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ihr aber dadurch an Stärke, und mancherlei Kontrast, so wohl bei Freude als Leid. Gänge in der verkleinerten Septime, die G l u c k so häufig braucht, sind bei ihr schon sehr selten."

"Die neuern Italiänischen Komponisten arbeiten hauptsächlich darauf, dass sich ihre Kastraten und Sängerinnen mit ihren Stimmen hervortun können; und dass alles, wie im gemeinen Leben bei vornehmen Gesellschaften, in einem guten Tone gesagt wird. Die ältern, P o r p o r a , L e o , P e r g o l e s i , und noch T r a e t t a u n d J o m e l l i , sind in einer ganz andern Welt zu haus. Uebrigens muss man gestehen, dass die neuern sich mehr in ihren eleganten M e t a s t a s i o einstudirt haben."

"Aber so ist der gang bei allen Künsten; aus dem

wahren, Individuellen kommt man zu allgemeinen schönen Formen."

"Dieses vorläufig."

"Mein teurer Freund, ich g e b e d a f ü r t a u

s e n d T h a l e r ! mag dasselbe in jedem Ton bei einem Juden oder Finanzminister gelten. Eben so: j a , i c h w i l l i h n h e u r a t h e n , bei einem Freier auf Rechnung. Aber gewiss nicht, weder bei Ihnen, guterziger Mann, noch bei diesen vollkommnen Personen."

"Bravo!" rief R e i n h o l d .

L o c k m a n n . "Wir haben hier zwei grosse Phi

losophen, die uns zuhören, und die beiden Damen können in dieser Materie auf jeder hohen Schule dafür gelten; wir müssen also gründlich zu Werke gehen."

"Was ist Musik überhaupt?"

"Wenn ich nicht irre, so ist sie die Kunst, durch ge

messene Töne das Leben im Menschen, und alles, was sich in der natur durch Ton und Bewegung äussert, darzustellen; ohne Metapher zu reden, dem, Sinn des Ohrs hörbar zu machen."

"Da diess der stimme des Menschen oft zu schwer wird, nicht selten zu niedrig, ja unmöglich ist: so hat er Instrumente dazu erfunden, welche die göttliche stimme einer H i l d e g a r d , der Sultanin aller Feen im Luftreich, gehorsamst und mit Lust bedienen."

"Vortreflich, mein teurer junger Freund!" rief R e i n h o l d weiter.

L o c k m a n n . "Und um die Darstellung, so viel als möglich, zu bestimmen, die Wörter der Sprachen."

"Eine starke Aussprache ist noch keine Musik, wenn die Töne dabei in keiner gemessenen Leiter stehen; und so kann man dem leisesten zärtlichen Gesang einer G a b r i e l i oder T o d i diesen Namen nicht absprechen."

" J o m e l l i stellt durch die Geige den Galopp eines schnellen Pferdes dar, weil dieses für die stimme zu unedel wäre; mit Hörnern, Klarinetten und andern Instrumenten einen angeschwollnen Waldstrom, der alles niederreisst, was ihm in seinem Lauf begegnet; M a j o , J o m e l l i und G l u c k durch die gewaltige Geige den Wetterstrahl, der die Wolken durchzackt und trümmernd herniederfährt; und warum sollte man die allergrösste Janitscharentrommel nicht brauchen dürfen, wenn man den Donner der Kanonen darstellen wollte? den schrecklichen Hall der Posaunen für Sturmwinde, und die mit zartem Finger gerührten saiten der Harfe für das gelinde Säuseln holder Frühlingslüfte?"

"Ohne pedantisch zu werden, kann man bei Melodien für sich von grossem Umfang die Harmonie nicht bestimmt genug für den Ausdruck angeben; von diesem Bedürfnisse getrieben, hat man zuerst die Begleitung der Instrumente erfunden. Mit dieser ist ein Ton der Melodie hinlänglich, den ganzen Ausdruck zum Beispiel des schmelzenden Accords der kleinen Septime auf dem vollkommnen Dreiklang hervorzubringen, und die stimme kann überdiess noch wählen, welchen sie will von vieren, für jeden besonderen Reiz. Sie steht dadurch wie eine Semiramis und Tomiris, wie Alexander und Cäsar, gleichsam an der Spitze von geübten Heeren; und es wäre höchst ungerecht, wenn man eine Melodie für sich allein aus einer Iphigenia in Tauris von G l u c k nehmen, das Mädchen barbarisch frech von ihrer furchtbaren Pallasrüstung in der Partitur entkleiden, und anatomisch zeigen wollte, dass es ein schwaches geschöpf wie andre auch sei, und nicht einmal so stark, wie manche Westphälische Magd."

"Die Töne an und für sich genommen, und nach dem blossen verhältnis, sind freilich so allgemein, wie das Element der Luft, woraus sie bestehen, und wie die Zahlen; aber die Verschiedenheit der Kehlen und Instrumente, wodurch sie hervorgebracht werden, bestimmt schon sehr ihren Gehalt: und sie unterscheiden sich wie hundert Goldstücke und hundert Rechenpfennige. Jedoch kann man auch in ihrem allgemeinsten Ausdruck bei der Verbindung nicht die Zahlen verwechseln. Die Dreiklänge, das alltägliche Leben, haben schon entschieden ihren bestimmten. Da diese zu häufig gebraucht werden, so will ich mich bei ihnen nicht aufhalten; ob man gleich auch hierin harte Fehler begeht. Bei den seltnern Accorden, die auch nur seltne Leidenschaften bezeichnen, lässt sich aber leicht dartun, wie richtig das Gefühl grosser Meister, eines L e