fort: Meine Wünsche werden ersterben, da ich von heute an meine Vernunft überzeugt habe, dass Sie ihnen niemals Nahrung gewähren können. Aber dieses Herz, das Sie zu verwerfen genötigt sind, wird nie für eine andre glühen, nie – denn wenn ich auch jetzt geheilt bin, so werde ich nicht mehr so jung, nicht mehr des Unglücks so ungewohnt sein; ich werde nie mehr so kindlich hoffen, wie ich tat, eh Sie mich hofnungslos machten. Wenn Sie einst für einen andern fühlen werden – Seine stimme stokte, er suchte sich zu fassen, und Teodor, der erstaunt und teilnehmend zugehört hatte, trat jetzt zu seinem Freund, und schloss ihn schweigend in die arme. Sara's Tränen versiegten; zu wahr und zu weich um jetzt sprechen zu können, entzog sie Rogern ihre Hand, und verbarg damit ihr Gesicht. Roger machte sich sanft von seinem Freunde los, kniete vor ihr nieder, und sprach gesammelt weiter: Wenn Sie einst für einen andern fühlen werden, was Sie mir versagen müssen, wenn die treueste, anmassungsloseste Freundschaft Sie versöhnt hat, so lassen Sie mich, der ich für Ihr Wohl zittre, Ihren Vertrauten, Ihren Beschüzer sein. – Hier siegte endlich der Schmerz, er verbarg seine Tränen an Sara's Schooss. Die tiefe Stille, die jetzt auf einige Augenblike erfolgte, und während deren Rogers redliches Herz eifrig bemüht war, sich mit der Heiligkeit seines Entsagens zu durchdringen, ward von der guten Schwärmerin Sara unterbrochen. Sie hatte endlich Worte für ihr überströmendes Gefühl gefunden; begeistert von der hoffnung, den alten Frieden wiederkehren zu sehen, begeistert von Bewunderung über Rogers edle männliche Einfalt, schloss sie ihre arme um den Hals des Jünglings, der noch immer an ihrer Seite kniete, küsste mit Engelsreinheit seine offene Stirn, und rief: Ich schwöre alles, alles! Sie sollen mein Freund und mein Führer sein, danke ihm, Teodor, danke ihm; er hat mir sehr wohl getan – Sie bemühte sich umsonst, mehr zu sagen; sie faltete nun ihre hände, und hob ihre schönen Augen zum Himmel auf: der Sinn ihres Gebets war Dank gegen Gott, dass er die bittre Qual, Unrecht zu tun, von ihrem Herzen genommen hatte. Roger stand betäubt auf, und lehnte sich an seinen jungen Freund; Sara wusste nicht dass ihr unschuldiger Kuss dem armen Scheidenden das Eden, dem er entsagen musste, noch einmal in seinem ganzen Glanz gezeigt hatte. Teodor sagte halb laut zu ihm: verzeih mir! Ich hätte dir und dem guten Mädchen manche peinliche Stunde ersparen können, wenn mich mein unruhiger Kopf nicht blind und taub gegen alles um mich her gemacht hätte. jetzt ist mir alles klar: halte dein Versprechen, sei ihr Beschüzer, ihr Freund. – Er hielt seine Hand, auf seinem Gesicht kämpften Wehmut und Zärtlichkeit und Härte, er umarmte Rogern, drückte Sara an sein Herz, und eilte aus dem Zimmer. Man muss das Gemisch von Kraft und von Unverdorbenheit bedenken, die in Roger vereinigt war, um zu begreifen, wie er in dem einsamen Gespräch, welches jetzt erfolgte, seinem Entschluss selbst in seinem inneren getreu blieb. Sara war in einer Spannung, deren nur ihre Unschuld ihr Kinderherz fähig machte. Dies bewürkte einen Ausbruch von Vertrauen, in welchem sie Rogern alles mitteilte, was sie seit Monaten ihm entzogen; die feierlichsten Gefühle neben dem liebenswürdigsten Geschwäz; Tränen im schwärmerischen Auge bei der Erwähnung irgend eines bittern Abends, den sie durch ihres armen Vaters missverstehende Härte gehabt hatte, und mutwilliges Lächeln auf den noch benezten Wangen, indem sie von ihrer lezten Expedition mit einer Brut junger Hüner erzählte. So verflossen ein Paar Stunden, als Seldorf dem in seiner Art einzigen Tete-a-tete ein Ende machte; er trat herein, heitrer als er seit langer Zeit geschienen hatte, und schlug Rogern vor, den Abend bei seinem Grosvater zuzubringen. Sara hüpfte froh auf, eilte ihre Hausgeschäfte abzutun, kam zurück mit einem Körbchen voll von einer Art Gebaknes, das, wie sie wusste, der alte Bertier sehr gern zum Weine ass – das ist für unsern guten alten Vater, sagte sie leise, indem sie es Rogern zeigte, und zugleich seinen Arm ergrif. Seldorf fragte beim Fortgehen nach seinem Sohn, es hiess dass er vor einer Stunde ausgeritten wäre. Bertier empfieng seine Nachbarn mit der treuherzigsten Freude, sah aber Rogern mit einem fragenden, besorgten Blike an, als ihm Sara mit einer Unbefangenheit, die er lange bei ihr vermisst hatte, die Hand küsste. Sie fing indessen mit der nämlichen Heiterkeit bald an, die beiden Alten in ein Gespräch über ihre Landwirtschaft hineinzuschwazen, und trieb dann häuslich wie ehemals ihr Wesen mit Anordnung des Vesperbrods, wobei Roger ihr helfen musste. Ihr ganzes Tun hatte einen wunderbaren Ausdruk von begeisterter Güte und Innigkeit, es war die zarteste Weiblichkeit mit der Sorglosigkeit eines Kindes verbunden. Roger, hingerissen von ihrem Zauber, stimmte in ihr Wesen, und die schwermütige Wolke auf dem frohesten Gesicht, das die natur je bildete, gab ihm neben Sara den Ausdruk der sehnsucht. Bertier wurde irre an den beiden jungen Leuten; Sara, der seine beobachtenden Blike nicht entgingen, benuzte einen augenblick da ihr Vater entfernt war, und indem sie Rogern bat, ihr eine Flasche aufpropfen zu helfen, warf sie mit einer reizenden Hast dem alten Mann die Worte hin: er ist mein Bruder geworden, wir waren