tiefen Eindruck des Ganzen betrift, mit den höchsten Rang unter den ersten dramatischen Tonkünstlern."
"Seine gute Musik (denn auch unter seinen neuern Werken nach dem Orfeo sind mittelmässige und ganz unerträglich leere Sachen, als zum Beispiel seine Belagerung von Cytere) ist kernig, und erstürmt oft mit der grössten Tonfülle der Chöre und Instrumente die Herzen der Zuhörer. Seine besten einzelnen Arien sind ächt Deutsch in Melodie und Harmonie: so etwas Herzliches, Gutes und Gefühlvolles, ein so rechtschaffner Adel, eine so reizende Würde von Keuschheit und Männlichkeit, spricht in ihren Accenten."
"E r s t e r A k t ."
"Der Chor ist voll Gefühl, in dem einfachsten Ausdruck der Trauer; der doppelte Ausruf und Seufzer des Orpheus: E u r i d i c e ! dazwischen, natürlich und höchst rührend. Die Klarinetten und Posaunen passen vortreflich für die Leichenfeier, und verstärken beim Gesange durch ein Paar Nachhalle den Ausdruck unvergleichlich. Die verkleinerte Septime und die kleine Septime auf dem verminderten Dreiklang in ihren Umkehrungen machen den Reiz der Harmonie aus." "Orpheus Verlangen allein zu sein, der Tanz um das Grabmal, die verstärkte Wiederhohlung des Chors, ein wenig lebhafter abgewechselt, und dessen Abzug, machen einen sehr einnehmenden Anfang, und sind das Beste dieses Akts."
"Die erste Arie des Orpheus scheint zu leicht an Gehalt, hat aber eben dadurch etwas Gutes und Herzliches, welches die Schalmei im Einklang, und die Flöte in der Oktave mit dem Gesang, der Unschuld der ersten zeiten näher bringt. Dass doppelte Orchester, bei der zweiten Wiederhohlung mit Englischen Hörnern und Fagotten verstärkt, und die begleiteten Recitative dazwischen, machen die Scene sinnlich und täuschend."
"Das Recitativ darauf Numi d'Acheronte, wo der Vorsatz ausgedrückt wird, in den Orkus hinab zu steigen, gewinnt durch die Begleitung viel an Patos."
"Amor, welcher dem Orpheus zum Trost erscheint, und den Willen des Zevs dabei bekannt macht, hätte im Recitativ: t'assiste Amore gleich froher sprechen und das Tränengewölk der verkleinerten Septimen mit himmlischem Licht erhellen können."
"Doch ist die folgende Arie heitrer, im Charakter eines guterzigen Knaben, und Gluckische Melodie, die der Meister öfter gebraucht hat."
"Der erste Akt schliesst sich mit dem feuervollen Recitativ des Orpheus, worin er sich selbst reizt, das Abenteuer zu bestehen."
"Z w e y t e r A k t :
Triumph der Musik."
"Die Annäherung des Sängers zu den Pforten des Tartarus, voll leidenschaft und zugleich schüchtern, kurz und sinnlich dargestellt; sein Vorspiel auf der Harfe besteht in wenig einfachen Griffen, und der Chor der Furien fällt dann sogleich ein."
"Dieser ist, wie Musik der Griechen, in lauter Oktaven, zuweilen dreifachen, und vortreflich declamirt. Es wird recht fühlbar, dass die Oktave die vollkommenste Konsonanz ist. Das kurze Instrumentenspiel zum Tanze dazwischen tut als Abwechselung gute wirkung, und die Geigen, am Ende des Chors, drükken in der Begleitung das Bellen des Cerberus naiv aus."
"Das Cantabile: deh, placatevi con me! von der Harfe begleitet, ist gewiss höchst rührend; und das harte No der Furien macht einen furchtbaren Kontrast damit. Das deh – placatevi! bei der Wiederhohlung im zweiten Abschnitt, mit dem halben Ton in der Melodie, der in der Harmonie zur übermässigen Sekunde wird, und einen Anstrich von der beklommenen verkleinerten Terz bekommt, ist ein Meisterzug; die Furien antworten eben darin noch greller das bewunderte No. Die verkleinerte Septime hat ihren Ausdruck hier in der höchsten Stärke. Eine süsse tonvolle stimme kann in dieser Scene bezaubern."
"Der gemilderte Chor darauf: Misero giovine, in der einfachsten Harmonie, mit blossen Oktaven vermischt, setzt die Handlung vortreflich fort; so das Cantabile, wieder mit der Harfe: Mille pene, ombre moleste, immer tiefer eindringend; und der Chor eben so, mehr besänftigt, in Ah quale incognito affetto. Das men tiranne ah voi sareste, bestürmt noch mehr mit lebhafterer Begleitung und süsser, in halbe Töne verschmolzner Melodie. Lauter Dialog zwischen Orpheus und dem Chor in kurzen Absätzen, bis der letztre nach einem Orgelpunkt voll Ausdruck mit dem: al vincitor, verschwindet."
"Diese Musik hat wirklich das, was sich nur von der vortreflichsten sagen lässt; man vernimmt nämlich bloss den Sinn der Worte, und wird getäuscht, in die Scene hingezaubert, ohne dass man die Musik, die es bewirkt, selbst merkt: so nackend und rein ist die Darstellung."
"Nun dringt der Sänger frei in Elisium. Das lange Recitativ, worin er seine Empfindung von sich atmet, macht durch die heitre und zugleich rührende Begleitung einen entzückenden Kontrast mit dem Vorigen. Die Harmonie, obgleich in aller Fülle von Hoboen, Flöten, Hörnern, Fagotten, ist doch sehr einfach, und die Declamazion darunter vortreflich. Die Worte sind schön, zum teil aus dem Virgil: Che puro ciel! che chiaro sol! che nuova serena luce è questa mai! Die Instrumente konzertiren höchst reizend mit einander, und die Begleitung der ersten Violine hält wie ein liebliches Murmeln alles zusammen. Der Chor der Seligen ist in G l u c k s herzlicher Art."
"D r i t t e r A k t ."
"An der Klippe der Katastrophe scheitert aber die Dichtung, und natürlich muss das Kolorit und