gesungen worden sei.
H i l d e g a r d verwunderte sich darüber; er machte es ihr aber ganz begreiflich, und fügte hinzu: M a j o hätte seinen Demofoonte, nur etwas über zwanzig Jahre früher, in demselben Teater zu Rom aufgeführt. Des Jahrs gäbe man in Italien ungefähr dreissig bis vierzig neue Opern, freilich kaum Ein Meisterstück darunter; und diese würden wie die andern vergessen.
Er sang dann das rührende Misero pargoletto, il tuo destin non sai27 des Timante, wo die zärtlichste Vaterliebe auf die einfachste Art voll Empfindung ausgedrückt ist. "Schöne Seelenklänge!" rief H i l d e g a r d dabei aus.
Und dann sang sie die Arie der Dircea: Ah, tu volgi altròve i rai28, mit der originellen Begleitung, wo die Violine immer ihre besondre untergeordnete Melodie in den angenehmsten Läufen hat.
"J o m e l l i ," fuhr L o c k m a n n fort, "hat kurz vor seinem tod zu Neapel dieselbe Oper in Musik gesetzt. Es ist ein netter, aber meistens zu gelehrter und künstlicher Styl, und wenig natur darin. Doch hat er die Hauptscene, wie gewöhnlich, am meisterhaftesten bearbeitet." (Sie war der Oper von M a j o beigelegt.)
"Dircea son io, vado a morire, non ho delitto29, u.s.f. mit erhabner Begleitung. Ihre ganze Anrede ist klassisch; neu, schön und tragisch; auch die Tonart treflich gewählt: F moll und As dur. Die Arie darauf: Se tutti i mali miei io ti potessi dir, dividerti farei per tenerezza il cor30, gehört unter das Höchste der Musik, und ist allein eine Oper wert: so voll weiblicher Grazie und tragisch zugleich, in Melodie und Begleitung."
"M a j o hat sein Hauptwerk in La dolce compagna gelegt, welches J o m e l l i – ich weiss nicht warum – ganz weggelassen hat. Jener ist gewiss weit gefälliger, und übertrift diesen ferner im Misero pargoletto, und allem Uebrigen. Aber J o m e l l i behauptet mit dieser einzigen Scene den Rang in dieser Oper über ihn; dazu gehört ein Geist von mehr Erhabenheit."
H i l d e g a r d stimmte ungern in diesen Ausspruch; so lieb war ihr M a j o schon geworden.
Den folgenden Morgen wählten sie mit ihrem Bruder unter mehrern komischen Opern Il Convito31 von C i m a r o s a , als die neueste und angenehmste.
"Es zwingt auch dem Ernstaften ein Lächeln ab," sagte L o c k m a n n dabei, "wie sich das Element der Musik zu allem bequemt. Es sind Saturnalien, wo sich die Göttliche herunter lässt bis zum gemeinen volk."
"C i m a r o s a hat ganz den leichten lachenden Genius, der sich dem Grotesken anschmiegt. Es ist eine wahre Erhohlung: viel denken darf man dabei nicht; man überlässt sich nur, wie in der heissen Zeit einem kühlen Lüftchen, das einen fächelt: ein Zeitvertreib für Müde und Erschöpfte, die nichts aus sich hervorbringen wollen oder können."
"Die Finalen in der heutigen Opera buffa sind das beste, wo alle die verschiednen Charakter zusammenkommen, und in Melodie, Harmonie, Ton, Takt und Begleitung durch mancherlei ein buntes Ganze machen."
"Das Finale im ersten Akt ist auch das beste darin. Die Arien sind gar zu leicht und leer, wie sie auch sein sollen; Laune und Grazie kommt hier und da zum Vorschein."
"Sono in mar, non vedo sponde, mi confonde il mio periglio; Parodie, die sich recht für Saturnalien schickt, aber für den eigentlichen gefühlvollen Menschen immer widrig bleibt. Es ist mit viel Geschmack und Geschicklichkeit ausgeführt; und man erkennt deutlich die grössere, nach P i c c i n i ausgebildete Fertigkeit."
"Leichtigkeit, und geläufige Volkssprache, die bei Uebersetzungen in der Musik ziemlich matt wird, bleibt die Haupteigenschaft eines komischen Tonkünstlers. C i m a r o s a hat sie in hohem Grade."
"Im zweiten Akt ist die komisch-ernstafte Scene, wo die witwe Alfonsina sich närrisch stellt, und tut, als ob sie in Elisium wäre, um wieder zu ihrem verstorbenen Mann zu kommen, vortreflich; das Recitativ schön; noch schöner die Arie: Cara voce del mio bene, già ti sento e ti reviso32, mit der Hoboe und Violine Solo, die mit der stimme konzertiren. Gewiss eine der schönsten des komischen Teaters, voll Grazie und Laune; der Stoff recht schicklich zu Persiflage und reizender Musik. C i m a r o s a hat sie auch mit meisterhafter Fertigkeit ausgeführt."
"Das zweite Finale ist vortreflicher als das erste; ein Meisterstück in seiner Art, voll Abwechslung und zugleich Einheit in der Begleitung, und voll Buffonerien: Umidetta e tenebrosa sorge già la notte oscura33."
"Eine reiche, junge und schöne witwe, die ihre Freier zum Besten hat, gibt den Stoff zum Ganzen, und wählt sich einen jungen hübschen Menschen. Zwei machen den verstorbnen Mann nach als Geist, ohne etwas von einander zu wissen, und fürchten sich auch vor einander. Das ganze Stück voll Laune und Lustigkeit gehört unter die besten Opere buffe."
Zur Entschuldigung und zum Lobe C i m a