, die Verwundete trugen, und mit bitterm lachen ihnen den Trost zuriefen, der Schauplaz ihres Todes sollte bald ein Steinhaufen sein. Wie von bösen Geistern getrieben, suchte Sara den Eingang des Schlosses, wo man ihr einmal bei einer Spazierfahrt eine Reihe Fenster gezeigt hatte, die man ihr die Gallerie des Königs nannte. Dort musste sie hin, denn dort musste L*** sein! Sie drängte sich in den ersten Hof, mit einer Hand wehrte sie alle Umstehenden von ihrem kind ab, das sie fest an sich drückte; man machte ihr Plaz, aber je näher sie dem Hauptgebäude kam, desto gedrängter standen die Haufen. Endlich trieb ein Trupp sie vor sich her in einen kleinen Hof, man schrie wütend um sie: "die Ritter vom Dolch sind dort im Hinterhalt!" Sie konnte nicht zurück, ob sie gleich Schuss auf Schuss um sich her, wahrscheinlich aus den Fenstern, fallen hörte. Endlich erblikt sie einen Eingang in das Schloss, und will nun voran; aber wie ward ihr, als L***, in einen grossen blauen Ueberrok gehüllt, zwei gespannte Pistolen in der Hand, ihr entgegen stürzte! Funfzehn bis zwanzig Männer, mit Dolchen oder Pistolen bewafnet, folgten ihm, und L*** schrie wild: Feuer! Stosst nieder! – "Es ist ein Weib dabei!" rief einer von den Männern, und warf sich vor den andrängenden Haufen. L***! schrie Sara; halt ein, halt ein! – Die Unglückliche stürzte auf ihn zu, das bewafnete Volk ihr nach, und umringte sie; L***, nur auf Verteidigung der Seinen bedacht, verblendet, vielleicht gar wähnend, dass Sara's wilde Bewegung ein Angriff auf ihn wäre, schoss sein Gewehr los, und zerschmetterte die Schulter seines unglücklichen Kindes, das Sara mit ihren Armen umschlungen hielt. Mit einem lauten Schrei sank sie nieder, die Kämpfenden würden sie unter ihren Füssen zertreten haben, wenn nicht ein Paar Männer, in diesem wütenden Getümmel noch menschlich, sie aufgerafft, und von dieser Stelle, die nun mit Blut und Leichen bedekt wurde, hinweggeschleppt hätten. Sie war ohne Besinnung, aber nicht ohnmächtig; krampfhaft hielt sie ihr blutendes Kind im Arm; und wie die Männer sie auf der Terrasse der Feuillans in das Gras legten, behielt sie es noch immer an sich gedrükt. Neben ihr lag ein Knabe von sieben Jahren, dem das Gehirn zerschmettert war, und ein noch viel jüngeres Mädchen, das ohne sichtbare Beschädigung, in der Brust verlezt, schon sterbend sich strekte; die Mutter dieser beiden Kinder kniete vor ihnen; beide hände über ihrem Schooss gefaltet, blass, unbeweglich, ohne Tränen, ohne einen Seufzer; nur wenn der Todeskrampf dem Mädchen noch einen röchelnden Atemzug auspresste, hob sich die Brust der Mutter gewaltsam empor, dann wandte sie die Augen auf den Knaben, der gestaltlos da lag, ihr blick schauderte vor dem fürchterlichen anblick zurück, und ruhte wieder in todter Stille auf der Tochter. Um die jammervolle Gruppe her trieb sich der zahllose Haufen; Verwundete, tote wurden vorbei geführt, Fliehende verfolgt, neue Bewafnete drängten sich vorwärts; von fern donnerte das Geschüz, und wirbelnd stieg schon aus dem schloss Feuer und Rauch empor. Bei den Weibern standen Leute, die für sie auf hülfe zu warten schienen, endlich langte auch wirklich eine Tragbahre an, auf welche man die beiden toten Kinder legte; und in diesem augenblick nahte sich ein junger Mensch, der mit zerstörtem Gesicht schon einigemal vorbeigelaufen war. Es war Tomas, welcher unter den eindringenden Männern, die bis in Sara's Zimmer den Schweizer verfolgt hatten, einige seiner alten Bekannten erkannt, und einen augenblick seinem Schreken nachgebend, sich aus dem haus geflüchtet hatte; als er zurückkehrte, war Sara schon entflohen, und von Furcht und Reue, um seiner Sicherheit willen sie in diesem augenblick verlassen zu haben, getrieben, hatte er jetzt schon lange in der Gegend des Schlosses nach ihr umhergespäht. Wie er die Kinder aufheben sah, eilte er herbei; und erkannte Sara, die sich aufgerichtet hatte, und mit starrem, halb gleichgültigem halb fragendem Blike um sich herum blikte, wie ein Todtgeglaubter, der im Grabgewölbe erwachte. Meine herrschaft, meine arme herrschaft! rief er und stürzte zu ihren Füssen; rettet sie! bringt sie fort! Sie ist verwundet – Sie war es nicht, aber ihres Kindes Blut hatte ihren Hals und ihre Kleidung gefärbt. Sie stand matt vom Boden auf, sah die Umstehenden mit einem Blike an, der das Gefühl des tiefsten, unerwartetsten und eben darum unwiderstehlichsten Schmerzens ausdrükte. – "Er hat es selbst getödtet!" sagte sie leise und doch durchdringend, indem sie ihnen ihr winselndes Kind hinreichte. Man verstand den Sinn dieser Worte nicht, aber bei ihrem anblick schien Mitleid die Stelle des Schrekens bei den Zuschauern einzunehmen, und ihnen auf die grossen Abscheulichkeiten, von denen sie Zeugen gewesen waren, wohlzutun. In einen weissen Mantel gehüllt, den halb offnen Busen von dem Blut ihres Kindes gefärbt, ohne Haube, ihre Schultern von ihren schönen Haaren bedekt, stand sie da, und obgleich keine Klage aus ihrem mund, keine Träne aus ihren Augen floss, forderte doch ihr hülfloser Schmerz die Menschlichkeit zum Beistand, oder selbst zur Rache auf. Tomas wollte ihr Kind nehmen, sie stiess ihn heftig zurück; er nahm ehrerbietig ihren Arm, sie liess sich still wegführen. Ein Bürger ging auf der andern Seite. Tomas sagte