die ihren Geist, die ihre Rache erhizen, ihr Herz vergiften konnten. Morgen, fing sie von neuem an, und schüttelte ihr finsteres Haupt, als wollte sie es aus den schwarzen Bildern erheben; morgen empfängt die Erde mein Kind, und L*** ist dann nichts mehr als mein Verderber. – L***? rief der Mann, der mit Tirion hereingekommen war, und fasste sie noch schärfer in's Auge; wären Sie Sara Seldorf? – Seldorf? Ja, Seldorf, sagte sie, hiess der Mann, in dessen friedliche Hütte der Verderber sich einschlich, dessen friedliche Hütte seine grausame Rotte verbrannte; der Märtirer, den sein Kind aus Liebe für den Verführer in das Grab stürzte. Unmenschlich betrogen, unmenschlich im inneren meines Herzens vergiftet, ruft mich das schicksal zur Rache! Sara Seldorf ist nicht mehr; abgerissen von den Menschen durch Treulosigkeit und Verrat, will sie in Rache das zehrende Feuer löschen, das in ihr brennt. – Joseph hatte ihr staunend zugehört; wie sie jetzt, von ihrer Heftigkeit erschöpft, inne hielt, strekte er seine arme nach Nanni aus, die furchtsam zur Seite stand, und Sara anstarrte: arme Wahnsinnige, rief er, einen Tropfen dieses Rachgefühls in dein kindlich Herz, und du wärest dem Bewusstsein wiedergegeben! – Nanni warf sich ihm schluchzend um den Hals: sie war so gut und so schön, sagte sie leise, wie ihr Kind noch weinte; jetzt schläft es so sanft, und sie macht mich furchtsam mit ihrer stimme! Liesse sie es doch schlafen, bis es überall hell wird! – der Fremde nahm jetzt das Wort: Sara, Sie haben einen Freund, der vorgestern nach der Gränze aufbrach. Roger Bertier glaubte Sie in dem Haus seines Vaters wohl aufbewahrt; warum entwichen Sie aus dieser Freistatt? – Die Entdekung, dass dieser Mann Rogern kannte, ihren Namen kannte, die Art seiner Anrede hatte sie etwas erschüttert; aber bei dem Vorwurf, der in seinen lezten Worten lag, erwiderte sie stolz: das Weib glaubte dem Gatten zu folgen! – Und Sara wusste Bertiers Enkel in ihrer Nähe, und liess ihn im Irrtum, sie sei unter den Augen seines Vaters? Er wachte für Sie, und nur höhere Pflichten hielten ihn ab, selbst zu Ihnen zu eilen, und Ihnen L***'s Verbrechen zu offenbaren. Er schrieb, und ängstigte sich bei Ihrem, bei seines Vaters Stillschweigen. Er eilte endlich mit seinen Waffenbrüdern gegen den Feind, und seine lezten Worte trugen mir auf, jede gelegenheit nach seinem Departement zu benuzen, L***'s Schritte zu beobachten – sie ist frei, sagte er, und ich komme ihrer würdiger zurück! Und Sie waren es, die der Verräter hier in diesem haus, unter meinen Augen, verborgen hielt? – Sara hörte finster zu: In diesem haus unter Ihren Augen? So waren es wohl Ihre Kinder, die an jenem Tag mit dem meinen bluteten? – Und mein unglückliches Weib stirbt in diesem augenblick vor Gram! – Sara stand in düsterm Nachdenken; deine jauchzende stimme rief Rache auf unsre Feinde, du bist gegangen sie zu erfüllen; dein los ist schön – ich gehe hier dem meinigen nach! Rogers Freund! sprach sie weiter, indem Schwermut einen augenblick die Wildheit ihres Ausdruks milderte, nehmen Sie mich zur Gefährtin Ihrer Rache. Er zog hin, für das Vaterland zu streiten; mein Arm soll hier Unschuld und Menschheit rächen. – Rächen durch Blut und Tod! rief Joseph, und bot ihr die Rechte. – Du streitest für Jene? fragte Sara, auf die zitternde Nanni deutend. – Für jene Wahnsinnige, für den Geist des gemordeten Knaben, der mich nächtlich aufruft, für die Tausende, die litten wie sie, die verschmachteten wie er, für ein ehrenvolles Grab, in welchem diese geschändete Stirn einst ruhe! – Er schlug hier wütend mit der andern Hand gegen sein Haupt, und Sara legte die ihrige in die ihr dargebotne Rechte. Nanni verbarg schreiend ihr Gesicht, die Männer blikten finster in den unnatürlichen, blutigen Bund – da trat Marta weinend in die tür, und rief: Nachbar Raimond, euer Weib will euch ihren lezten Segen geben. Sie erfuhr euern Beschluss, abzureisen; und der Jammer brach ihr krankes Herz. Eilt, wenn Ihr sie noch sehen wollt. – Raimond seufzte schwer, und folgte der guten Marta. kommt, rief diese noch im Fortgehen; sie stirbt wie eine Heilige. Nehmt ihren Segen, Ihr könnt dessen noch bedürfen. – Jedes Bild des Todes war jetzt Sara willkommen; sie ging mit den übrigen in das obere Stokwerk, wo die Frau, von einer Nachbarin unterstüzt, auf einem Lehnstuhl sass. Der Ausdruk ihres Gesichts war Begeisterung, eine schwache Röte wechselte mit der Blässe des Todes ab, sie winkte ihren Mann zu sich, der sie herzlich an seine Brust drückte. – Der Gott, der meine Kinder zu sich nahm, sprach sie, hat dich von jedem Bande befreien wollen, das dich an Menschen knüpfte, er wusste was du littest, von mir zu gehen, und er ruft mich, dass ich dich dort erwarten möge. Geh hin im Dienst des Vaterlands, als dessen stumme hülflose Opfer deine Kinder fielen; verzeih mir, dass die Bande meines Lebens nicht so stark waren wie meine Liebe und mein Mut. Strafe das Verbrechen, rette die Freiheit – dort winkt sie mir – dort erwarte ich meinen siegreichen