n d , "war die Musik, oder verstärkte Aussprache in gemessnen Tönen, notwendig, um verstanden zu werden; und der Vers eine Folge davon. Bei uns ist sie mehr Vergnügen an schönen Tönen und deren Verhältnissen zu einander."
"Der Text gibt dem Herzen und der Einbildungskraft das Bestimmte. Ein grosser Gedanke, eine tiefe schöne Empfindung müssen aber schon in Worten gut gesagt sein, wenn sie die gehörige wirkung tun sollen. Schöne Töne machen sie nur noch eindringender, und bewegen die Seele stärker."
L o c k m a n n beschloss das Gespräch, indem er sagte: "Die Musik herrscht vorzüglich, wo sie ausdrückt, was die Sprache nicht vermag, oder wo die Sprache zu augenblicklich ist."
"Die Sprache geht meistens der Tat vor, oder folgt ihr nach; bei der Tat selbst bedürfen wir ihrer wenig. Wenn ich einen Freund aus der Not reisse, oder, wie M e g a k l e s , mich für ihn aufopfre, so brauch' ich ihm nicht erst zu sagen: ich liebe dich. Hier ist die Musik an ihrer eigentlichen Stelle, wie P e r g o l e s i und J o m e l l i gezeigt haben."
"Der Jubelton bei gewissen Momenten übertrift alle andre Sprache. So lässt sich das innere Gefühl bei andern Taten, das Wallen des Herzens, die hohe Flut in Adern und Lebensgeistern durch nichts besser ausdrücken. Worte sind Erfindungen der ruhigen Besonnenheit. Der heilige A u g u s t i n u s hält blosse Töne des Entzückens ohne Worte für die beste Sprache gegen Gott."
"Bei Leidenschaften also ist die Musik an ihrer rechten Stelle; besonders bei heftigen, wo man nicht mehr an Worte denkt, sondern von den Sachen selbst durchdrungen wird. Wir stossen einen teil von dem Leben aus, das in uns ist. Und diess geschieht am leichtesten durch Vocale. Die Konsonanten ahmen die Oberfläche der Dinge nach, oder wie sie sich durch Geräusch äussern, oder Gefühl und andre Sinne etwas Besonderes dabei und daran gewahr werden. Für alles, was aus unserm inneren unmittelbar selbst kommt, ist der Vocal der wesentliche laut. Der Wilde sieht etwas Schönes von weitem, und ruft: A! Er nähert sich, erkennt es deutlich, und ruft: E! Er berührt es, wird von ihm berührt, und beide rufen: I! Eins will sich des andern bemächtigen, und das, welches Verlust befürchtet, ruft: O! Es unterliegt, leidet Schmerz, und ruft: U!"
"Die fünf Vocale mit ihren Doppellautern sind die Man stand auf. Die Mutter selbst schenkte noch Auf Bitten R e i n h o l d s sang H i l d e g a r d im Es war den Abend Gesellschaft bei der Frau v o n "Heilige Luft," rief R e i n h o l d noch ausser sich, Im folgenden Konzert wurden die schönen Scenen m a n n sang sein Cara, deh serbami costante il core mit dem höchsten Ausdruck, als ob er selbst der geliebte Vologeso wäre. T ö r r i n g und W a l l e r s h e i m beneideten sein für Weiber so verführerisches, bei der Liebe so unterhaltendes Talent; und wünschten sich ein gleiches. W o l f s e c k sah ihn bei seinen zärtlichsten Accenten wieder ein paarmal wild an. Doch lenkte bald H i l d e g a r d bei der tragischen Scene ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich. "Himmlisches Wesen, H i l d e g a r d !" Mit diesen Worten fasste L o c k m a n n zärtlich ihre Rechte, als er sie den andern Nachmittag allein im Musiksaal fand. Sie antwortete ihm lächelnd, fast eben so zärtlich: "Lieber L o c k m a n n ! " Beide schlugen sich einander die arme um Brust und Nacken, schmolzen in einander mit einem seelenvollen Kuss und den süssesten Blicken; und bogen dann in unaussprechlichem Gefühl einander wie die Schwäne die Köpfe Wangen an sanfte Wangen und um die schlanken Hälse. Aber dabei blieb es; sie entschlüpfte wie ein Aal, so bald er etwas weiter wagen wollte. Nur diesesmal gestattete die wohltätige natur einen Moment länger seine fliegenden Raubgriffe auf die rundlichen zarten Zwillingsformen, der gierigen Hand lauter Entzücken. Schüchtern tat sie, als ob sie etwas kommen hörte; und beide sassen unbeschreiblich schön blühend und glühend am Klaviere. Gut, dass Niemand kam! Alles war still; Strahlen schoss sein Auge; das weisse Sommergewand verhüllte nur leicht die herrlichen Säulen des stolzen Körperbaus. Von leidenschaft überwältigt, wollt' er mit beiden Händen wie ein kühner Adler darauf stürzen; aber plötzlich in reizenden Zorn verwandelt sprang H i l d e g a r d auf, und stiess ihn bitter von sich. Beschämt ergriff er die Oper, die er mitgebracht hatte, unter so gewaltigem Herzklopfen, dass man die Pulsschläge an Hemd und Weste zählen konnte.
Himmel und alle Heiligen! wenn jetzt deine Mutter oder dein Bruder käme! dachte sie voll jungfräulicher Angst, und wollt' es nie wieder so weit kommen lassen. Sie war im Begriff, sich zu entfernen, ihn zurück zu lassen, und auf ihr Zimmer zu eilen; aber er versprach bittend und flehend, sich zu bändigen und gehorsam zu sein. "