Regentropfen zu schüzen, und von ihrer Stimmung hingerissen, in das Gewölbe hinab, welches L***'s Gemahlin zur Grabstätte diente. Indess sie am Eingang des inneren Gewölbes sass, die zunehmende Finsterniss beobachtete, und die kindischen fragen des Knaben, den die neuen Gegenstände beschäftigten, langsam beantwortete, geriet dieser auch auf die Erhöhung über dem grab seiner Mutter, und fragte neugierig, wer den kleinen Berg dahin gebracht hätte? Sara hatte ihm von dem schicksal seiner unglücklichen Eltern schon oft so viel erzählt, als sein kindischer Verstand begreifen konnte; aber dieses Grab hatte sie ihm, aus milder Schonung, noch nie gezeigt. Die unbesorgte Frage des Knaben, der, unter Ruinen und in der Einsamkeit erzogen, so furchtlos in diesen dunkeln Hölen spielte, ergriff ihr Herz – Unter diesem Hügel schläft Deine gute Mutter, antwortete sie sanft weinend. – Und der Vater? fragte er weiter, und blikte forschend in der Höle umher. – Der Vater – der Schmerz erstikte ihre stimme; sie sah im Geist den traurigen Holzstoss, hörte das Knistern der Flamme und den Gesang der Kriegsgefährten – der Vater ruht weit von hier, Du wirst sein leztes Bett nie finden – Willst Du denn auch hier schlafen? fragte nun Hyppolit, und lehnte sich, mit frohen Augen sie ansehend, an ihren Schooss – Ich auch; Du sollst mir hier mein Bett machen – Der Kleine klopfte hüpfend in die hände, und meinte, dann wolle er ihr auch Blumen auf ihr Bett werfen, wie gestern Abends, und bei ihr singen wie heute früh – In dem augenblick trat Roger an den Eingang der Höle, und rief Sara's Namen. Er war heraufgestiegen, hatte sie überall gesucht, hatte ein Gefühl von Schreken in den einsamen Mauern gefunden, die überall nur seine stimme und den fernen Donner wiederhallten, und er hatte von neuem erfahren, wie verödet ohne Sara die Schöpfung für ihn war. Endlich wollte er noch in dem Gewölbe nachsehen, das er allein schon öfters besucht, von welchem er aber Sara immer entfernt gehalten hatte. Sein heitrer Mut war schon bei dem ängstlichen Suchen gefallen; und wie er ihre sanfte stimme: hier bin ich, mein Freund! aus der Gruft herauftönen hörte, schien es ihm, seiner Vernunft zum Troz, eine Vorbedeutung fehlgeschlagner Wünsche. – Sara, sprach er, indem er sich näherte: welch ein Aufentalt! bei dem drohenden Wetter, mit dem frohen kind – lassen Sie uns eh der Regen zunimmt – Aber sie bat ihn, zu bleiben, um hier die Würkung des Gewitters zu sehen, und sie machte ihm neben sich auf den Steinen Plaz. Mit einer Ergiessung ihrer düstern Fantasie zeigte sie ihm, wie alles um sie her Tod und Vernichtung predige, sprach von dem Andenken, das mit dem heutigen Tag verknüpft wäre, von der Reihe Leiden, die sie seit jener Reise zählte. So verschieden die Gefühle, mit welchen Roger gekommen war, von dem Auftritt waren, der ihn hier empfieng, so fühlte sich doch der starke Mann unwillkührlich in ihren Schmerz gezogen, und es hätte ihm eine unstattafte Härte geschienen, jetzt Sara's tiefen, so natürlich veranlassten Kummer, mit seinen Wünschen, seinen Vorschlägen zu unterbrechen. Von diesem schaudervollen Ort hätte er sie gern hinweggeführt, aber schon heulte der Sturm, und der Regen schlug gegen die Mauern, so dass er sie und ihr Kind auszusezen fürchtete. Sie hatte geschwiegen, und betrachtete den Wiederschein der Blize auf der schwarzen Mauer – Wie sie nun alle, alle ruhen wie diese! fing sie langsam wieder an, und deutete auf das Grab – in zwei Jahren alle! Alle fühllos dem Schmerz, unzugänglich dem Elend – – Meine Schwester! Vielleicht nicht unzugänglich dem Trost, uns neben einander, uns eines dem andern zur Stüze dienen zu sehen – – Erst mein Kind – das süsse Leben! Schon damals glaubte ich kaum, dass meine Mutterliebe hinreichte, meine Schuld zu versöhnen – – Und Sara, versöhnst Du hier nicht überschwänglich? – Er zeigte auf den Knaben, der bei dem Schein der Blize spielte – – Was ich kannte, zog ich in den Strudel meines Schiksals! Weder Unschuld noch Unwürdigkeit schüzten – sie mussten alle fallen, damit ich allein stehen bliebe, ein warnendes Denkmal meines Elends – – Der Donner rollte langsam über sie hin, ihre stimme klang hohl und kalt; Roger ergriff ihre Hand, um zu reden, aber sie sprach fort, die Hand des Freundes bei jeder Pause an die bebenden Lippen führend, und er, der ihre einzelnen schweren Tränen fühlte, verstummte vor Mitleid. – – So mussten die redlichen Männer dahin – Tirion, der keine Freude an meiner Raserei hatte – und Raimond, mein lezter guter Engel, der Rogers Namen sprach – und der fürchterliche Joseph – Ein geheimer Schauder. schien sie bei diesem Namen zu ergreifen – Die arme Nanni, die treue redliche Marta! – O wie sinnreich hat doch das schicksal mir jede Art von Wunden versezt! Meine teilnehmende Babet, ihr Gatte – und dann der Mann, dem die Erde nicht einmal ein Grab gegönnt hat! – Ein heftiger Donnerschlag, mit einem roten Blize begleitet, trieb jetzt den erschroknen Hyppolit auf Rogers Schooss, der, ihn streichelnd, auf sein leises Geschwäz nicht Acht gab; die Unterbrechung, welche dadurch einen augenblick entstand, gab ihm aber Zeit, sich zu ermannen. Er reichte Sara seine Hand wieder, die er