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ti darò."

"Che abisso d'affanno! per tutto è periglio, non ò più consiglio, ragion più non ò14."

"Aus dem C dur, mit Hoboen, die treflich gebraucht werden, und mit Hörnern."

"Der Zweifel und die Unentschlüssigkeit voll Pein und Leiden in der reinen zärtlich und heftig liebenden Seele ist vortreflich ausgedrückt; der Styl ächt klassisch, und in hoher Vollkommenheit. Es ist alles so weiblich, und doch kein schwacher Zug darin. Eine unaussprechliche Süssigkeit und Schönheit voll Geist und Empfindung."

"Die zweite klassische Scene ist im dritten Akt gegen das Ende, wo Berenize ihren Geliebten für ermordet hält."

"Der Ausdruck ist höchst patetisch und feierlich; die Hörner sind meisterhaft dazu gewählt und gebraucht. Das Recitativ fängt an: Qual lugubre apparato di spavento e di lutto! qual di tenebre e d'ombre regia dolente e fiera! Hörner, Hoboen und Fagotten. Ahime! Sogno, o son desta? Odo, o parmi di udir la voce, il pianto del moribondo sposo, die Begleitung vortreflich; e quella oscura caligine, che s'inalza; sie erblickt endlich den Schatten selbst. Das Tempo ist sehr sinnlich, bis endlich zum Presto. Ah barbaro tiranno, il mio sposo uccidesti!15"

"Darauf kommt die göttliche Arie aus dem Es dur mit obligaten Hörnern: Ombra, che pallida fai qui soggiorno, Larva che squallida mi giri intorno, perché mi chiami? che vuoi da me16? Mit Hörnern, Hoboen und Fagotten."

"Es ist eine entzückende Schönheit von Musik darin; die blasenden Instrumente und die Gewalt der Geige werden vortreflich gebraucht."

"Alsdann wird das Becken mit verdeckter Krone und Scepter gebracht, worin sie den Kopf ihres Geliebten glaubt. Vortrefliche Stelle mit der Begleitung: Ah! che in pensarlo io manco, sudo, agghiaccio17. Sieben verkleinerte Septimen, die Melodie durch halbe Töne, hinter einander."

"Als sie im Begriff ist, die Decke wegzunehmen: Su quel caro volto esangue vuo finir l'egro respiro18, mit blossen Flöten und dem Violoncell ist auch sehr schön."

"Dann findet sie erstaunt die Krone. Alles endigt sich glücklich. Lucilla und Berenize erhalten ihre Geliebten; und alle reisen ab."

Al mare invitano placide l'onde,

dal cielo spirano l'aure seconde,

e tutto giubila nel nostro cor!

"Das Ganze schliesst sich mit einer prächtigen Chaconne, die gleich in den Chor einfällt." "Es gibt wenig Opern, wo der Stoff so viel höchst lyrische Situazionen darbietet; sie sind hier weder in der Poesie, noch in der Musik erschöpft. J o m e l l i hat nur die zwei gewaltigsten herausgehohlt, und als grosser Meister dargestellt."

"Der schwarzausgeschlagne Trauersaal, wohin Krone und Scepter verdeckt gebracht werden; und wo Lucius Verus auf dem Trone sitzt: – entweder Tod, oder Reich und Scepter mit ihmgibt eine herrliche Verzierung, und macht überhaupt das Ganze äusserst romantisch und reizend für die Einbildungskraft."

"Auch das Anerbieten der unerwartet angekommenen Lucilla ist erhaben: Lucius Verus soll wählen, sie oder Berenizen; und glücklich sein. Wenigstens die Pille schön vergoldet; kurz, das Ganze eine der erfreulichsten Opergeschichten."

"Der Anfang gleich ist überraschend, wie Vologeso dem Lucius Verus und der Berenize als Bedienter den Wein aufträgt, sie ihn erkennt; und er den vergifteten, dem Lucius Verus bestimmten Wein, wovon sie diesem aber zutrinken soll, von ihren Lippen wegstösst, und sich alsdann selbst zu erkennen gibt."

"Obgleich das Andre den angeführten Scenen nicht gleich kommt, so ist doch viel Schönes darunter; als im ersten Akt die Arie des Lucio Vero: Luci belle più ferene, più tranquille a me splendete, voll schmeichlerischer Melodie für einen Tenor. Die erste Arie der Berenize mit begleitetem Recitativ: Se vive il mio bene, le pene non sento, voll weiblicher Freude. Das Quartett am Ende sehr schön; und hiernach gar keine Frage, dass die komische Oper ihre Finalen von der ernstaften genommen, oder ihr nachgeäfft hat."

"Im zweiten Akt ist die Arie des Lucio Vero: Sei tra ceppi, e insulti sehr dramatisch; die Arie des Vologeso: Cara, deh serba mi costante il core, voll Zärtlichkeit in Melodie und Begleitung."

"Sie haben mir damit wieder grosse Freude gemacht, beschloss H i l d e g a r d ; ich werde die zwei Scenen recht einstudiren, und denke, Berenize soll sich auch nach der Pariser Dido noch mit Vergnügen hören lassen."

So schickte sie ihn fort; ein keuscher Kuss war sein süsser Lohn.

Er sah zwar nicht, wie es ausgehen, und was es werden sollte; doch schätzt' er sich höchst glücklich, dass er es so weit gebracht hatte. Bei ihrem ersten Kusse war ein Flügelschlag leise wehend von Begierde, deren Regung ihr Verstand nicht einzuhalten vermochte. Mit frohem blick in die Zukunft darüber stand er, wie C o l u m b bei der ersten sichern Spur seiner neuen Welt. Ihm blieb bis jetzt der Vorteil vor jedem; er zog mit den Sirenen von Neapel auf, indess die jungen Herren am hof sich begnügen mussten, mit Etiquette um sie herum zu flattern, und einen züchtigen, ehrbaren Morgenbesuch bei der Mama abzulegen. Noch sah er keine Gefahr; aber sie stellte