ausser dem Schlusse, welcher recht gross und patetisch und recht im klassischen tragischen Styl ist. Jammer und Schade, dass dieser Meister immer ums Brot arbeiten, und so viel mittelmässiges Zeug mit unterlaufen lassen musste!"
H i l d e g a r d machte sich gleich an die schönen Scenen der Französischen Oper. Sie hatte zu London bei ausgelernten Pariser Damen voll Geschmack schon die eigne Art von Vortrag wohl gefasst, und vermied nur mit edlerem und gebildeterm Gefühl deren übertriebnes Patos, das bis zum Geschrei geht, und das Weinerliche des Accents.
L o c k m a n n lernte von ihr; sie schickten sich bald auch hier gut zusammen, und gelangten zum Vortreflichen bei der natur und Wahrheit des Inhalts.
Alsdann wurden Mutter, Bruder und F e y e r a b e n d gerufen, der neue Schatz wieder mitgeteilt; mit Lust studirt und gehört; und beschlossen, das Beste im nächsten Konzert aufzuführen.
Lockmann nahm die Oper mit nach haus, um die Scenen geschwind ausschreiben zu lassen.
Den nächsten Montag war in der Waldung im Gebirge, noch eine Stunde weit hinter dem Kloster, grosses Treibjagen, welches der Herr v o n L u p f e n meisterlich veranstaltet hatte. Der Fürst und die Fürstin fuhren früh an den bestimmten Ort; wohin andre Wagen vom Hof und aus dem Ort sie begleiteten. Auch H i l d e g a r d e n lockte der schöne Morgen, mit ihrem Bruder und der Frau v o n L u p f e n einen Spazierritt dahin zu machen.
Zu ihnen gesellte sich der Graf v o n T ö r r i n g , Graf v o n T ö r r i n g , ein Mann schon in die Mit ihm aber zugleich noch ein Dritter, ein junger Beide gingen viel feiner zu Werke, als Herr v o n W o l f s e c k ; sie bestrebten sich fürs erste, durch allerlei Zeitvertreib und Gefälligkeiten H i l d e g a r d s Neigung zu erhalten, und suchten sich dabei ihren Bruder zum Freunde zu machen. W a l l e r s h e i m hatte viel Welt; er war einige Zeit zu Paris, auch im südlichen Frankreich gewesen, und durch die Schweiz zurückgekehrt. W o l f s e c k studirte zu Wirzburg, hielt sich nachher in Wezlar auf, kam weiter nirgends hin, und ging dann wieder nach haus.
Schon waren Spazierritte und Spazierfahrten eingeleitet worden; dabei wurden an schönen Plätzen prächtige Frühstücke gegeben, Musik dazu bestellt, H i l d e g a r d zu einem Tänzchen mit andern jungen Damen aus Lust ergriffen, Spaziergänge dabei gesellschaftlich ins Kühle gemacht, darauf verzögert, eingehalten, süsse Blicke, süsse Worte, sanfter Druck der Hand, gewagte Umarmung angebracht. Glatt und schlau wich sie aber allem aus, was sie nur einigermassen hätte fesseln können. Nur beim l'Hombre konnte man sie zuweilen halten; man brauchte aber nicht mit Fleiss an sie zu verlieren: denn sie hatte in Glück, schneller überlegung und Spielerkenntniss wenig ihres Gleichen. Herr v o n W o l f s e c k wollte mitmachen, und sich dabei auch zeigen; er musste aber bald zum Spott der Andern einige hübsche Summen auszahlen, von welchen H i l d e g a r d immer das mehrste erhielt, ohne dass er einen Schritt weiter kam. Bei dem unschuldigen Zeitvertreib mit ihrem musikalischen Gesellschafter widerstand sie um so leichter allen Verführungen.
W a l l e r s h e i m wusste, dass sie kamen, und erwartete sie unterwegs. Das Wetter war heiter, die Gegenden schön und mahlerisch, das Gespräch angenehm und lebhaft; sie langten daher erst an, als so eben die Jagd anfing, und schon mehrere Damen und Herren aus der Nachbarschaft, die zum teil dazu geladen waren, sich eingefunden hatten.
L o c k m a n n war mit dem Herrn v o n L u p f e n bei Anbruch des Tages ausgezogen.
Aus dem ersten Rudel schoss der Fürst einen Hirsch von sechzehn Enden sogleich gerad' aufs Blat. Diess freute ihn höchlich und Alle, besonders die Jäger; und so begann die Jagd glücklich. Es ward dabei erzählt, wie klug eben dieser Hirsch sich versteckt gehabt, und den Treibern habe ausweichen wollen.
Graf T ö r r i n g tat sich dann hervor, und traf einige der stolzesten mit Kernschüssen. Eben so H o h e n t h a l und L o c k m a n n . Nur liebten sie diese Jagd nicht; ihnen war es ohne Vergleich lieber, beim Morgen- oder Abendrot im dunkelsten Wald dem wild aufzulauern, mit den vortreflich abgerichteten klugen Leit- und Schweisshunden des Herrn v o n L u p f e n , welcher aus Pflicht und Höflichkeit nur einige Meisterschüsse tat.
Auch Frau v o n L u p f e n feuerte mehrmals ab, und traf einigemal glücklich. H i l d e g a r d hatte zwar mit den Gewehren ihres Vaters und Bruders zuweilen in England nach dem Ziel geschossen, aber nie nach etwas Lebendigem. Der Fürst und Graf v o n T ö r r i n g suchten sie zu bereden, es jetzt zu tun. Der Fürst selbst zwang ihr eine leichte Pürschbüchse in die hände. Beim dritten Rudel legte