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, wohl aber mein Retter vor Verzweiflung im tod. Die Tochter des *** hat mir ihre Liebe geschenkt, ich betete sie an, ich vergass meine Lage .... sie musste mein Weib werden, damit ihre Ehre gesichertHier hörte ich, sagte Seldorf, einen leisen schnellen Schritt sich der tür nähern, ich legte mechanisch den Finger auf den Mund meines unglücklichen Freundes, die Leute im Vorzimmer schienen sich zu bewegen, die tür öfnete sich, und ein verschleiertes Weib flog auf das Bette zu: Neben deiner Leiche soll meine Schande kund werden, rief sie wild** hatte meine Hand mit einer von den seinigen gefasst, er nahm jetzt mit der andern die rechte der Verschleierten, die sie gegen ihn ausstrekte, richtete sich auf, und sagte mit festerer stimme: Sie ist rein wie Schnee, sie ist meine witwe; Seldorf, um die Unschuld zu erhalten, sein Sie so ihr RetterEr legte ihre Rechte in die meine, drückte sie fest zusammen, beugte sich über beide ..... ein Strom von Blut quoll aus seiner Wunde; er war tot! – Nach einer Weile fing Seldorf leise und ausdrukslos wieder an: das Mädchen war schwanger, und der Vater gab sie mir, weil er nicht hart genug war sie in's Kloster zu steken, und ich sie ohne Aussteuer nahm; denn der Mann hatte drei Söhne, und war so arm wie adlich. Eure Mutter empfieng meine Hand, als das heilige Vermächtniss ihres ersten Gemahls, mit dem Schmerz und dem Dank der ihr zukam. Ich war sehr glücklich; ein Gefühl lebhaft wie die Liebe, und nicht trügend wie sie, verband mich mit einem jungen, reizenden, für jedes Schöne empfänglichen weib, deren moralisches und bürgerliches Dasein mein Werk war. Wir verreissten nach unsrer Hochzeit; ein unglücklicher Zufall machte mich an dem Krankenbett eurer Mutter es beweinen, nicht der Vater von meines edlen ** Waise geworden zu sein. Teodors und deine Geburt erhöhten nach und nach das Glück meiner Ehe. Einsam auf einem kleinen Landgut, das ich an den Bretagner Küsten gekauft hatte, verlebte ich die Zeit, die mein Dienst mir übrig liess, in dem süssesten Frieden. Deine Mutter war jünger noch wie ihr Alter, sie schien durch den schreklichen Tod ihres ersten Gemahls von jeder heftigen leidenschaft geheilt, und sie behielt bei der abgesonderten Lebensart, die wir führten, ein Gepräg von kindlicher Einfalt, das mein weiches Herz entzükte. Ich hätte ihrem Glück mehr wie mein Leben geopfert; es gab Stunden wo ich in ihren innersten Gefühlen zu lesen glaubte, und ich sagte zu ihr: du bist jung wie ein Kind; wenn dein Herz, das gewiss mehr erstarrt als kalt ist, sich einst erwärmen sollte, lass mich dieses liebe Herz dann lenken – – Der amerikanische Krieg brach aus, ich ging an meinen Posten, und stand treulich einem volk bei, das nicht wie deine Landsleute durch Verbrechen sich zur Tugend und zum Glück aufschwingen wollte. Zwei Brüder deiner Mutter fielen bei Gibraltar; ihr Vater hatte troz seines Standes noch so viel menschliches Gefühl, seinen Schwiegersohn zu schäzen, und ihm das Glück seiner Tochter anzurechnen. Er rief sie jetzt zu sich nach Paris, um ihn zu trösten, sie musste aber bald ihm die Augen zudrüken, und sie blieb in der Hauptstadt, in den Händen ihrer Schwägerin und einiger andrer Weiber dieses Standes. Nach fünf Jahren kam ich zurück, mit festerem Glauben an Menschenwert und Menschenglück als ich je gehabt hatte, stolz, meinem sanften weib diesen gelähmten Arm zu zeigenich sehnte mich, meinem Teodor zu sagen: Dieses Blut floss der Freiheit. Ich kam zu meiner Gattin, und fand Kälte, Verlegenheit, künstliche Liebkosungen, ich fand sie für mich verlorenich bat sie innig, väterlichja väterlich! Ich sagte: du bist schön, jung, du bliebst alleinkannst du in dem veralteten, verstümmelten Freund den Gatten nicht mehr lieben, so sprichErinnere dich, dass ich um deines Glückes willen deine Hand erbat, und dir nun Jahrelang das meinige danke. – Es gelang mir nicht, ihr Herz zurückzuführen; sie beteuerte, dass ich sie misverstünde. Ein streitiges Dienstgeschäft, das mir der unsinnige Hochmut meines Gegners, eines der schamlosesten Weichlinge im Seedienst, zur Ehrensache machte, indem er alle müssigen Höflinge aus seiner Familie gegen mich aufhezte, gab mir so viel ausser dem Haus zu tun, dass ich deine Mutter wenig sah, und noch nicht Zeit gehabt hatte, in ihre Vergnügungen und Bekanntschaften, die mir sehr zahlreich schienen, näher einzugehenSeldorf wurde hier unruhig, er suchte sich zu fassen, fing ein Paarmal wieder an, und fuhr endlich fort, als eilte er bei einem grässlichen Gegenstand vorüber: Einen Abend schien sie mir befangner als jemals; ich wiederholte meine herzlichen Bitten um Vertrauen, meine Beteurungen dass ich sie als völlig frei ansähe. Sie nahm eine hinreissend liebenswürdige Wehmut in ihren Antworten an, wiegte mich in Zärtlichkeit und hoffnung ein; und ich überredete mich, seit meiner Rükkehr zum erstenmal in ihren Armen, nicht sie, sondern die Gegenstände um sie her hätten sich verändert. Mit der frohen Erwartung, bald in unsre Einsamkeit zurückzukehren, trennte ich mich von ihr, um nach Mitternacht auf mein Zimmer zu gehen, das ich am folgenden Morgen sehr früh wieder verliess, weil mich Geschäfte aus dem Haus riefen. Ich war sonst nie