, mit etlichen Jagdflinten zurück, die ihnen ein Lakai nicht ohne einige Persiflagen auslieferte, indess in den unterirdischen Gewölben des Schlosses Tausende von Patronen verfertigt wurden, und die Gewehre angehäuft lagen. Im Distrikt von Saumür hingegen war ein Freund des alten Bertier an der Spize der Municipalitätsbeamten, welche die Auslieferung der Waffen besorgten; und dieser sezte seinen Auftrag mit der Unerschrokenheit, welche das Bewusstsein der Gesezmässigkeit immer geben sollte, aber auch mit der Härte lang erwarteter Rache durch. Der Mann hatte nichts von Bertiers menschlichweiser Güte, er hatte nur seinen kühnen Geist; alles was ihm sein Freund von Seldorfs Unglück, von seiner unschädlichen Einsamkeit gesagt hatte, verlöschte den Eindruk nicht von dem Kaltsinn, mit welchem Seldorf jeden stürmischen Patrioten aufnahm; und der Nahme seines Sohnes, der jetzt unter den Anhängern des Hofs genannt wurde, und dem man in dem kleinen Zirkel seiner Bekannten mehr Anteil an der Entweichung des Königs zuschrieb, als er je gehabt hatte, führte den Mann, der zum kalten und passiven Handhaber des Gesezes bestellt war, mit dem einseitigen beleidigenden Vorurteil des Argwohns in Seldorfs Haus, als auf seiner Runde dieses die Reihe traf.
Seit jenem Abend, an welchem Sara über L***'s Betragen unruhig gewesen war, hatte sie ihn nicht mehr gesehen. Alle fürchterlichen, abenteuerlichen Nachrichten, die sie seitdem vernommen hatte, alle Besorgnisse wegen der Zukunft hatte sie allein ertragen und bekämpft; die sehnsucht nach dem Gegenstand ihrer Zärtlichkeit, und die Bangigkeit über sein schicksal zerrissen zugleich ihr Herz, und erschwerten mehr wie jemals ihre Bemühungen, die Bitterkeit ihres Vaters zu besänftigen. Sie sann umsonst, was in einem augenblick wo Gefahr von allen Seiten her drohte, ihren Freund entfernt halten konnte, unter dessen Augen sie sich geborgen dünkte, wie das Kind in der Mutter Armen. Die schrekliche Erzählung, die sich von dem Tag des Marsfeldes verbreitete, sezte ihrer Einbildungskraft von neuem zu; jede laute stimme unten im Dorf, jedes ferne Getös schien ihr Tumult und Mord zu verkünden. Ruhig wie ein abgeschiedner Geist von dem Leben im Staube spricht, wenn er in einer stürmischen Mitternachtsstunde seinen zurückgelassnen Freunden erscheint, hatte sich indessen Seldorf mit Sara in ein Gespräch über ihre Kinderjahre, und über das Glück, das sein Vaterherz sich von ihrer Jugend versprochen hatte, vertieft. Mit grausamer Kälte zerriess er sein eigenes Gefühl, und erzählte wie er gehoft hätte, diesen teil des Hauses sollte Teodor einst mit seinem weib bewohnen, dort würde Sara sein Alter pflegen; er sprach weiter, wie er manchen Baum gepflanzt hätte, um mit seinen Enkeln unter dessen Schatten zu spielen, und wie dort jenes Feld nur mit einer leichten Heke umzäunt wäre, weil er, wenn die Wirtschaft grösser geworden wäre, des Nachbars Grundstüke dazu gekauft haben würde. Sara hörte bang diesem hofnungslosen Herzählen nie genossenen Glückes zu, und suchte, mit einem Herzen das fast von Wehmut brach, seine Träume an die Zukunft zu knüpfen. Seldorf hielt inne, und liess sie allein sprechen; ermuntert durch sein Stillschweigen, glaubte das gute Mädchen, über des Vaters finstern Dämon zu siegen, als Seldorf langsam den Kopf schüttelte, und mit seinem matten erstorbnen Tone sagte: Du wirst bald vergebens meine Spur und meiner Träume Denkmäler hier suchen – Diese Worte durchfuhren Sara mit einem Schauder, und unvermögend zu sprechen, verfolgte sie mit tränenschwerem blick seinen wankenden Schritt, mit welchem er unter den Bäumen verschwand. Sie sass lange in tiefem Gram versunken, als sie plözlich von einem Wortwechsel, und von der stimme ihres Vaters erwekt wurde, welcher mit einer Heftigkeit und Stärke, die ihr ganz unbegreiflich waren, sich zu verantworten schien. Sie eilte auf das Haus zu, und fand die Municipalitätskommission, deren Anführer mit Seldorf im Streit begriffen war. Unglücklicher Weise fiel die Scene auf einem mit Bäumen bepflanzten Plaze vor dem haus vor, und hatte einen Haufen von Menschen zu Zeugen, die zum teil nicht aus den besten Absichten den Kommissarien auf allen Tritten folgten. Seldorf hatte die ganze Zumutung als einen Eingrif in das Eigentumsrecht jedes Hausherrn angesehen, und die erste Anrede mit mehr Stolz als Gleichgültigkeit beantwortet. Uebrigens weit entfernt sich zu widersezen, befahl er alles Gewehr herbeizubringen; und ohne den unzeitigen Eifer von Bertiers Freund hätte die Sache hier endigen können; dieser konnte sich aber nicht entalten, einige sehr beissende Anmerkungen über die Zierlichkeit der wenigen Jagdflinten, die man ihm vorlegte, zu machen; mühsam an sich haltend, sagte Seldorf: um einem jungen Menschen auf der Jagd zu dienen, nähme man keine Musketen, und einen andern Gebrauch hätten diese Gewehre nie gehabt, denn sie gehörten seinem Sohn. Der unglückliche Name, und der Zusammenhang in welchem er hier vorkam, vermehrten die Bitterkeit des Kommissairs; bald erfolgte die Beschuldigung, es müsste anders Gewehr im Haus verborgen sein, und wie Sara herbei eilte, drang die Kommission in das Haus um es zu durchsuchen. Von Schreken ausser sich rief Sara um hülfe, und hielt ihren Vater, der vor Wut mit den Zähnen knirschend eines der vor ihm liegenden Jagdmesser mit seiner linken Hand aufnehmen wollte. Das umstehende Volk ward unruhig, ein teil aus Schreken über den Auftritt, ein teil aus boshafter Freude am Unfug; hie und da wollte ein bestochner Taugenichts es aufhezen, die Abgeordneten der Nation zu verteidigen, und war so frech zu versichern, dass eine aufgehäufte Rüstkammer im Schloss verborgen sei. Um das Unglück zu vollenden, eilten einige Bedienten des Hauses, die im Feld