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O es zeigt mir, dass diese Brust mir noch treu ist! Klopfte sie nicht für mich, es würde erschroken aufwachen. – Sie schmiegte sich nun an ihn, ihr Auge blizte unter Tränen, ihr kindliches Gemüt liebkosste ihn lange spielend, und in ihre eigne Freude vertieft, ohne den Ausdruk seines Gesichts auszulegen. Endlich musste sie seinen unruhigen blick, seine ungleiche stimme, sein öfteres Verstummen wahrnehmen; sie musste fühlen, dass er über diesen seligen augenblick hinaus dachte. Sie fragte, und ihr süsser Ton, der Reiz ihres ganzen Wesens riss ihn wieder zur Heiterkeit hin; er wollte antworten, und dann verwirrte er sich wieder in seinen eignen dunkeln Gedanken. Sie erfuhr endlich so viel, dass er von unangenehmen Geschäften verfolgt, alles abgebrochen habe, um sich über ihre Lage zu beruhigen, ehe ein neuer Strom von begebenheiten ihn auf noch längere Zeit von ihr fortrisse. – Diese lezten Worte durchschauderten das zärtliche Weib; sie hielt ihn mit beiden Händen fest, als wollte sie ihn der ganzen Welt streitig machen, und beteuerte, keine Wendung der Umstände, keine Bürgerpflicht sollte sie mehr von ihm entfernen. Die Furcht vor einer neuen Trennung überwand ihre zärtlich stolze Schaam, mit dem feierlichsten Ernst forderte sie L*** auf, sie nun in den Besiz des Rechtes, an seiner Seite zu leben, einzusezen. Deine Treue, sezte sie mit dem Ausdruk der innigsten Liebe hinzu, will ich nicht binden, die sichert mir dieses Herz zu, das jetzt an deinem schlägt; aber jener schlummernde Engel fordert einen Vater, der ihn vor der Welt anerkenne! Er wird seine Mutter nach ihrem Gatten fragen. – Ein Strom von heissen Tränen überfloss ihre Wangen, die von Schaamröte glühten; L*** drückte sie an seine Brust, und der wechselnde Ausdruk seines Gesichts bewies, dass er nach Fassung kämpfte. Er konnte ihr endlich zureden, leidenschaft und Ueberredung ergossen sich von seinen Lippen, aber sein zweideutiger blick lud zu keinem Glauben ein, und in seinem ganzen Wesen war mehr Spannung als teilnehmender Schmerz. Er stellte ihr vor, wie unmöglich bei seinem jezigen Unternehmen die öffentliche Verkündigung der heiligen Verpflichtung wäre, die seine Liebe und ihr Wert, auch ohne ihr Kind, ohne dieses teure Pfand seines Glückes und ihres Vertrauens, ihm auflegten; wie pflichtwidrig er als Staatsbürger handeln würde, wenn er, um ihre zärtlichen Besorgnisse zu heben, sich zu dem Dienst seines Vaterlands unfähig machte, indem er durch die Wahl seiner Gattin seiner Partei Mistrauen einflösste. Er verwirrte nun Sara's banges Gemüt durch ein scheussliches Gemälde, das er ihr von den Absichten der Bundesbrüder ihres alten Freundes entwarf, und er wusste künstlich seiner Sache den schönen Schmuk der Freiheit und der Vaterlandsliebe anzulegen. Bertier sprach er von allen bösen Absichten frei, er nannte ihn einen edlen Schwärmer, der um einige Menschenalter zu spät lebte. Seine reine Römertugend, sagte er, wird von den Bösewichtern, die ihn umgeben, gemisbraucht, und er wird endlich ihr Opfer sein; denn ihnen ist Redlichkeit ein Gräuel, sie rechnen ihm den Schuz, den er dir und meinem kind gewährt, zum Verbrechen an, und wenn ich es nicht über dich vermag, dass du mir ohne Bedingung folgst, so kannst du über den alten Mann die blutige Rache seiner eignen Rotte ziehen. – Die arme war nun in ein Meer von Zweifeln gestürzt, die zu lösen ihre Erfahrung nicht hinreichte; und in dieser bangen Stimmung musste L*** sie für diesen Abend verlassen. Es ward ihm schwer: oft wollte er gehen, und seine Unruhe und ihr Schmerz führten ihn zurück; er kniete lange vor ihr, während dass ihre Tränen auf ihr lächelndes Kind herabfielen, das auf ihrem Schoosse spielte; Liebe und finstre Unentschlossenheit wechselten in ihm, und umsonst rief ihn Sara's holde stimme zum unbefangnen Genuss dieses Augenblikes auf, der ihn zwar fesselte, aber nicht erheiterte. Nach seinem Abschied suchte sich Sara zu sammeln, er hatte ihr versprochen den folgenden Abend wieder zu kommen, und sie wünschte, seine Plane dann mit frohem Herzen annehmen, oder widerlegen zu können. Sie musste ihm folgen, ohne in den Augen der Welt sein Weib zu sein, oder sie musste bleiben, und ihren ehrwürdigen Pflegvater in Gefahr sezen; denn jetzt reihte sie L***'s Wink, und des alten Mannes letzte Worte zusammen, und zitterte für des Greises Sicherheit. Diesen Abend tat Bertier keine Frage an sie; er blikte ihr gütig forschend, aber schweigend in's Auge, das sie bei diesem blick, in welchem der ganze Friede der menschenfreundlichsten Tugend glänzte, wehmütig niederschlug. Den andern Tag bat er sie, ihrem alten Freund ihre Freude mitzuteilen, wenn sie froh wäre, und ihren Schmerz nicht zu verhehlen, wenn der Besuch ihres Gatten sie betrübt hätte. Dieser Ton, dieser Ausdruk erwekte das Zutrauen der unentschlossnen Sara, sie entdekte ihm ihre Zweifel und ihre Besorgnisse, verschwieg aber aus Schonung oder Vorsicht, und weil die Sache ihr in diesem umfassenderen Gesichtspunkt nicht am Herzen lag, das abschrekende Gemälde, das ihr L*** von Bertiers Partei gemacht hatte. Wie sie mit ihrer Erzählung zu Ende war, schwor der Alte mit bittrer Heftigkeit, dass er sie nie anders, als wie L***'s anerkannte Gattin aus seinem haus lassen würdeja, mein Leben, rief er, mag ihr Opfer werden, denn er mag der Helfershelfer mehr haben, die meine eignen Brüder, die diese ehrlichen Landleute,