c k , Vater und Sohn, Mutter und Töchtern; und wendete sich nur zuweilen bei gelegenheit an sie, ihr etwas Schmeichelhaftes, das nicht die entfernteste Absicht verraten konnte, zu sagen.
O, wie freute sie sich, als sie auf ihrem Zimmer wieder allein war! Sie öfnete die Fenster, und schöpfte frische Luft. "Ist es billig, dass du von den Menschen so geplagt wirst, da du allen, wie sie sagen, so viel Vergnügen machst?" So seufzte sie bekümmert; und Lyra, Schwan und Adler leuchteten bei der stillen Sommernacht vom heitern Himmel rührend in die schöne Seele. "Aber weder die Herren von W o l f s e c k , noch der Prinz sollen dich dir selbst rauben!"
"Freilich sind wir Blumen," fuhr sie nach einer Pause fort, "die von jedem rauhen Hauch der öffentlichen Meinung leiden, und die jeder Gefühllose brechen will, um sich damit zu schmücken. Ewige Vorsehung, du hast mich zu etwas Edlerem bestimmt! und es gibt tausend Andere, die gut genug und vortreflich zu dem einzigen Zwecke sind, das Geschlecht der W o l f s e c k e für Stifter und Hofstellen fortzupflanzen."
L o c k m a n n hatte H i l d e g a r d e n die ganze Woche nicht allein gesehen und gesprochen, weil sie immer in Gesellschaft, oder bei der Frau v o n L u p f e n , gewesen war. Er freute sich innig, als er sie den Tag nach dem Konzerte um die gewöhnliche Zeit wieder im Musiksaal antraf. "Ich sehe Sie noch mit dem Prinzen tanzen," waren seine ersten Worte; "ein neues Talent, und in welcher Vortreflichkeit! O, wie leuchtete dabei Ihre göttliche Schönheit mit neuen Reizen in Wendungen und Stellungen, in Schritt, und Sprung und Flug hervor! Sie können auf dieser Welt keinen Feind haben; alles muss Sie anbeten." Dabei hielt er ihre schönen zarten hände in den seinigen. Mit holdem blick und Lächeln hörte sie seinem süssen Reden zu, liess sich dann von ihm umarmen, sank selbst an seine Brust, umschlang seinen Nacken, sah ihm still in die Seele, und hauchte dann ein paar geistige Küsse auf seine schönen Augen. Als seine leidenschaft darüber auffuhr, bändigte sie dieselbe sogleich mit der Zauberformel: "Bleiben nur Sie mein Freund, und schlagen Sie Sich nicht zu meinen Feinden."
Es war in der Tat ein hohes Gefühl für sie, einen so raschen feurigen Jüngling im Arm, und dessen Vernunft und leidenschaft, beide so reizend, in gleicher Wagschale zu halten! Entzückende Seelenmusik von Gefühlen und Ideen, wo die herbsten irdischen Dissonanzen in den heitern Aeter der Dreiklänge des Verstandes sich auflösen. Es war ihr nicht anders, als ob sie die süssesten und ausdruckvollesten Harmonien aus einer unvergleichlichen Laute lockte, wie sie diess alles so in seinem Gesicht und an seinem Herzen empfand. Ein Freudenschauer überlief sie dabei, so dass sie ihn noch einmal an sich schloss; dann aber zog sie sich aus seinen Banden und Schlingen.
Sie war im Begriff, ihm Verschiednes anzuvertrauen; doch wurde sie von einer gewissen Furcht zurückgehalten, die, wie man sehen wird, nicht unbegründet war.
Er hatte den Demofoonte von M a j o bei sich.
Sie verbat sich aber gleich, im nächsten Konzert zu singen. Er habe, sagte sie, noch trefliche Virtuosen, die sich auch hören lassen möchten; inzwischen wolle sie doch das Schönste mit ihm durchgehen.
"Nach Ihrem Belieben!" erwiderte er; "ich kann etwas neueres Komisches nehmen, das Sie morgen auswählen sollen, und das jetzt für die Hoffeste auch besser passt."
Sie setzten sich an das Klavier, und er fuhr ferner fort:
"Der Text des Demofoonte ist ein künstliches Gewebe, und beruht auf Erkennung, die, wenn man sie einmal weiss, wenig mehr täuscht. Dazu sind Cherint und Creusa ohne natur hineingeflickt. Doch gibt es darin schöne lyrische Stellen. Das Wesentliche besteht in ehelicher Liebe, die getrennt werden soll und bis zur höchsten leidenschaft anschwillt."
"Die Musik ist eins von M a j o ' s Anfangswerken; doch überall quillt das Genie in Melodie hervor. Demofoonte war seine erste Oper zu Rom, und machte ihn sogleich berühmt. Man bewunderte, wegen des Ausdrucks voll jugendlichen Feuers in den schönsten Melodien: Sono in mar, non veggo sponde; und per lei fra l'armi, dove guerriero; besonders aber den Monolog des Timante im dritten Akt: Misero me."
Sie sang sogleich die vorletzte Scene im ersten Akt der Dircea: Padre perdona, oh pene! und fand sie ganz nach den Worten leidenschaftlich und reizend; ward aber entzückt von dem Klassischen des Timante: La dolce compagna vedersi rapire26; so wohl von der Melodie in der höchsten, edlen Süssigkeit, als von der zärtlichen Begleitung.
L o c k m a n n erzählte dabei, dass S a r t i 1783 zu Rom diese Arie mit wenig Veränderung ganz in seine Komposition aufgenommen, dafür als Autor die grössten Lobsprüche eingeerntet, den Raub – so bloss für den Moment wären die Italiäner, und so sehr vergässen sie das Alte – niemand bemerkt habe, und überall in Italien La dolce compagna, als das neuste Meisterstück von S a r t i , den ganzen Frühling und Sommer nach dem Karneval