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Namen meiner Gattin, den mit diesem Namen verbundnen Glanz und Luxus geben können; aber so würde ich dich wie eine Maitresse behandelt, und mein ganzes Glück zerstört haben. In dieser Lage fand ich dich, betete ich dich an, in dieser Lage vertrautest du mir, lehrtest mich die Freuden der Menschheit kennen; in dieser Lage bist du mein bürgerliches Weib, und von Geschäften, von Sorgen ermüdet, fliehe ich zu dirEr schien tiefsinnig zu werden, und drückte sein Gesicht in ihre hände. Könnte ich wahrhaft, ungeteilt hier mein Leben geniessen! sezte er halb in sich gekehrt, halb zerstreut hinzu. Sara war von diesen lezten Worten gerührt undsich selbst vielleicht unbewusstaufgeschrekt. Wahrhaft, ungeteilt? wiederholte sie mit einer Art von Aengstlichkeit. Seine Liebkosungen zerstreuten ihre Unruhe, und die wenigen Worte, mit denen er sich über seine sonstige Lage ausliess, legten ihr wie gewöhnlich Stillschweigen auf, indem sie von neuem ihre Besorgnisse wegen endlichen Ausgangs so geheimnissvoller Geschäfte bei ihr erregten. L*** bat sie, mit niemanden im haus Umgang zu haben, er forderte mit zärtlicher Zuversicht und männlichem Ernst von ihr, sich niemanden anzuvertrauen, weil die traurige Ungewissheit ihrer äusseren Lage, sie sonst aussezen würde, da hingegen bei einer völligen Eingezogenheit es selbst der frechsten Neugierde der Nachbarn nicht einfallen würde, in einer so eingeschränkten Lebensart etwas anders als eine Offiziersfrau, oder die Gattin irgend eines Deputirten zu vermuten. Marton unterbrach ihr Gespräch mit der Nachricht, dass das Abendessen bereit sei, und fragte Sara zugleich nach dem Gedek; freudig errötend wies ihr diese L***'s Geschenk an, worauf er sie in ein kleines Zimmer führte, dessen Fenster auf einen langen Hof ging, welcher mit bewohnten Gebäuden rings umgeben war. Heute, meine Liebe, hat Marton unsern Geschmak zu erraten gesucht, sagte L*** mit heiterer Vertraulichkeit, indem er sich mit ihr zu der einfachen Mahlzeit niedersezte; aber fortan übernimmst du deine Wirtschaft, und wenn deine Mittage einsam sind, so denkst du, dass dein bürgerlicher Freund alle Abende wenigstens um acht Uhr nach haus eilt. – Ihr Abendessen war ein wahres Hochzeitmahl, durch Zärtlichkeit, Neuheit des Verhältnisses, und Ahnung einer seligen Zukunft in Sara's entzüktem Herzen; und doch glich es, durch Einfachheit und beschränkten Genuss, dem stillen Beisammensein eines lang vertrauten häuslichen Paares. Gegen zehn Uhr erwachte die Kleine; ehe Sara aufstehen konnte, eilte L*** hin, brachte sie der Mutter herüber, und wie diese sich mit ihr entfernen wollte, rief er mit feurigen Augen, und einer von Liebe und sehnsucht gedämpften stimme: o meine Sara, lass mir, der ich so viel entbehre, jeden möglichen Genuss, jede süsse Täuschung! Ich sah mein Kind noch nie an der Brust meines WeibsEr hatte sie an ihren Siz zurückgeführt, er zog mit Bliken, die eben so viel Ehrfurcht als Liebe ausdrükten, einige Nadeln aus ihrem Halstuch, und begnügte sich dann, ihre Hand an seine zitternden Lippen zu drüken, indess sie das kleine geschöpf umschlang, das seinem Vater bald gierig den schönen Busen entzog. Sara vermochte keine Worte zu finden, bei allen den neuentzükenden Empfindungen, in welche sie der Zauber, den L*** um sich her zu verbreiten wusste, versenkt hatte; stumm beugte sie ihr holdes Gesicht zu dem Geliebten herunter, und ihr nasses Auge blikte dankend gegen Himmel, und schien ihres Vaters Geist zum Zeugen einer so reinen Glückseligkeit aufzurufen. L*** verliess sie nach zehn Uhr in sehnsucht, Dankbarkeit und freudiger hoffnung auf den morgenden Tag; er verliess sie in einer Stimmung, deren stiller, inniger, und doch an Wehmut gränzender Friede das weiche, schwärmerische Herz des guten Weibs völlig von allen ehemaligen Banden losriss, und sie ihm unbedingt übergab.

So verlebte sie eine Reihe von Tagen, deren Genuss sie verdiente, und die nur reinen Seelen, wie die ihrige damals war, aufbewahrt sein sollten. Ihr Kind, ihr kleines Hauswesen beschäftigte sie den Morgen, den übrigen Tag brachte sie mit ihrer Handarbeit, oder mit Büchern zu, an denen ihr Geliebter es ihr nicht fehlen liess; und sobald die Abendlüfte es gestatteten, fuhr sie mit Marton bis in's Freie, wo sie dann zu Fuss umherirrte, bis zu dem immer ersehnten augenblick, da sie nach Haus eilte, um den Abgott ihres Herzens zu empfangen. Die trüben Wolken, die sie oft auf seiner Stirne sah, zerstreute ihre unerschöpfliche Liebe, und sie wusste ihm Dank für den geheimen Schauder, der ihn meistens befiel, wenn sie in hingegebner Innigkeit von dem Zeitpunkt sprach, wo kein trauriges politisches verhältnis ihm mehr eine doppelte Art von Existenz, in dem öffentlichen Leben und in seinem häuslichen, aufzwingen würdedenn so wenig Stunden er nur bei ihr zubringen konnte, so nannte er ihre wohnung doch immer seine Heimatwenn sein Auge bei diesen Aeusserungen von ihr abglitt, und umherirrte, als suchte es einen festen blick, verbarg sie zärtlich ihr Gesicht an seiner Brust, und bat ihn, die unersättliche Begierde nach Glück ihr zu verzeihen: denn mehr Seligkeit, sagte sie, zu geniessen, als du mir jetzt schenkst, mein Geliebter, ist kaum möglich; es kann deren mehr geben, dennoch aber würde ich bei jedem Wechsel erzittern. Wenn ich dich umfasse; wenn du mir zusprichst, wenn du unser Kind liebkosest, so möchte ich in jedem solchen augenblick mein ganzes Leben zusammendrängen; es könnte nicht schöner