Non so. Che fida io parto.
"Sie hat durchaus den Charakter einer schönen keuschen jungfräulichen Seele," fuhr L o c k m a n n ferner fort; "Melodie und Begleitung ist voll Heiterkeit und Reiz. Sie gehört unter die schönsten weiblichen Sachen von J o m e l l i . "
"Das Duett zwischen der Giunia und dem Decio ist treflich nach dem Text gearbeitet. Lasciami in pace, o perfido; leidenschaftliche Musik voll wirkung."
"Das Terzett am Ende ist ein Meisterstück; Il pianto ti muova, ti plachi il dolor; es kann unter die klassischen gezählt werden, so wohl was Ausdruck, als was Kunst betrift."
"Im dritten Akt
ist die Arie des Decio: Ceppi, fasci, minaccie di morte, no, non hanno terrore per me, ein Meisterstück von Heldenmut und Zärtlichkeit, welches beides einen reizenden Kontrast macht. Ihm ist nur für seine Geliebte bange."
"Das Vortreflichste aber der ganzen Oper ist die Arie der Giunia:
Parto; ma attendimi,
Farò ritorno:
Un ombra squallida
Avrai d'intorno" u.s.w.
"Die zweite Violine macht durchaus eine äusserst passende originelle Begleitung; und die Flöte wetteifert im schönsten Ausdruck mit der Singstimme. Es ist ein wahrer Kapwein von musikalischem Genuss, und trägt recht den Stempel des Genies."
Beider Gefühl bekräftigte L o c k m a n n s Urteil. H i l d e g a r d nahm die letzte Arie, die ganz für ihre stimme, zum Triumph über alle Instrumente, gesetzt war, unter ihre liebsten auf.
Einen der nächsten Tage war L o c k m a n n sehr früh ausgegangen, um der frischen Morgenluft zu geniessen, und sich eine starke Bewegung zu machen. Auf der Rückkehr traf er den alten guten R e i n h o l d unter einer hohen freistehenden Eiche, deren weit verbreitete zweigevolle Aeste kühl umschatteten, ins weiche Gras gelagert; wo nicht weit davon ein klarer Bach, mit Pappeln und Erlen eingefasst, in ein kleines anmutiges Tal rann.
L o c k m a n n gesellte sich gleich zu ihm, und streckte sich auch hin, zwischen Kräuter, die eben in voller Blüte standen, mit dem rechten Arm auf die bemooste Wurzel des königlichen Baums gestützt. Sie sprachen freundschaftlich mit einander von diesem und jenem, und gerieten bald auf ein Haupttema, den Ausdruck in der Musik, und endlich in einen mutwilligen Zwist darüber, wo jeder sein Recht durchsetzen wollte; als H i l d e g a r d und ihr Bruder mit dem Herrn von W a l l e r s h e i m und der Frau v o n L u p f e n herbei geritten kamen, und sie angenehm überraschten und störten.
H i l d e g a r d , die voraus war, hatte die letzten lebhaften Worte ihres Streits noch vernommen; da aber die Andern herbeieilten, so ward sie zu bald erblickt. Man hielt eine Weile bei ihnen an, ergötzte sich an dem anmutigen platz, und bevor man wieder fortritt, lud H i l d e g a r d , mit ihnen besonders, sie auf den Mittag beide zu Tisch ein.
O, wie die Lust in L o c k m a n n s Herzen wallte, als er der stolzen hohen Schönheit nachsah, und zurückempfand, wie er sie, Mund an Mund und Brust an Brust, in seinen Armen hatte!
Sie kamen, liessen es sich nach der Bewegung wohl schmecken, und man unterhielt sich erfreulich.
Gegen Ende der Mahlzeit, als der edelste Hochheimer beider Lebensgeister befeuerte, wiederhohlte sie, nach einer kleinen Stille, R e i n h o l d s letzte Worte.
"O, das ist boshaft, rief L o c k m a n n ; Sie haben uns diesen Morgen belauscht."
"Ich wünschte," erwiderte sie lächelnd, "dass es zu meinem grössten Vergnügen und zu meinem Unterricht länger hätte geschehen können."
"Ich möchte meinem vortreflichen jungen Freunde, fing R e i n h o l d an, gern leichte Arbeit machen; aber er dünkt sich mit seiner Sirenenkunst Herkules am Scheidewege, und wählt das Schwerste. Sie, himmlische Muse selbst, sollen Richterin sein, wer Recht hat."
"Das muss ich mir zu Ihrem Vorteil verbitten," versetzte H i l d e g a r d ; "ich würde vielleicht für meinen Lehrmeister parteiisch sein."
L o c k m a n n sagte darüber: "Am Ende dürften wir sehr wohl einig werden, und die zufälligen Dissonanzen sich in eine reine Harmonie auflösen."
H i l d e g a r d machte den Antrag: "Eine erquikkende Ostluft spielt über den Garten durch die Fenster, und wir können höchst angenehm noch einige Zeit bei Tische bleiben. Herr R e i n h o l d , treflicher Meister aus Italien, teilen Sie also zuerst uns Ihre interessante Meinung mit."
R e i n h o l d liess sich nicht lange bitten, und sagte: "Ob ich gleich befürchten muss, dass mir von neuem übel mitgespielt werde; so kann ich doch dem edlen Begehren von so schönen Lippen nicht widerstehen."
"Man lasse zwei glücklich organisirte Freundinnen, die gute Kehlen und Lungen haben, aber weder von Musik