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so zeitig zu ihr gegangen, weil wir, da wir noch bei ihrer Schwägerin wohnten, von der Lebensart dieser Frau abhiengen; diesen Morgen ..... Er atmete tief, seine Lippen zitterten, er blikte endlich streng auf Sara's bang horchendes Gesicht: Ehre deines Vaters Schwäche, sie war auch der Keim seiner Tugend. Ich ging durch den Garten, von welchem eine kleine Treppe in ihr Zimmer führte .... ich trat ein, sie rief erschroken ..... der Elende, der ihr Bett teilte, war der Graf Vieilleroche, meines Feindes älterer Bruder, der Vater von Teodors Braut! – –

Sara tat einen lauten ächzenden Schrei, und bedekte ihr Gesicht mit beiden Händen. Seldorf fuhr fort:

Ich musste vor der Welt meine Schande entdeken, oder sie ewig auf meinem Herzen tragen. Die Unglückliche gab mir ihr schicksal in die hände, und ich legte die Last dieses Bewusstseins auf mein Herz. Nach wenigen Tagen ward ich krank, die Unglückliche umschlang meine Kniesie war es! – sie war schwangerAntoinette – –

Seine Zähne schlugen wie im Fieberfrost zusammen, Sara lag mit ihrem Kopf auf seinen Knien, und schluchzte: Genug, genug! Lass dich versöhnen, sie ruhen im grabEine lange tote Stille folgte jetzt, während deren Seldorfs Schmerz in kalte Erstarrung überging: sein Gedächtniss erleuchtete die Vergangenheit, wie der Mond ein Schlachtfeld erhellt, unempfindlich gegen die Schreken die aus der Finsterniss hervorgehen. Mit unverrüktem blick sah er vor sich hin, und sprach mit eintöniger Kälte weiter:

Ich traf sogleich alle Anstalten, um das Haus meiner Schwägerin zu verlassen, ich untersagte meinem unglücklichen Weib allen Umgang mit den Menschen, die sie bisher gesehen hatte; Fremde hielten mich für einen Sonderling, die Familie meines Gegners sah es als Hass an, der Elende, der sein Leben von mir erbettelt hatte, ward troziger. Er hatte die Frechheit, in der Sache seines Bruders mit mir zu sprechen, er unterliess indessen die Vorsicht nicht, es vor Zeugen zu tun. Die Verachtung die ich ihm bewies, und für welche er mir innerlich Rache schwor, ohne den Mut zu haben seine Empfindlichkeit zu äussern, brachte alle meine Gegner noch mehr auf; man erregte eine schändliche Kabale gegen mich, und ich sah mich auf dem Punkt, schimpflich meines Dienstes entsezt zu werden. Seit dem lezten geständnis meiner Frau hatte ich sie nicht wieder allein gesprochen; mein verirrtes zerstörtes Gefühl weidete sich an dem bittern Possenspiel von ehelichem Frieden, das ich vor den Hausbedienten und den wenigen Fremden, die wir sehen mussten, spielte; in der Stunde, wo ich die Nachricht meiner unvermeidlichen öffentlichen Entehrung erhielt, drang ich in ihre Einsamkeit, um sie mit dem Fortgang ihres Verbrechens bekannt zu machen. Ihr verschlossnes Gesicht ward bei meinen Worten noch finstrer, sie zeigte mir einen Dolch, den sie gegen ihre Brust hielt: Du kannst mir das Leben nur bis zu einem gewissen Punkt aufzwingen, über den hinaus bist du mein Mörder! – Erniedrigt und beschämt verliess ich sie. Den Tag wo meine Sache entschieden werden sollte, langte eine Gesandschaft von allen Subalternen der Flotte an; meine braven Kameraden drohten mit unwiderlegbaren Anklagen gegen alle Oberen, man zitterte vor den Folgen; die redlichen Seemänner führten mich in den Gerichtssaal, und empfiengen die abgedrungne Gerechtigkeit, die ich erhielt, mit einem Freudengeschrei, das in meinem verwüsteten Herzen öde verhallte. Sie begleiteten mich bis in mein Haus, verlangten mein Weib zu sehen, und ein grauer Seeoffizier küsste ihr im Namen aller meiner Kameraden die Hand, weil sie durch einen heimlich von ihr nach Brest abgesandten Expressen erfahren hatten, in welcher Gefahr sich ihr Waffenbruder befand. Wie sie mit sanfter Würde ihnen dankte, meiner mit einer ehrerbietigen, feierlichen Bewunderung gedachte, und dann in ihr Zimmer zurückging, fühlte ich mich nahe daran, durch den Zwang, den ich mir antat, den Verstand zu verlieren. Ich nahm nun meinen Abschied, den die Vorstellungen, welche der König dagegen machte, und der laut ausgedrükte Schmerz aller meiner Kameraden ehrenvoll machten. Von dem Zeitpunkt bis zu ihrem Tod lebten wir wie zwei verdammte Geister, die um dasselbe Grab zu wandeln verurteilt wären. Unauflöslich zusammen an die Vorstellung der Vergangenheit geschmiedet, schauderten wir auseinander, so oft eure kindische Unbefangenheit oder irgend ein Zufall uns erinnerte dass es eine Gegenwart gab. Ich hasste sie nicht, wahrlich nicht! – aber ihr fürchterliches Verstummen liess mich nie über den Abgrund, der uns trennte, einen Weg entdeken. Antoinette ward geboren. Der Keim des Todes, den sie bei ihrer Geburt mitbrachte, von dem schwärzesten Gram genährt, endigte eurer Mutter Leben. Ihr schimpfliches Leiden, das sie mit unveränderter Fassung ertrug, beugte mich endlich bis zum wehmütigsten Schmerz. Vierzehn Tage pflegte ich sie mit schonender Sorgfalt, ich wachte und weinte an ihrem Lagerwie der herannahende Tod ihr Auge schon verdunkelte, und keine Bitte etwas über ihr entsezliches Stillschweigen vermochte, drückte ich ihr Kind an meine Brust, und sagte: Du verkennst mich bis in's Grab, aber diese Verlassene soll mir deine Grausamkeit mit Liebe ersezen! – Sie richtete sich in die Höhe, ihr brechendes Auge sah mich mit wilder Starrheit an, und sie sprach: Eigennuz und Herrschsucht waren die Quelle deiner Wohltaten: ich sollte dein geschöpf sein, und das Glück, das ich nicht aus deinen Händen nahm, wurde mir zum