die mit Grabesstimme die Qualen der Verdammten, die Blize der rächenden Gotteit auf die Entweiher des Heiligtums herabrief, und dumpf schallte jeder Fluch aus dem nahen Gruftgewölbe zurück. Die berauschten Bilderstürmer waren schon durch die Finsterniss des Orts, in welchen sie aus der blendenden Abendsonne traten, überrascht; seine feuchte Kühle mochte auch auf ihr brausendes Gehirn würken – sie hielten einen augenblick in ihren Stürmen inne, und nun waren sie verloren; denn die schrekenden Bilder, die ihnen der Wächter des Heiligen vorgehalten hatte, frischten leicht ähnliche und bekannte in ihrem Gedächtniss auf, und gleich den Sclaven, welche der anblick der Geisel zum Gehorsam zurückbrachte, verwischten bei ihnen die Moderkühle, der Weihrauchsdampf und die Mönchskutte den jungen Freiheitstaumel; sie sanken zähneklappernd vor dem fluchenden Priester nieder, und murmelten ihr Bussgebet. Aber ihrer Zerknirschung war noch ein weiterer Spielraum aufbewahrt, denn ehe noch die erflehte Absolution aus des Einsiedlers doppeltzüngigem mund tönte, kam ein Haufe bewafneter Bauern, um die Verbrecher zu fangen. Der Wirt der Schenke, in welcher sich der ganze Unfug entspann, hatte gerichtlichen Beistand aufgefordert, und einige Bauern waren dem gefangenen, von ihnen in Freiheit gesezten Priester, der den Heiligen so unvorsichtig compromittirt hatte, nach dem Schauplaz des kezerischen Komplotts gefolgt. Die umgestürzten Betstühle und das herabgerissne Altartuch verkündigten die Untat der Frevler so deutlich wie ihr Zittern und Zagen; sie wurden gefangen genommen, und nach ** gebracht. Der älteste und wütendste unter ihnen, der jetzt furchtsamer als die übrigen schien, machte ein Paar Versuche zu entspringen, und wie ihm diese mislangen, suchte er dem Priester einige Worte insgeheim zu sagen. Nach einer kurzen Unterredung mit dem Bilderstürmer fing der, man weiss nicht wie, versöhnte Diener der Kirche von weitem an, darauf einzuleiten, dass der Mensch im grund einige Nachsicht verdiente, er sei fremd in dem dorf, und sei nur von ungefähr unter die Zechbrüder geraten; aber den ehrlichen Bauern, welche sich zu Rittern des heiligen Fulgentius aufgeworfen hatten, lag der Heilige mehr am Herzen als der Pfaffe, und die übrigen Gefangnen brachen in laute Schimpfreden gegen ihren Mitschuldigen aus, versicherten, er sei ihr Anstifter und Verführer gewesen, ja einer, der niedergeschlagner war als alle andere, sagte endlich, nun er ihn zum zweitenmal verführt hätte, sollte er auch seinen teil an der Strafe haben; auf das Zureden dieses nämlichen Menschen wäre er schon im lezten Sommer mitgezogen, wie sie des braven ehrlichen Gutsherrn Schloss zerstört hätten. Seitdem, sezte der Bauer bleich und zitternd hinzu, bin ich aus Angst zum Söffer geworden, denn alle Heiligen haben mich verlassen, und mir keine Ruhe gegönnt, ob uns gleich der selige Herr durch die Aeltesten sagen liess, er habe uns vergeben; und wie uns der heilige Klausner verfluchte, war mir's, als stöhnte der arme selige Herr: Amen aus dem Gruftgewölbe heraus. Diese Entdekung diente dem Verbrecher nicht zur Empfehlung; und wie am folgenden Morgen bei dem Verhör herauskam, dieser Mensch sei der Sohn des Verwalters in C**, L***'s Schloss, und ein Vertrauter des dortigen Kapellans, verbreitete sich bei dem hellsehenden und braven teil der Commune ein allgemeines Kopfschütteln. Es trafen so viele bedenkliche Zeugnisse gegen den Menschen zusammen, dass seine Sache sehr weitläuftige Aussichten gab, als ganz unerwartet, es sei von ungefähr oder auf Veranlassung, L*** selbst in C** ankam. Seine Erscheinung flösste dem zahlreicheren teil der Partei, welche bei des Bilderstürmers Process interessirt war, Troz, dem andern aber die Art von Bitterkeit ein, welche die Erwartung einer Ungerechtigkeit, die zu hintertreiben man zu schwach ist, so leicht geben kann. Kaum aber hatte sich L*** die Sache, die ihm ganz fremd schien, berichten lassen, und mit den Richtern gesprochen, so erhielt der Beklagte sein Todesurteil als Mordbrenner und Aufrührer, und wurde in der möglich kürzesten Frist hingerichtet. Der Elende schien wütend, er wollte zu dem anwesenden volk reden, allein sein zitternder Mund brachte nur die wiederholten Worte vor: Ihr seid betrogen, ich bin geopfert – Der Geistliche, der ihn begleitete, schwang das Crucifix und betete lauter, bis die Todesmarter des Sterbenden Bemühung zu sprechen zum Gewinsel machte.
Sara erhielt die erste Nachricht von L***'s Ankunft in der Gegend durch den alten Bertier. In der Art, wie er sie ihr mitteilte, hätte sie seine ganze Guterzigkeit lesen können, wenn sie nicht schon ein gewisses Mistrauen gegen ihn in ihrer Seele hätte Wurzel fassen lassen. Das höchst zweideutige Licht, in welchem L*** von neuem erschien, brachte den rechtschaffnen Alten auf, und erfüllte ihn mit bittern Sorgen über den gang der Zukunft; aber in dem nämlichen Grad, wie er L*** misbilligte, beklagte er Sara's schicksal. Er hatte sie so lange geliebt, und nicht, weil sie seine Liebe weniger verdiente, war er jetzt unzufrieden mit ihr, sondern weil sie nicht für seinen Roger so liebenswürdig war. Er sagte ihr fast störrig, um nicht betrübt zu scheinen, L*** sei angekommen, und eben zur rechten Zeit, um einem Eindruk vorzubeugen, der seinem haus nicht zur Ehre gereiche; er erzählte ihr sodann, was sich am Abend des Bundesfestes ereignet hatte, und wie man erstaunt gewesen war, in dem Anführer der Unruhstifter einen Menschen zu finden, der, wie die ganze Gegend um C** wusste, zu L***'s Hauswesen gehörte. Bedenklich sezte er hinzu: Sara, der Vater Ihres Kindes soll unter meinem dach