, weinte und lachte wechselsweise. Die Alte beugte sich über Sara, die unfähig zu sprechen, ihr die Hand auf den Arm zu legen suchte; wahrscheinlich war es eine fragende Bewegung, aber ihre Kräften reichten dazu nicht hin, und ihre Hand sank nieder – Babet, sie blikt sanft und lebt! rief noch einmal die Alte, und holte das Mädchen beim Arm herbei. Babet schien sich jetzt zu sammeln, blikte anfangs noch zerstreut auf Sara, dann trat sie, ohne den jungen Mann loszulassen, näher. – Wäre es möglich? arme Sara – ja gewiss, sie lebt! Matieu, du bringst allen Leben mit. – Bei diesen abgebrochenen frohen Worten nahm sie leise Sara's Hand, und schien ihr Leben fühlen, ja sogar behorchen zu wollen; denn sie legte ihr Ohr an Sara's Mund. Diese machte einen neuen Versuch zu sprechen, und sagte kaum hörbar: wo ist Marta? – Marta, antwortete Babet traurig, und weinend umfasste sie wieder den Fremden: O die arme Marta! Matieu, unsre arme Baase, unser armer Vater! – die Alte hatte Arznei geholt, die sie jetzt Sara brachte, indem sie zugleich verdrüsslich zu Babet sagte: Junge Frau, eure Freude ist gut und erlaubt, aber Ihr wisst doch, dass der Arzt auf Leben und Tod befohlen hat, sie ruhig zu erhalten, wenn sie wieder zu sich käme. – Babet hörte sie an, sah zärtlich auf Matieu, dann auf Sara, deren schwachen Kopf die Unruhe grausam anstrengte. – Geht in den Garten mit dem Liebsten, fuhr die Alte fort, und lasst mich mit ihr allein, bis Ihr über die erste Freude weg seid. Babet schien unentschlossen, und beugte sich zu Sara, die noch einmal, und ängstlicher, nach Marten fragte. Marte grüsst Sie, sagte nun Babet verwirrt; sie hat mir vieles an Sie aufgetragen; Sie sind in guten Händen. – Der junge Mann sprach halb leise mit ihr, und zog sie ungeduldig fort; das alte Mütterchen blieb bald mit Sara allein, deren Zustand in diesem augenblick unbeschreiblich war. Sie fühlte sich wie aus einem tiefen Schlafe erwacht, konnte aber durchaus nicht urteilen, wie lange sie geschlafen hatte. Das erste Bild, das aus der Vergangenheit wieder vor ihr aufstieg, war die Nacht vom 21. Januar, aber es war nur Bild, nicht Gefühl, nicht Gedanke, und da sie, indem es vor ihr stand, nahe an ihrem Bett grüne Ranken erblikte, die in das Fenster sich bogen, und Sommerluft fühlte, so stellte sich dieses Lokale neben dem Lokalen jener Winternacht, und machte sie unsicher, welches von beiden Traum wäre. Sie wollte die Alte fragen, aber das erstemal sagte ihr diese mit feierlichem Wesen: im Namen des gütigen Gottes, der euch das Leben so wunderbar wiedergiebt, schweiget! Euch wird besser werden. – Und so oft sie wieder versuchen wollte, mit ihr zu sprechen, legte das Mütterchen ihr freundlich den Finger auf den Mund, und schüttelte mit dem Kopf. Sie reichte ihr aber sorgsam in sehr kleinen Zwischenräumen ein Arzneimittel, und schien sie jedesmal mit grösserem Wohlgefallen anzubliken. Sara schwieg endlich, und suchte zu denken. Ausser dem lezten augenblick vor ihrer Verstandesverwirrung, war ihr alles wie ein wogendes Meer – bald Bilder der Kindheit, bald des Vaters, Rogers, L***'s Bild; aber alle schwanden so leise, so im Nebel vorüber, dass sie manches festzuhalten suchte, um sich zu besinnen, ob es schreklich wäre. Nach und nach reihten sich die abgerissnen Vorstellungen zusammen; sie war sich der grausamsten Augenblike bewusst, aber wie nun überstandner Leiden; sie dachte die toten, ihren Vater, ihr Kind, Teodorn – hier zog sich ihre Brust bänger zusammen, aber wie ein Kind, das die Erinnerung an ein Gespenstermährchen entfernt, um sich nicht im Finstern zu fürchten, wich sie diesem schreklichen Andenken aus, und spann neue Fäden aus ihrer Vergangenheit zusammen. So lag sie eine ganze Weile, bis es dunkel ward. Der Mond schien in das Zimmer, die Alte brummte ein Paarmal vor sich hin, über die jungen Leute, die so lange ausblieben, getraute sich aber nicht, von der Bettseite wegzugehen. Endlich hielt ein Pferd vor dem Haus, ein Mann trat in's Zimmer – ach der Bürger Doktor! ging ihm die Alte entgegen; Wunder, Wunder! sie lebt; und so mir Gott helfe, sie ist vernünftig! – Nun gut, liebe Frau; daran zweifelte ich ja nie, fiel der Doktor mit einer freundlichen stimme ein, aber denkt ein andermal besser an das, was ich euch sagte, und holt mir jetzt Licht, damit ich meine Kranke sehe – die Alte schaffte Licht, der Arzt nahte sich Sara, betrachtete sie aufmerksam, fühlte ihren Puls, und fand ihn heftig bewegt. Sara hatte in dem gutmütigsten Zuruf der Alten eine schrekliche Aufklärung über ihren Zustand erhalten; sie wusste jetzt was ihr Schlaf gewesen war, konnte jetzt den kalten Reif auf ihres Kindes grab, und die sanfte Sommerluft, die hier durch das Fenster hauchte, zusammen reimen. – Ich hatte den Verstand verloren? sagte sie zu dem Arzt. Der Mann sprach sehr leutselig mit ihr, und suchte anfangs nur dahinter zu kommen, wie weit sie wieder bei sich wäre; je mehr er sich aber von der Rükkehr ihrer Vernunft überzeugte, desto