diese erste jugendliche natur der Musik selbst Neapolitaner, Römer, und Venezianer, und alte ausgelernte Kontrapunktisten. Diese Art Harmonie diente den Melodien A n a k r e o n s so leicht, so schön und reizend, wie sein B a t h y l l ."
"Nach der für sich bestehenden harmonischen Melodie kommt das Duett, Wechselgesang zwischen zwei Stimmen. Wenn man nicht einen Despoten mit einem Sklaven darstellen will: so muss die Melodie zwischen beide Stimmen verteilt sein, und eine Harmonie ausmachen."
"Dann eben so das Terzett, und der vierstimmige Satz; wo die tiefen Stimmen nach der Teorie des Klangs sich doch mehr zur blossen Grundharmonie neigen. Bei fünf-, sechs-, und mehrstimmigen Sachen werden die wohllautendsten Töne – Oktaven, Quinten, Quarten, Terzen, Sexten – verdoppelt und verdreifacht."
"Das Duett und Terzett, auch die mehrstimmigen melodischen Sachen in Chören und Finalen, sollen in Opern ihren Charakter behalten, obgleich bei aller Pracht der Instrumente."
"Bis zu den spätern zeiten des J o m e l l i bediente die Harmonie der Instrumente die Sänger und Sängerinnen ziemlich sklavisch; die Geige wagte es selten, die Melodie der stimme mit einer eignen andern untergeordneten zu begleiten; M a j o liess sie noch mehr als Grazie neben der Venus erscheinen."
"Wo besondre Melodie ist, sollte freilich auch Darstellung eigner person, wenigstens eignen Gefühls, sein. Ein Doppelgefühl kann gar wohl in einer person zugleich sich regen, bei Zweifel beides herrschend, und in Entscheidung der leidenschaft eins dem andern untergeordnet; zum Beispiel der Trieb, der Zug der natur, und das Gefühl des Schicklichen, der bürgerlichen Convenienz. Ein Instrument könnte also das eine oder das andre hören lassen, da die singende person mit Einer Melodie beides nicht zugleich kann. J o m e l l i schildert, wie H o m e r in seinen Gleichnissen, durch Instrumente das Leben der natur um sie her, den Galopp des Pferdes, das empörte Meer, Ströme und Sturmwinde."
"Ueberhaupt aber hat man noch nicht einmal die Frage aufgeworfen, was unsre ungeheuern Orchester bei einer dramatischen Begebenheit eigentlich vorstellen und bedeuten. etwa die harmonischen Wände der Scene? oder die Nebengefühle der singenden Personen? oder die Gefühle der mitandelnden? oder die Gefühle des zuhörenden Publikums? oder alles zusammen?"
"Das wahrscheinlichste wäre fast: den Chor der Griechen. Auch scheinen Tonkünstler aus Instinkt darauf zuweilen hingearbeitet zu haben. Eine Akademie sollte einmal den Unglücklichen, die bis jetzt in den Tag hinein schreiben, und gegen die Alten so stolz darauf sind, mit einer recht hohen Preisfrage Licht darüber zu verschaffen suchen."
"Inzwischen will ich Ihnen die beste Antwort darauf ins Ohr sagen: das Orchester stellt, nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge, vor – das Orchester!"
L o c k m a n n setzte die Tage darauf die schönsten Sachen seiner Oper, besonders entzückend die Scene, wo Achill als Pyrrha an der Tafel auf der Guitarre spielt, und dazu singt: Se un core annodi; kein M i l l i c o hätte die Kleinigkeit reizender machen können. Und eben so den Spott des Ulysses: Achille in gonna avolto, unter hinreissender Beredtsamkeit. In der Hauptscene, wo Achill mit den Waffen in der Hand wieder Achill wird: Ove son? che ascoltai? konnte L o c k m a n n sich mit den grössten Meistern messen, so neu und kühn und voll Feuer waren Melodie und Begleitung, und zugleich so wahr und schön; alles aber für ein grosses Teater und ein zahlreiches Orchester geschrieben. Er hatte in seinem kopf weite Aussichten.
Diese Woche sah er H i l d e g a r d e n nur einmal, als er ihr die probe zu den Scenen des Montezuma meldete, in Gesellschaft des Herrn v o n W a l l e r s h e i m , bei ihrem Bruder, kurz vor einer grossen Teegesellschaft bei der Mutter; und dann mit ihrem Bruder in der probe selbst, wo seine Leute sich über die neue Art von Musik des M a j o höchlich freuten, den sie bis jetzt nur aus dem Salve Regina. kannten.
Als man den Abend darauf schon die Geigen für das Konzert stimmte, und nun alles versammelt war: kam ein fremder Wagen schnell in das Schloss gefahren. Und wer stieg aus? Prinz K a r l , der seinen Vater, den Fürsten, unerwartet überraschte, von einem jungen Offizier begleitet. Es entstand ein allgemeiner jubel, als Vater und Sohn sich einander zärtlich umarmten, und die Fürstin herbeieilte, den einzigen an ihr Mutterherz zu drücken. Sie hatten sich fast zwei Jahre nicht gesehen; er war während der Zeit in Paris, und hernach in Geschäften in der Lombardei gewesen. Seine Gemahlin blieb in der Mitte ihrer zweiten Schwangerschaft in Wien zurück, um den Erschütterungen der Reise sich nicht auszusetzen.
Er war ein schlanker schöner Herr, noch nicht in die dreissig; das Auge voll Feuer, und sein ganzes Aussehen kriegerisch. Er glich auffallend seinem Vater.
Nach einem Viertelstündchen fragen und Antworten in einem Seitenzimmer, trat die fürstliche Familie wieder in den Saal, und das Konzert ward angefangen.
Der Prinz erwartete, zerstreut und ohne Aufmerksamkeit, gegen Wien höchstens eine kleine artige Provinzialmusik. Er spielte selbst das Klavier von seiner ersten Jugend her, ohne besondre Fertigkeit;