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n W o l f s e c k , Sohn des Ministers, welcher sie mit allerlei Tand und Aberwitz zu unterhalten suchte; er war ein geschickter Rechtsgelehrter, aber widrig von Gestalt in seiner langen Figur, und hatte keinen Funken Geschmack und Gefühl für alle Kunst. Sie sahen einander bei ihrer Ankunft, wo er gerad' in Geschäften auf dem Schloss ihnen einige Höflichkeitsbesuche abstattete.

Der junge Tag und das Schwalbengezwitscher weckten L o c k m a n n e n von lieblichen Träumen. Er sprang auf, und betrachtete die Morgenröte, eine wahre Glorie der Sonne, wie sie kein T i z i a n und C o r r e g g i o mit Farben darzustellen vermag. Sie nähert sich selbst; und ein glühendes Rot durchdringt die Pforten des Aufgangs, wie die Wangen eines unerfahrnen Mädchens. Schon ist sie da, und wollüstig gleitet der blick von ihrer feurigen Majestät ab, bis sie ganz in schöne Rundung sich erhoben hat, und das geblendete auge' ihre Strahlen nicht mehr aushält. Frische Kühle mit dem Duft der Blumen durch das offne Fenster vom Garten stärkten alle Glieder aus dem warmen Bette bis zum lebendigsten Bewusstsein.

L o c k m a n n ergriff das vortrefliche Fernrohr von Ramsden; legte es aber schnell wieder hin, als ob er sich die Finger daran verbrannt hätte; und nahm den festen Entschluss, sich von der Zauberin entfernt zu halten, und seine Neigungen gleich anfangs zu unterdrücken, damit sie nicht zur leidenschaft anwüchsen, die nicht anders als unglücklich sein könnte.

Um sich sogleich zu beschäftigten, und seinem Geist eine ganz andre Richtung zu geben, legte er die Stimmen des Messias von H ä n d e l für die erste probe zurecht; nahm die Partitur, setzte sich ans Klavier, und schrieb Folgendes zum Unterricht für seine Messias;ein Oratorium von Händel. "I. Verkündigung, Geburt. II. Leiden und Tod. III. "H ä n d e l s Melodie und Darstellung hat fast "Darstellung, wenn man so sagen darf, wird merk"E s w a r e n H i r t e n b e y s a m m e n a u f "U n d d i e K l a r h e i t d e s H e r r n u m "Der Wechselgesang: e r w e i d e t s e i n e "Nur in der Begleitung kommen zuweilen die lan

Zweiter teil.

"Die Chöre sind fast immer meisterhaft. U n d "Die kurze Arie: s c h a u h i n u n d s i e h , "L i e b l i c h i s t d e r B o t e n S c h r i t t , "Der Chor: H a l l e l u j a , mit Trompeten und Pau

Dritter teil.

T o d , grave; so kam durch Einen die Auferstehung, allegro."

"D e n n w i e d u r c h A d a m a l l e s t e r

b e n , grave. Dieses ist beidemal bloss vierstimmig, ohne alle Begleitung, von grosser wirkung. A l s o wird wer starb durch Christum aufe r w e c k t , allegro."

"M e r k t a u f , i c h k ü n d i g ' e i n G e

h e i m n i ss a n ; Recitativ mit Begleitung, von der Bassstimme vortreflich declamirt. Schöne Arie dazu, mit der Trompete Solo: s i e s c h a l l t d i e P o s a u n e . Der zweite teil ist ganz unbegleitet. Sie macht mit den andern guten Kontrast."

"Die letzten Chöre sind vollendete grosse Meister

stücke. W ü r d i g i s t d a s L a m m , d a s d a s t a r b , Largo; und die Fuge: P r e i s u n d A n betung und Ehre und Macht sei ihm, der da sitzet auf seinem T h r o n ; im schönsten natürlichsten Tema zur Declamazion, Larghetto; sie zeigt recht die allerstärkste Gewandteit in dieser Form. So wie gleich darauf die Fuge: A m e n , allegro; welches einen mutigen wilden stürmischen Beschluss macht."

"Die wahre Musik ist nur Eine, so lange der

Mensch seine natur, und die Accorde, Konsonanzen und Dissonanzen ihr ewiges verhältnis behalten. Sie ist dieselbe bei dem Miserere von A l l e g r i , und bei Leo, Pergolesi, bei Hasse, Traetta, Jomelli, Majo; Händel, G l u c k ; nur bei den letzteren von mindrer Schönheit und Mannigfaltigkeit, als bei den Neapolitanern. Sie geht überall auf den Zweck los, den Sinn der Worte und die Empfindung in die Zuhörer überzutragen, so leicht und angenehm, dass man sie selbst nicht merkt; und das Ohr, wo möglich, dabei zu bezaubern." Um neun Uhr ging er in den Konzertsaal. Alle waren schon da versammelt. Wie ward er aber überrascht, als H i l d e g a r d , ganz zur Andacht weiss gekleidet, nur eine kaum aufgeblühte Rose in den schönen