sich nur zu bald ein.
In dieser Zeit quoll zu seiner Oper die schönste Musik, heroisch und lieblich, aus seinem Wesen. Schon wünscht' er H i l d e g a r d e n als jungen Achill mit seinen Melodien entzücken zu hören, und den Kampf zwischen Ruhm und Liebe in ihrem hohen Herzen. Aber er wollte hierin mit nichts voreilig sein, und alles recht zeitig werden lassen.
H i l d e g a r d und Musik beschäftigten ihn auch so, dass er für Niemand und für nichts anders Musse hatte.
Den folgenden Abend war er schon wieder bei ihr. Er hätte immer bei ihr sein mögen. Er traf sie bei ihrem Bruder, und hörte vor der Tür ein Gelächter. Als er in das Zimmer trat, sah er sie über J o m e l l i ' s Fetonte sich lustig machen. "Welch ein Einfall," sagte H o h e n t h a l , "den Sturz Phaetons, Himmel und Erde und die Elemente in Brand, auf dem Teater vorstellen zu wollen!"
L o c k m a n n versetzte gleich darauf: "Es ist gewiss das albernste Bretterspiel, durchaus ohne Verstand und Empfindung. Vielleicht hat der Herzog selbst dem unsinnigen Dichter aus ältern Operntiteln19 das Tema angegeben, und der grosse Tonkünstler musste sein Genie dabei missbrauchen. Es ist aber auch in der Musik meistens nur sein Styl sichtbar. Wo der Text einigermaassen gut wird, ist er jedoch vortreflich; welches nur bei wenigen Fällen Statt findet. Fast alles ist bloss für Phantasie und Ohr gearbeitet."
"Die zwei Könige Epaffo von Aegypten, und Orcano von Aetiopien," fuhr H o h e n t h a l fort, "sind die albernsten Fratzen, die ich auf dem Teater kenne; und diese machen die ganze Verwickelung aus. Sie zwingen den Phaeton zu beweisen, dass er ein Sohn des Phöbus sei."
"Der Ausgang ist wirklich das possierlichste Zeug. Himmel und Erde brennt; Jupiter zerschmettert den Wagen Phaetons mit einem Donnerkeil; Libia, dessen Geliebte, stirbt in Ohnmacht; und Climene, die Mutter, schwatzt noch lange mit den hundstollen Königen, und stürzt sich darauf ins Meer. Kein Schauspieler erstickt oder verbrennt, welches ordentlich zum lachen sein muss, bei dem ungeheuern Aufruhr aller Elemente; und das Stück endigt sich mit Dunst und Rauch und dem Davonlaufen Aller."
"Sehr wahr," sagte L o c k m a n n lachend; "aber der Schluss in der Musik ist doch pittoresk und prächtig."
"Der Herzog hat mit seinen grossen Künstlern das Unmögliche möglich machen, und ein glänzendes Feenspiel zum Erstaunen der guten Schwaben für Augen und Ohren geben wollen."
"Der Anfang gleich ist eine Zauberei nach der andern; die Symphonie schön und neu. Das Andante macht die Anrufung der Climene an die Tetis mit einem Chor tanzender Priester. Im Presto stürzt alles zusammen, und Tetis erscheint in aller Pracht auf einem Tron. Die Arien sind für äusserst geübte hohe Sopranstimmen. Der Chor der Tritonen ist ein Meisterstück für ihren Charakter. Das Duett der Tetis und Climene hat schöne Stellen; dann kommt freilich auch in der Musik Leeres und Langweiliges. Der Abzug des Phaeton zur Sonnenburg ist das Beste; und sein Duett mit der Fortuna, deren vom Vater erbetenen Beistand er aus Stolz nicht annehmen will, das Wesentliche vom Ganzen."
"Es ist nützlich, auch solche Ausschweifungen kennen zu lernen, und sich davor zu hüten; selten ist ein so herrlicher Verstand wie der Ihrige dabei gegenwärtig."
"Die andre Oper Cajo Fabrizio ist viel besser. Auch das Gedicht hat schöne leidenschaftliche Scenen und Arien für Musik; doch ist die ganze Verwickelung platt und unwahrscheinlich. Nämlich Decius, der Geliebte und Bräutigam der Giunia, Tochter des Fabrizius, soll, eben nach einem Sieg und Triumph, Rom an den Feind verraten. Die geschichte ist die mit dem Pyrrhus, den einer von seinen Leuten vergiften wollte, welchen Fabrizius ächt gross Römisch auslieferte; wovon aber hier fast gar kein Gebrauch gemacht wird, ausser dass gegen Ende desswegen die Gefangnen frei gegeben werden."
"Ein Tarentiner, Sergalio, hat sich in die Giunia
verliebt; er will den Decius als Verräter hinrichten lassen, und endlich den Pyrrhus selbst vergiften."
"Die interessante person ist Giunia, Gefangne des
Pyrrhus, zärtlich verliebt in den Decius. Sie hat zwei Arien, die unter die reizenden von J o m e l l i gehören; und die letzte im dritten Akt, wo sie für ihn bei ihrem Vater bittet, ist eins seiner grössten Meisterstükke."
"Er übernahm erst nur die Komposizion der Arien
für die grosse Sängerin D o r o t h e a W e n d e l i n g , welche die Rolle der Giunia machte; und schrieb hernach alles, die mittelmässigen Arien im ersten Akt ausgenommen, welche Giuseppe Colla, der Mann der B a s t a r d i n a , setzte. Die Oper gehört unter seine guten Werke; er wollte bei den Mannheimer Künstlern Ehre einlegen."
"Der Marsch zu Anfange ist prächtig."
Sie gingen dabei auf den Musiksaal, spielten ihn,
und probirten sogleich das Folgende.
Akt II. Sc. 4.
"Die Arie der Giunia: Tutti gl'affetti miei spiegagli tu per me. Digli – ma che?