f s e c k , dessen lange Figur und wüste Gestalt sich komisch genug dabei ausnahm; und alsdann einen Englischen Tanz mit dem Herrn von W a l l e r s h e i m .
Den letzteren mochte sie wohl leiden. Er war ein muntrer Gesellschafter, erzählte gut, und wagte wenig; T ö r r i n g hingegen war trocken, ernstaft, heftig, aber doch sittsam. Jener nicht reich, aber wohlgebildet und liebenswürdig; dieser, wie schon gesagt, ein Herr von vielen Gütern, nicht so schlank und nicht so sanft, sondern derb und masericht, wahrscheinlich ein eifersüchtiger Ehegatte.
H i l d e g a r d erforschte dieses alles wenig, da sie in mehreren Jahren noch nicht ans Heuraten denken wollte; sie begegnete ihren drei Freiern so höflich wie möglich, und war gutmütig genug, den beiden letzteren, so bald sie ihre ernstafte Absichten zu erkennen gaben, bei gelegenheit mit der sichern Erklärung ihrer Gesinnungen, zuvorzukommen. Aber alle drei kannten sie nicht genug, um das Wahre darin zu fühlen; sie hielten die Aeusserung für gewöhnliche Sprödigkeit, zumal bei solchen Vollkommenheiten und Reizen. H i l d e g a r d war nur deshalb gefällig gegen sie, weil sie den Verdacht von ihrem jungen schönen Musikmeister, dem Einzigen nach ihrem Herzen, entfernen wollte; und dieser führte sich auch so klug auf, dass er nicht den geringsten Anlass dazu gab.
Der Prinz hatte schon von seiner Mutter den Antrag des Herrn v o n W o l f s e c k , nebst der abschlägigen Antwort darauf, vernommen; und verwegen vor leidenschaft den Angriff getan, alsdann die Heurat mit dem rechten Mann für sich durchzusetzen.
Mit Anordnung des neuen Tanzes und mit Gesprächen beschäftigt, wurden die Andern nichts gewahr. Graf T ö r r i n g , der am ersten etwas hätte bemerken können, hatte den Saal auf die kurze Zeit verlassen, und fand, als er wieder herein kam, H i l d e g a r d e n unter den andern Frauenzimmern.
Während sie und T ö r r i n g die Reihe durchtanzten, hatte der Prinz sich wieder herbei gemacht, und rief ihnen oft seinen Beifall zu. Sie tanzte zerstreut und nachlässig, und konnte ihren blick voll Verachtung nicht immer von ihm wegwenden.
Nach dem Englischen Tanze fing man einen Walzer an, worauf sie sich aber nicht einliess. Sie hohlte ihren Bruder, und beide gingen zur Mutter. Bald entfernten sie sich unvermerkt, und fuhren nach haus.
Der Prinz war noch ganz erhitzt von dem obgleich nur augenblicklichen Griff in die zarte Haut der vollen festen kräftigen Schenkel, schon grössere Wollust für ihn, als er bei nachgiebigern Schönen je empfunden hatte. Er sann auf neue Plane, und warf sich schlaflos in seinem Bette herum bis gegen Morgen. Hildegard hingegen setzte sich vor, mit der äussersten Wachsamkeit gegen die Nachstellungen des Gefährlichen und Mächtigen auf ihrer Hut zu sein, und war erbittert, dass ihm auch nur so viel hatte gelingen können.
Damit ihr Zorn Zeit hätte, zu verrauchen, fuhr der Prinz den nächsten Sonntag sehr früh nach der Residenz, sich dem volk zu zeigen. Der Minister hatte dort schon alles veranstaltet, ihn würdig zu empfangen. Dessen Sohn, Herr v o n W o l f s e c k , begleitete den Prinzen. Unterwegs sprach er von den seltnen Eigenschaften H i l d e g a r d s , doch kalt in Rücksicht seiner selbst, und machte den Verliebten noch verliebter. In ganz Wien, sagte er, das doch wegen reizender Frauenzimmer in Ruf stehe, sei keins, welches nicht von ihr übertroffen werde. W o l f s e c k glaubte, mit der Prinzessin eine Ausnahme machen zu müssen.
Der Prinz wurde mit jubel empfangen, und die Menge strömte überall um ihn.
Nachdem die Vornehmsten, welche gegenwärtig waren, sich ihm empfohlen und er manches Neue besichtigt hatte: kehrte er, in Gesellschaft des Ministers, und von mehreren Herren und Damen in andern Wagen begleitet, wieder zurück, und traf gerad' um die Zeit des Konzerts ein, welches bald darauf anfing.
H i l d e g a r d hätte sich gern davon los gesagt, wenn es schicklich gewesen wäre. Sie sang also, nachdem sich F r a n k auf der Hoboe mit vielem Beifall hatte hören lassen, das himmlische Duett, Se mai turbo il tuo riposo, mit dem jungen Kapellmeister unübertreflich. Nun war die Reihe an dem Minister, ihr seine Lobsprüche zu machen; diess tat er auch mit Gefühl, und küsste ihr dabei ehrerbietig die Hand.
Er unterhielt sich angenehm mit ihr in der Zwischenzeit; und der Prinz erzählte dabei lebhaft und witzig musikalische Anekdoten von Wien, Paris und Turin, und suchte sich unvermerkt wieder einzuschmeicheln.
Alsdann bezauberte sie in der Scene von P i c c i n i ; und Frau v o n L u p f e n machte den Beschluss mit einem neuen meisterhaften Konzert von M o z a r t , und ward wegen ihrer Gewalt über das Fortepiano, ihrer glänzenden Manieren und ihres reinen Vortrags allgemein bewundert.
Der Prinz betrug sich gegen H i l d e g a r d e n mit der allerstrengsten Sittsamkeit und Würde; sprach viel mit andern Damen, überliess sie an der Tafel ganz der Familie v o n W o l f s e