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einsam in diesem haus; aber der ganze Hof war voll von Menschen, die scheu und heimlich ihren Pferden schmeichelten, dass sie still blieben, und ihre Waffen fest zusammen fassten damit sie nicht klirrten. Ach L***! diese Nacht, diese Reiter! Sie müssen mir verzeihen, wenn ich Verrat fürchte sobald mein Schuzgeist fern istSie blikte ihn so bittend mit gefaltenen Händen an, als fürchtete sie, sein Ohr möchte es hören, wie laut in diesem augenblick die Worte ihres Vaters in ihrem Herzen wiederhallten. Gute Sara! sagte L*** voll Güte und Ruhe; armes banges Mädchen, werfen Sie die Schreken Ihrer Einbildungskraft von sich, fühlen Sie wie gefährlich diese Furcht vor Verrat selbst in Ihrem schönen Herzen ist! Meine Freunde können sich des Gewitters wegen verweilt haben; ich hatte sie so ernstlich gebeten, Ihnen Ihren Vater allein zu überlassen, dass sie alles getan haben werden, damit das Haus nicht wach würde. Sie wissen, wie wenig eine Zuflucht bei dem Vicomte *** dazu gemacht war, die Rasenden, die Ihnen drohten, zu besänftigen – O so lassen Sie uns dies Haus verlassen! rief Sara erschroken; guter L***, unser Schuzengel, unser Retter! lassen Sie meinen Vater in sein Haus zurückkehren; die Menschen werden ihn ja nun in Ruhe lassen, sie haben sich ja nun überzeugt, wie grausam falsch ihr Verdacht war. – Sie weinte über die neue Gefahr ihres Vaters, L*** fasste ihre beiden hände, die sie gegen ihn aufhob: Meine Freundin, meine teure würdige Freundin, ich will, ich kann Sie trösten und schüzen, aber ich fordere auch Mut.... ich habe noch nicht auserzählt. Sie müssen Ihren Vater, mit der Ihnen eignen, liebenswürdigen Schonung vorbereiten .... zu einem längeren Aufentalt hier oder an einem andern Ort, über welchen wir einig werden müssen, überreden .... sanftes, gutes Kind, Sie müssen es über sich nehmen, ihm die Trennung von seiner ehemaligen wohnung vorzuschlagen. – Nie, niemals! das kann ich nicht, rief Sara; dort, sagte er noch gestern, wollte er leben und sterben; es wird bei seinem Erwachen sein erster Gedanke sein, dahin zurückzugehenEr kann nicht, Sara! Seine wohnung liegt in Asche, die Verwüstung hat alles ergriffen: soll der alte Mann die rauchenden Trümmer erblicken? – Das unglückliche Mädchen blieb versteinert, ihre aufgehobnen hände sanken langsam auf ihren Schoos herab, auf ihrem bleichen Gesicht kämpften Ergebung und Schreken; mit einem Strom von Tränen rief sie endlich leise aus: rauchende Trümmer! Armer alter Mann, du selbst solltest noch vergebens die Spur deines Daseins suchen? – L*** verstand die Veranlassung dieser Worte nicht; aber dieses Gesicht, von welchem der Kummer so plozlich die Farbe der Jugend verwischt hatte, und das in seinem unaussprechlichen Schmerz doch so nahe an kindlichste Ergebung gränzte, benahm ihm auf einen augenblick die Fähigkeit, sie zu trösten. Seine Augen ruhten auf ihr, bis sie von Tränen verfinstert sich abwandten, er stand von seinem Siz auf, und ging mit langsamen leisen Schritten vor Sara's stuhl auf und ab. Sie weinte einige Augenblike sanft und still, horchte dann auf, und winkte L*** zu sich; sie stand auf, und indem sie auf das innere Zimmer zuging, sagte sie mit rührender Fassung zu ihm: jetzt habe ich Mut! Mein Vater ist, glaube ich, aufgewacht, stehen Sie uns mit Ihrem Rate bei. – Sie fanden den armen Seldorf wirklich von seinem tiefen Schlaf erwacht, aber in einer Mattigkeit, welche die Erinnerung des vorhergehenden Abends sehr geschwächt zu haben schien; sein Wesen drückte mehr Verwunderung über die Neuheit der Scene aus, und ein schwaches Lächeln von Freude, wie Sara vor ihm hinkniete, und seine hände an ihre Brust drükend, nach seinem Befinden fragte. Er erblikte jetzt auch L***, und schien in dem augenblick von einem unwillkührlichen Schauder überfahren; die vergangne Nacht trat aus ihrer Finsterniss hervor, er fragte nach der Zeit, nach der Lage der Sachen; und Sara nahm mit einer Fassung, mit einer Leichtigkeit, durch welche sie sich aufzusparen schien, um nur in den Ausdruk ihrer Liebe ihre ganze Seele zu legen, das Wort, liess sich für's erste in eine Erzählung von der Entstehung des Aufruhrs ein, zog ihren Freund, der ihre Absicht schnell begrif und ihr beistand, mit in's Gespräch, und war geflissentlich so weitläuftig, dass sie Zeit gewann ihren Vater ein Frühstük einnehmen zu lassen, für welches L*** gesorgt hatte. Ihre unglaubliche Empfänglichkeit machte dass sie den gewaltsamen Kampf, wo ihr Mut eben gesiegt hatte, in der Ruhe des Augenbliks vergass. Die heiterste Luft fächelte durch die offenen Fenster ihr heisses Gesicht, das Geräusch einer ländlichen Wirtschaft zauberte ein seltsames Gefühl von häuslichen Freuden in ihr hervor, die Gegenwart ihres Geliebten, der mit zärtlicher Bangigkeit vor dem Ausgang seine Blike kaum von ihr verwandte, und ihr in dem fremden Aufentalt hundert kleine Dienste leistete, wiegte sie täuschend in die anfangs erzwungne Stimmung ein; kurz alles riss das überspannte geschöpf zu einer Heiterkeit hin, die unter diesen Umständen zu sonderbar war, um von Seldorf ganz unbemerkt zu bleiben. Er blikte sie ein Paarmal halb fragend an; diese Blike und L***'s zärtliche Geschäftigkeit riefen durch eine ganz entgegengesezte Ideenverbindung jenen Abend in ihr zurück, wo der alte Bertier ihr und Rogern so ungewiss zusah, wo Teodor aus dem