der Sieg lenkt sich bald auf die eine, bald auf die andre Seite."
"Diess ist alles nach der geschichte vortreflich ausgeführt; die Musik dazu voll Genie, äusserst einfach, meistens im Einklang, von heftigem Rhytmus. Die Geigen machen den Schritt mit dem Bass in Oktaven; die Hoboen zeigen die Streiche an, und, wenn der Kampf recht lebhaft wird, die Trompeten mit den Hörnern. Die Trompeten schmettern zuerst mit den Hörnern in Oktaven in C moll; dann in C dur."
"Wie der Horazier die zwei letzten erlegt, ist voll Darstellung in der Musik. Beim Schmettern der Trompeten, und dem Donnerhall der Pauken ist das Siegsgeschrei bald auf der einen, bald auf der andern Seite."
"Dritter Akt."
"Der Marsch auf das Kapitol zum Triumph, und Tanz der Ritter dazwischen, vortreflich; die Chaconne mit abwechselnden Scenen ein Meisterstück; so wie die Ermordung der Kamilla eben dazwischen. Ein grosses herrliches Ganze in der Musik."
"Vierter Akt."
"Das gefängnis und Fulvia."
"Ein wenig geziert ist es von N o v e r r e ' n , dass Fulvia dem Horaz den Dolch reicht, sie zu erstechen; und dass sie, als er nicht will, in Ohnmacht fällt. Doch schön ist es, wie sie daraus wieder erwacht, und in seinen Geberden den Inhalt der Sentenz liest."
"Fünfter Akt."
"Schmaus, Hochzeit und Ball; recht für ein Ballet, voll reizender Sachen." L o c k m a n n und H o h e n t h a l hatten auf dem Klavier und mit der Geige alles gespielt, was sich davon auf diesen beiden Instrumenten vortragen liess. W a l l e r s h e i m pries die Fertigkeit beider, besonders aber L o c k m a n n s , in jeder Rücksicht. Sie gingen den zweiten Akt noch einmal durch; und die heroische Erhabenheit ergriff sie gewaltig. Man liess alsdann die Musik, und die Mutter fing das Gespräch an. "Die Ballete gefallen so leicht, sagte sie gerührt, weil sie jeden in die Feste seines Lebens versetzen; und dann, weil sie, gleich der Mahlerei, eine allgemeine Sprache sind. Ja, sie übertreffen die Mahlerei noch, weil sie die natur selbst scheinen." W a l l e r s h e i m fuhr fort: "In der Tanzkunst behaupten die Franzosen den ersten Rang. Sie haben es darin bis zu einer Vollkommenheit gebracht, von der man in andern Ländern kaum eine idee hat. Ich glaube, dass man in Paris die vorzüglichsten Stücke von C o r n e i l l e , R a c i n e und M o l i e r e durch blosse Pantomime aufführen könnte."
F e y e r a b e n d hatte sich, als er H o h e n t h a l s Geige hörte, auch herbei gemacht, und mit grossem Vergnügen das ganze Ballet angehört. Er versetzte: "Man sollte Pantomime und Tanz wohl unterscheiden; es sind zwei verschiedne Künste."
L o c k m a n n stand ihm bei, und fügte hinzu: "Gewiss sind die Chaconnen und Passecaillen in den tragischen Handlungen oft erzwungen."
H i l d e g a r d trat bescheiden dazwischen, und sagte: "Die Ballete sind wahrscheinlich aus den Maskenbällen entstanden. Der eigentliche Tanz blieb bei diesen immer die Hauptsache; nur schlich sich eine vermummte Gesellschaft von acht, zwölf, sechzehn und mehr Personen ein, und stellte eine Begebenheit aus der Mytologie, geschichte, oder der neuern Fabel dar. Und so ist in den Balleten der Tanz noch immer mehr oder weniger die Hauptsache."
F e y e r a b e n d liess sich nicht unterbrechen, und sprach ferner fort, so wie er angefangen hatte.
"Pantomime begreift allen Ausdruck des inneren, und Mahlerei oder Bezeichnung der äussern Gegenstände durch Miene und Geberde des Gesichts, überhaupt durch Bewegung des Körpers und seiner Glieder. Sie ist eine Kunst für das ganze menschliche Leben, und steht zunächst an der Sprache. Ob sie gleich bei den verschiednen Nazionen des Erdbodens manches Willkürliche hat, so behält sie doch immer mehr Natürliches, als die Sprache, und ist deren getreueste Auslegerin, ohne welche man oft nicht wüsste, was und in welchem Grade von Stärke jene etwas sagt. Sie bestimmt Rede und Gesang; und gibt beiden das sichtbare Leben."
"Der eigentliche Tanz ist der Ausbruch üppiger Stärke, Gesundheit und Freude, die sich nicht mehr verbergen kann, in gemessnen Schritten, Sprüngen der Füsse und Beine, Bewegungen der hände und des übrigen Körpers, nach den Melodien von Instrumenten, oder Stimmen, oder nach dem blossen Takt einer Handtrommel."
W a l l e r s h e i m erwiderte: "Mich dünkt, Sie schränken den Tanz zu sehr nach den bei uns eingeführten gesellschaftlichen Tänzen ein. Warum soll man mit dem Tanze nicht auch etwas nachahmen können? Ein Holzhacker, zum Beispiel, der nach dem Takt einen Baum umhaut, ist schon ein Tänzer; das ist nicht bloss Pantomime."
Es erfolgte eine kurze Stille. L o c k m a n n nahm darauf das Wort, und sagte: "Tanz ist Nachahmung einer Handlung, die man mit dem Körper verrichtet