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grenzen reiste, in den Provinzen umherstrich, und das Feuer verbreiten half, das zu löschen nun schon Ströme von Blut nicht hingereicht haben. Ein Wort des kunstreichsten aller Weiber, ein blick von ihr, in welchem wo es nötig war eine Träne des Dankes glänzte, ihre rührenden Aufforderungen im Namen ihrer reizenden Kinder, entzündeten in diesem, wie in manchem stärkeren und reiferen Kopf eine Begeisterung, die glühender war, als die himmlischen Visionen um derentwillen mancher Märtirer sich in den Scheiterhaufen stürzte. Nachdem die Flucht des Königs mislungen war, arbeitete man unermüdlich an andern Entwürfen. Teodor erhielt Aufträge nach **, und dort hätte die unverbesserliche Torheit der ** ihm bald die Augen geöfnet, indem sie seinen, nun fast zur Höhe der Sphäre, in welche er sich verloren hatte, emporgewachsenen Stolz beleidigte. Die ** achteten eines Abgeordneten wenig, der ohne glänzende Titel mit aller Wärme eines redlichen Dieners die Vorteile seines Herrn sich angelegen sein liess; und er hatte auf dem Schauplaz des Gräuels einer gewissen Anstekung nicht entgehen können, die gegen die bei zeiten gerettete Glaubensreinheit der ** und ihres Gefolges genug anstiess, um ihn in ** bei einem Haare in den Ruf eines **** zu bringen. Die Nebenabsichten mancher seiner Helden erschienen ihm bei der höhnischen Behandlung, die er erfuhr, in einem weniger trügenden Lichte, und er stuzte vor der Aussicht, die vor ihm zu dämmern anfieng. Unglücklicher Weise äusserte er die Betrachtungen, die in ihm aufstiegen, ohne alles Hehl gegen seine Obern, und sie erschraken, einen Menschen, dem so wichtige Geheimnisse anvertraut waren, am Rand eines Abwegs zu sehen. Er ward sogleich zurückgerufen, und durch einen neuen Zauber gefesselt. Sein ganzes Wesen und seine Kenntniss der deutschen Sprache, die er seinem Vater zu verdanken hatte, machten ihn für Geschäfte an deutschen Höfen vorzüglich geschikt: es sollte ihm jetzt ein solches aufgetragen werden, dessen Wichtigkeit einen Vertrauten zu fordern schien, der mit den unauflöslichsten Banden an den Hof gefesselt wäre. In dieser Rüksicht verstand sich der Graf Vieilleroche zu dem Opfer, Teodorn als seinen Schwiegersohn anzunehmen.

So verlieren diese Menschen den einfachen Faden der Glückseligkeit immer unwiederbringlicher im Labirint des Lebens! Wie hatte jene Zeit sich verändert, da Seldorfs Familie ihre Freuden und ihre Pflichten noch in dem kleinen Kreis ihrer ländlichen Heimat beschränkte; da sie das Bewusstsein hatte, durch Liebe und Güte mit der Menschheit abgerechnet zu haben; da Teodor an Rogers Arm zur heitern Sara eilte, und Seldorfs still leidendes Gesicht von dem Lächeln der hoffnung erhellt wurde! jetzt keimte über dem Schutt von Seldorfs Haus das Gras langsam empor, weil Hofnungslosigkeit die Hand des Eigners gelähmt hielt; Sara weinte am Krankenlager des vom Kummer entstellten Vaters, und hinter ihrem schönsten, tröstendsten Gefühl lauerte ihre künftige Hölle; Roger lenkte mit wundem Herzen alles Feuer seines Willens und die feste Redlichkeit seiner Grundsäze auf ein blutigesunsichres Ziel; und Teodor wurde das blinde Werkzeug des selbstsüchtigen Stolzes und der Unterdrükung, er dünkte sich über die Schwächen der Menschheit erhaben, indem er aus kalterzigem Ehrgeiz der hirnlosen Erbin eines grossen Namens seine Hand gab, indem er einem geschöpf ohne Tugend und Weiblichkeit zuschwor, nie einer andern zu gehören. Wir wollen ihn selbst hören die Täuschungen auseinander sezen, in welche er sich wiegte.

"Der erste Vorschlag dieser Heirat überraschte mein eigennüziges Herz. Ich hatte das fräulein Vieilleroche bei einigen Gelegenheiten gesehen; und von dem augenblick, da ich sie mir als meine Gattin dachte, drängte sich Sara's Bild neben sie, und mit allen Reizen der weiblichen Tugend umstrahlt, schien ihr Vestalinnenblik mich zu fragen: ist dieses das Ideal, das deine Sara verdrängen darf? Mit Schauder sah ich die mir bestimmte Braut neben diesem heiligen Bilde; wenn es meinem Auge gelungen war, durch die Verstellung der Kunst bis zu ihrem wahren Gesicht zu dringen, so scheuchte mich ihr kalter, unstäter, Lebhaftigkeit nachäffender blick, und die blasse Wange, und der erschlafte, nichts sagende Mund, auf welchem leeres Lächeln und die Härte des Stolzes abwechseln – O mein Vater, hatte ich für dieses Weib mein Herz neu und meine Sinne rein erhalten in meiner glühenden Jugend? Ich zerfleische wieder mein innerstes Gefühl, indem ich Ihnen die Grösse meines Opfers schildre. Um mir aber einen Schwiegervater, eine ganze Familie zu verbinden, deren Ehre und Sicherheit es ihr nun zur Pflicht auflegen, mir in meinen Unternehmungen beizustehen, um die Stüzen des besten Königs, der erhabensten Frau fester zu gründen, siegte ich über mein widerspenstiges Herz. Ich schied auf ewig von allen Ansprüchen auf häusliches GlückVater! möge Sara Ihnen bald mit einem würdigen Gatten die Schwiegertochter ersezen, die Ihrem Herzen ewig fremd sein wird! Es war eine Zeit, wo ich ihn zu wissen glaubte, den Mann, mit welchem ich den Namen Ihres Sohnes zu teilen gewünscht hätte; jetzt müsste ich zittern, wenn mich meine angebetete Schwester zwänge, in meinem Bruder einen Rebellen zu erkennen. – –

Ich kann mich über so manche, zum teil äusserst peinliche Schritte, zu denen mich meine Lage und meine überzeugung zwingt, nicht deutlicher erklären. Verzeihen Sie Ihrem Sohn die letzte Schwäche, die er sich erlaubt: Ihnen zu sagen, dass es schwere Pflichten sind, die mir geboten, so manche Neigung zu erstiken, so manches schöne Gefühl meines Herzens zu ewigem Schweigen zu verdammen, so manchen lange geehrten Grundsaz beiseite zu stellen, und mir für diese eiserne Zeit so zu sagen ein neues