Verbrechen; deine Sklavin hat dich betrogen, und ihre unendliche Verdammniss bewies dir, dass sie den Wert ihres Herrn kannte .... ich verzeihe dir mein Elend, diese hier folgt mir nach – – sie ergrif das Kind, zog es auf ihren Schoos, und hielt es fest, bis der Tod nach wenigen Minuten ihre Hand erschlafte. – – Ich habe sie nie verstanden; ein undurchdringliches Dunkel verhüllt den Weg, auf welchem sie in's Verderben wandelte. zwölf Jahre lebte ich nur um ihres Glückes willen, und ihr sterbender Mund beschuldigte mich, ihr Despot gewesen zu sein. Ihr seid Zeugen meines übrigen Lebens gewesen; Antoinette hat ihr nun gesagt, ob ich Wort hielt. – – schreibe deinem Bruder, Sara, ich beföhle ihm sogleich zu uns zu eilen; die Verbindung mit der Tochter jenes Verworfenen wäre unnatürlich und schändlich, aber sage ihm auch noch, dass keine Verbindung, von welcher Art sie sein mag, mit irgend einem aus dem verhassten stand, um dessen Gunst er so schimpflich buhlt, je meinen Segen haben wird; sage ihm, dass er dem Namen meines Sohnes, oder dem Bündniss mit diesen Menschen entsagen soll. Höre, Sara, höre diese Worte, und mache, dass dein Bruder sie fühle. Meine letzte Kraft ist mit dieser Nacht von mir gewichen, rede mir nie von dem, was sie dir entdekte, nuze es für deine Zukunft, und ehre mein künftiges Stillschweigen.
Seldorf zeigte nun auf die anbrechende Morgendämmerung, und hiess ihr, sich zur Ruhe begeben. Sie verliess ihn gern, denn ihr Geist erlag beinahe unter der Menge von Eindrüken, die er heute empfangen hatte. Wie sie aber ihr Zimmer verschlossen hatte, und sich allein sah, und die Entdekungen dieser Nacht einzeln vor ihrer Fantasie vorübergingen, da erschien ihr die Welt in einem neuen feindseligen Lichte, und es fing ihr an vor der Stille um sie her zu schaudern. Dass es Bosheit unter den Menschen gäbe, war bisher fast nur durch Tradition auf sie gekommen; denn das Schreklichste, was sie von ihnen erlitten hatte, die Verwüstung der väterlichen wohnung, hatte kaum einen andern Eindruk bei ihr zurückgelassen, als wenn das Feuer des himmels ihre Heimat vertilgt hätte: die Menge der Frevelnden, und die Vielseitigkeit der Veranlassung verwischten die Bitterkeit gegen jeden unbekannten Einzelnen aus ihrem Herzen. Sie hatte Zeitlebens nur geliebt, nur vertraut; und alle Verhältnisse, die äusserlich den ihrigen glichen, hielt sie für innig und beglückend wie die ihren, so lange sie das Gegenteil nicht wusste: alsdann aber schienen ihr die tadelhaftesten Menschen nur unglücklich, und Unglückliche konnte sie nur beweinen, und zu trösten wünschen. jetzt zum erstenmal trat die Larve des Betrugs, der Sünde, der leidenschaft vor ihr jungfräuliches Auge, das noch keine Lüge erkannt hatte; und ihr war zu Mute, wie einem Kind, das in den Armen der Mutter eingeschlafen, unter fremden Menschen erwachte. Das Zutrauen der Unschuld war dahin, in ihrem noch durch keinen Argwohn enteiligten Herzen war ein Schauder vor der Menschheit aufgeregt – denn die Menschen hatten ihre Mutter vernichtet, hatten ihren Vater betrogen, sie wollten ihr jetzt ihren Teodor entreissen. Aber ihr Vater blieb ihr, und L***, und Roger – und auch Bertiers graues Haupt war von keinem Betrug belastet – Sie fühlte ihr Herz glühen in Liebe, sie hätte diese alle um sich versammeln, sie ewig um sich bannen mögen, wie auf einem Schiff, das der Sturm umherschleudert und die Wellen peitschen, die Menschen die sich lieben, sich näher zusammendrängen, und das Geheul der Winde sie weniger schrekt, wenn sie mit den Augen den kleinen Haufen überzählen, und keiner fehlt. Sara hätte gern die ganze Welt vergessen, wenn nicht Teodor ihr noch angehangen hätte. Sie ging eifrig daran, ihm den Befehl ihres Vaters so unausweichlich als möglich zu verkündigen; und wenn er dann zurückkehrte – dann schwärmte das holde geschöpf sich eine rükkehrende Jugendzeit vor; das Schloss ward aufgebaut, der Garten blühte wieder; mit den beiden Freunden ihrer Kindheit verbunden wandelte L*** – aber auf einmal vor Schreken erstarrt liess ihre Hand die Feder fallen, wie sie des Vaters Schwur niederschrieb, nie einer Verbindung mit jenem stand seinen Segen zu geben. Er hatte zweimal mit so furchtbarem Nachdruk gerufen: höre es, Sara, höre es, und mache, dass dein Bruder es fühle – Wollte er auch sie treffen, da er Teodors Urteil sprach? Von allen Seiten geängstet, mit erschöpfter Kraft und verweintem Auge ging sie an ihre Hausgeschäfte, und sehnte sich, des Denkens müde, nach der Stunde, wo der anblick ihres Freundes allen Kummer hinwegzaubern würde. arme Sara, du ahnetest nicht, welch ein giftiger Tau nun schon auf die Blüte deiner Liebe gefallen war!
Der augenblick erschien, und sie eilte L*** entgegen, wie am stillen Gestade jenseits die müden Sterblichen auf den Quell der Vergessenheit zuwandeln. Aber zwischen sie und den Geliebten hatte sich des Vaters geheimnis und des Vaters Schwur gestellt, und verstimmte den reinen Ton der Liebe, eh er von Herz zu Herz gelangte. Bei jeder Träne, die ihr Auge füllte, bei jeder trüben Ansicht der Dinge, auf welcher ihre glühende Fantasie ruhte, bei der bangen Traurigkeit selbst, mit welcher sie die süssen Bande zwischen ihr und ihrem Freunde fester anzog, fühlte L***, dass in ihrem Geist etwas vorgegangen war, was ihm unbekannt blieb. So oft Sara mit gewohntem zärtlichem