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Seite standen, von welcher der Angrif sich beständig erneuerte, und so wegen des Mangels am Plaz, der ihren Feinden in dem Hinterhalt übrig war, aus welchem sie hervortraten, deren nie mehr als eine höchstens ihnen gleiche Anzahl abzuwehren hatten. Vier Republikaner waren indess gefallen, allein andre, die auf ihres Anführers Ruf hinunterstiegen, hatten die Reihe ergänzt. Das Geschrei in der Höle ward jetzt schwächer, und obwohl noch einige Feinde fielen, drangen deren keine mehr an ihre Stelle. Sara wollte nun das traurige Gefecht enden, sie wich im Mittelpunkt zurück gegen den Eingang; einer von den Feinden, der am heftigsten, und immer an der Spize gefochten hatte, den die andern mit ihren Leibern zu deken schienen, drang ihr nach; die Feinde gewannen Raum, aber Sara's List gelang, ihre Leute umzingelten die Unvorsichtigen am Eingang ihrer Höle, und bald waren sie niedergeworfen und entwafnet. Ihr Anführer allein stand noch unbezwungen, allein kaum sah er, dass seine gefährten keinen Widerstand mehr tun konnten, so senkte er sein Schwert, und näherte sich Sara mit einem Anstand, der keinen der Sieger über seine Absichten in Zweifel liess. – Mein Leben ist verwürkt, sagte er mit einer männlichen Ruhe; ich könnte es zwar noch teuer verkaufen, aber auf euren Blutgerüsten kann es jenen Unglücklichener deutete auf das Innere der Höle, die Verriers Leute besezt hieltenmehr nüzen, als wenn ich es hier opfre. – Er griff nach Verriers Hand: Kommen Sie; wenn Sie kein Ungeheuer sind, so wird es mir gelingen. Und meine Abgeordneten nannten mir ja den tapfern Verrier, den mit seinem Haufen die Unglücklichen an der Loire und Mayenne segnen – –

Sara's innerstes Herz war aufgeregt, seitdem der Fremde seine stimme erhoben hatte; unfähig die Worte zu vernehmen, hörte sie nur diesen Ton, den ein tausendfaches Echo in ihrer bebenden Brust wiederholte, und der ihr doch unbekannt war. Sie folgte ihm mechanisch in die innere Höle. Diese war schwach erleuchtet, aber bald erhellten sie die Fakeln von Verriers Leuten so gut, dass man alle Gegenstände unterscheiden konnte. Ein junges schönes Weib lag, wie es schien, tot auf einem Lager hingestrekt. Ein blühender Knabe, dessen himmelblaues Auge in Tränen schwamm, hob den Kopf von dem Schooss der toten auf, und lief, wie er den Fremden erblikte, mit offnen Armen auf ihn zu, und lallte klagend: Teodor, die Mutter! die Mutter! – Sara fuhr zusammen, wie von einem Blizstrahl getroffen, fasste den Fremden in's Auge, der sich gebükt hatte, um das Kind aufzunehmen, und dessen Gesicht jetzt von der niedrig hängenden Lampe erleuchtet wardTeodor! rief sie, wankte, und fiel ihren herbei eilenden Begleitern in die arme.

Der Fremde sezte verwundert das Kind nieder, und sah den Soldaten zu, die einander zuriefen, es sei die Luft im Gewölbe, von der er erstike, und ihren Kapitain gegen die Oefnung führen wolltenNein, sagte einer aus dem Haufen, er kann verwundet seinUnd sogleich riss man Sara's Kleid auf, und entblöste ihre Brust, und alle, die sie umgaben, riefen mit dem Ausdruk des unbeschreiblichsten Erstaunens: Es ist ein Weib! – Verrier ein Weib! wiederholten die ferner Stehenden, und der Fremde trat mit ihnen herbei. Sara lag, auf die Knie eines ihrer Soldaten gestüzt, am Boden; ihr Arm war durch das Herabziehen ihrer Kleidung ganz unbedekt, ihr Busen offen und weiss wie Schnee, ihr Gesicht zwar von der Sonne und der Luft geschwärzt, aber noch so schön, von so feinem schwarzen Haare beschattet, das bei der zurückgebognen Stellung ihres Kopfes ihre edle Stirne bliken liessDer Fremde starrte sie an, rief mit dem Ausdruk des Entsezens: Sara, meine Schwester! – und stürzte zu ihren Füssen.

Verriers gefährten standen betäubt; – das ohnmächtige Weib, das sich jetzt langsam aus dem Todesschlaf erhob, war ihr tapfrer Kapitain, und war dieses Rebellen Schwester! Aber in ihren rauhen Sitten vergassen sie Spott und Verwunderung, und stiessen nur mit Abscheu den Verräter von ihrem Kameraden zurück. Sara war jetzt erwacht, sie raffte sich langsam auf, machte sich von ihnen los, und schloss schweigend, doch nicht mit dem Verstummen der Freude, sondern mit jenem fürchterlichen Schweigen, da der erschöpfte Geist seine lezten Kräfte aufbietet, den wiedergefundenen Bruder in ihre arme. Der Knabe hatte den kurzen augenblick ängstlich zugesehen, jetzt klammerte er seine beiden arme um die unglücklichen Geschwister: sein kleines gepresstes Herz hofte Trost und hülfe, wo er den Ausdruk der Liebe erblikte. Unter Sara's gefährten entstand ein unruhiges Murren; der älteste, ein redliches, rauhes Gesicht, zog sie von ihrem Bruder hinweg: Kapitain, sagte er trozig, bis du deine Autorität bei unserm Chef niedergelegt hast, sind wir Dir Gehorsam schuldig, so wenig dein Geschlecht sich mit dieser Autorität reimt; vergissest Du aber Deine Waffenbrüder über diesen Rebellen, so bin ich der nächste, meine Kameraden von Verlezung des Gesezes zurückzuhaltenSara entfernte sich einige Schritte von Teodor, und übersah mit einem blick, der nach Fassung rang, den ganzen Schauplazsie hielt eine Minute schaudernd die Hand über die Augen, versuchte zu sprechen, und wandte sich endlich mit einer stimme, deren hohler, gewaltsam angestrengter Ton in den Winkeln des schwarzen Gewölbes wie die lezten Worte eines Sterbenden