M a j o , noch T r a e t t a haben Cleofiden so als verliebte Schwärmerin dargestellt, wie sie nach dem Texte sein sollte; besonders bei den lyrischen Worten: Non vivo, non moro."
Alsdann machte er ihr die gefühltesten Lobsprüche wegen ihres gestrigen Gesangs, die ihr sehr wohl taten; und wollte wieder anfangen, wo er es hatte lassen müssen. Sie hielt ihn in den gehörigen Schranken, und fragte: "Wie gefällt Ihnen der Prinz?"
"Das ist die Frage nicht," antwortete er; "die Frage ist: wie gefällt er Ihnen?"
"Ausserordentlich!" versetzte sie ihm boshaft; sagte ihm aber nicht, dass der Prinz schon den Morgen, während seiner probe, bei ihr und ihrer Familie gewesen war. Bis zum traulichen Gespräch über ihn konnte' er es nicht bringen; und musste so abziehen. Inzwischen war er des Prinzen wegen unbekümmert; die andern jungen Herren, die um sie her flatterten, machten ihm mehr sorge.
Den folgenden Morgen war Frühstück in einem anmutigen Tal voll schöner, unter einander verstreuter Bäume: Buchen, Eichen, Linden, Kastanien, Tannen. Die jungen Herren und Damen ritten dahin; der Prinz, H i l d e g a r d und ihr Bruder, der Fürst selbst, die Fürstin, und Andre folgten in Wagen nach. Man ergötzte sich mit allerlei Scherz und Spiel, wozu schon längst an diesem Lustort Vorbereitungen gemacht waren.
Der Prinz lernte bei dieser gelegenheit H i l d e g a r d e n näher kennen, und fand sie immer reizender; auch den hellen Kopf ihres Bruders voll verdauter Kenntnisse, und dessen edlen freien Charakter. Der Fürst hatte ihm nicht zu viel von dem jungen H o h e n t h a l gesagt.
Abends, und die kühlere Nacht hindurch, war prächtiger Ball.
Schon spät, als der Fürst und die Fürstin weg waren, hatte sich L o c k m a n n unter die Musik gestellt, um dem fest zuzusehen.
Wie ward er gleich bei einem Französischen Tanz entzückt von der seltnen Fertigkeit und Grazie seiner H i l d e g a r d ! Ihre schönen Füsse schwebten und gaukelten hoch empor, und berührten kaum den Boden, wie von Stahlfedern in die Höhe geschnellt. Alle Wendungen machte sie mit einer Fülle von Lust, jugendlicher Kraft und Ueppigkeit, dass man nichts Reizenders auf der Welt sehen konnte. Der Prinz und W a l l e r s h e i m , Meister in der Kunst, konnten nicht mit ihr in Vergleichung kommen: sie übertraf bei weitem Alle; das Höchste schien bei ihr nur leichter Scherz, und sie glänzte, gleich der ersten person im besten Teaterballet unter gewöhnlichen Tänzern, die sich lustig machen. O, wie ihr schönes Gesicht glühte, die Locken herumwallten, die grossen Brillanten in ihren Ohrgehängen und dem reichen Hauptschmuck Strahlen warfen, das Kleid flog, die netten Beine sich zeigten, und Arm und Hand, mit den schönsten Perlen geziert, lustlebendig sich regten und bewegten!
Einige Zeit nach dem Tanze begab sich H i l d e g a r d mit ihrem Tänzer, dem Prinzen, in ein Seitenzimmer, sich zu erfrischen und abzukühlen. Nicht weit davon winkte dieser mit erhobnen Augenliedern dem Offizier, der ihn begleitete, dass er zurückbleiben sollte. L o c k m a n n konnte weiter nicht nachsehen.
Sie waren, gegen H i l d e g a r d s Erwarten, den Moment allein. Der Held, von unwiderstehlicher Begier entflammt, umfasste sie an einem Sopha rasch mit dem einen Arm; um weniges war Mund an Mund, den sie gewandt noch wegbog, die linke Hand mit einem frechen geschickten Bräutigamsgriff nah am Ziel, und sie im Fallen die Länge lang auf die Breite des Sopha: als sie sich hastig zusammen raffte, alle ihre Stärke aufbot, und der kecke Ritter, durch den abgenötigten allerstärksten Schlag ihres rechten Beins und einen Stoss ihres Elbogens auf die Brust, vom Boden glitt, plötzlich rücklings auf den Hintern prallte, den Kopf mit den Händen in der Höhe kaum vor dem Aufschlagen bewahren konnte, und wie ein niedergeworfner Knabe da sass.
Er versuchte vergebens sie beim Kleide zu erhaschen; von edlem jungfräulichen Zorn entbrannt, flog sie weg in den Saal.
Sie erschien noch an der Tür in der schnellsten Bewegung, drehte den rücken des Offiziers weg, und mengte sich dann wieder schnell unter die andern Personen. L o c k m a n n glaubte, dass sie etwas Notwendiges entweder vergessen oder zu bestellen habe; bemerkte jedoch, auch in der Ferne, Unwillen und Zorn in den fest geschlossnen Lippen.
Der Offizier machte sich gleichfalls unter die Andern. Einige Minuten hernach trat der Prinz langsam hervor, mit den Worten auf den Lippen: "Die ist noch ganz scheu und wild; eine starke Hexe!" und sah verstört im gesicht aus, bei einem erzwungnen Lächeln.
Er erblickte sie vorn an der Reihe zu einem Englischen Tanz mit dem Grafen v o n T ö r r i n g , dem sie es versprochen hatte. Vor dem, Abendessen, das nur in Gefrornem, kalten Pasteten, Fasanen, Früchten, andern Erfrischungen, allerlei Backwerk und den besten Weinen auf Tischen zerstreut in einem Nebensaale zum Zugreifen bestand, tanzte sie schon eine Menuet mit dem Herrn v o n W o l