruder nicht ein Gleiches erlaubte.
Die Gefangenen wurden versammelt und abgeführt, die toten wurden verscharrt; und auf Sara's Bitte begrub man L***'s unglückliche witwe in dem nämlichen Gewölbe, wo sie ihr angstvolles Ende gefunden hatte. Sara stand neben der Leiche, bedekte das blasse Gesicht der Entseelten, und gedachte ihrer eignen ahnungsvollen Worte: Als seine witwe sehen Sie mich wieder!
Auf dem Weg von den Ruinen zu dem Hauptquartier wetteiferten Sara's ehemalige gefährten, den kleinen Hyppolit seiner