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o m e l l i ' s Musik dazu ist ein Meisterstück."

"Im dritten Akt

scheint J o m e l l i müde geworden zu sein; ausser dem prächtigen Schluss ist nichts Ausserordentliches darin. Doch immer Jomellische Musik; und die begleiteten Recitative sind vortreflich declamirt."

"Das Duett im ersten Akt, das Terzett im zweiten, und der pittoreske Schluss des dritten erheben das Ganze ungemein, und machen es zu einem so interessanten Schauspiel, als man beim blossen Lesen der Metastasischen Oper nie denken sollte. Vom Schlusse des zweiten Akts hat J o m e l l i viel Vorteil gezogen; Aeneas erscheint dadurch etwas besser, ohne dass Dido bei dem Zuschauer verliert. Jarbas macht freilich den Schluss fast zu einem komischen Finale."

"Eine ganz unerträglich alberne person bleibt jedoch Selene; Osmida und Araspe höchst unnatürlich Aeneas noch am besten gehalten, doch zu sehr Grandison. Er hätte am ersten eines Vertrauten bedurft, um seine ungereimte Abreise wahrscheinlich zu machen. Die Dido hat M e t a s t a s i o durch Modernisirung, besonders am Ende des zweiten Akts, dramatischer gemacht, als sie im V i r g i l ist; doch hätte er dabei alles Edle und Schöne des Römischen Dichters beibehalten können. Aeneas musste weniger verliebt dargestellt werden; auf der Jagd trug sich der Fall zu, wo ein Mann von Gefühl nicht anders handeln konnte. Desswegen verpflichtete er sich nicht Zeit Lebens, und opferte ihr alle seine reizenden Aussichten auf. Gerade diess notwendige Leiden gibt hernach die wahrhaft tragische person. Aeneas sollte nur ganz andre hoffnung und Zuversicht haben, in Italien das ungeheure Römische Reich anzupflanzen, als den blossen Traum. V i r g i l hat doch noch die Erscheinung der Venus."

"Der H e r z o g v o n W i r t e m b e r g muss diese Oper wohl für eine der besten von J o m e l l i halten, da er sie jüngst bei Anwesenheit des Grossfürsten von Russland hat aufführen lassen. Die zweiten Teile der Arien blieben indess alle weg. Wahr ist es, dass sie die ältern Italiänischen Opern monotonisch machen."

Die Deutsche Redlichkeit und der biedre Kunsteifer L o c k m a n n s rührten H i l d e g a r d e n . Er sagte freilich nichts in Rücksicht der Dido, was sie nicht für sich schon tiefer überlegt hatte. Nachdem sie die Hauptscenen noch einmal durchgegangen waren: blickte sie ihn heiter, und wieder hold und gütig an, rühmte seine litterarischen Kenntnisse, und wünschte von seiner Heimat und Erziehung etwas zu erfahren.

Er erwiderte nach einiger überlegung: "Virtuosen in verschiednen Künstenich will meine Wenigkeit damit nicht so hoch hinauf setzen! – sind diess hauptsächlich dadurch geworden, dass man sie in ihrer Jugend davon abhalten wollte; so natürlich ist dem Menschen Freiheit, und Liebe zu eigner Tat, als wovon man allein Verdienst hat, und so sehr reizt ihn alles Gegenstreben. So wird die Erziehung, die man für die beste hält, oft die schlechteste, und die schlechte gut; das Kind tut gerade das, was die letztre verbietet, wenn es reine volle Empfindung und Stärke zu denken hat, tut, was wahrhaftig Vergnügen bringt."

"Musik, mein gnädiges fräulein, und alles, was damit in Verbindung steht, war von Kindheit an meine Hauptleidenschaft; mich der Rechtsgelehrsamkeit zu befleissigen, und alles dessen, was damit in Verbindung steht, als des Kanzleistyls, der Geringschätzung und Verachtung jeder schönen Kunst und Wissenschaft, weil sie davon abziehe, den gehörigen Geschmack verderbedas eifrige und dringende Verlangen meines Vaters. Auf schulen übt' ich mich im Klavierspielen und Singen bei einem meiner Kameraden, der gerade beides studiren sollte, und vernachlässigte; dazu verwendete ich heimlich jede freie Stunde."

"Auf Universitäten überliess ich mich aber meinem Hange, und verschlief oft die Pandekten. glückliche Bekanntschaften mit talentvollen Liebhabern aus Wien, Dresden und Berlin, und mit einigen grossen Meistern bestärkten und befestigten ihn gänzlich."

"Wie ich dem Fürsten bekannt wurde, wissen Sie schon; und hiermit hab' ich die Ehre, mich Ihnen gehorsamst zu empfehlen."

Er nahm dabei den Hut, machte ihr seinen Reverenz, und wollte davon eilen.

"L o c k m a n n , L o c k m a n n !" rief sie ihm nach; "wohin so geschwind? Ich habe Ihnen noch etwas einzuhändigen."

Er erschrak, und stand bei diesen Worten, als ob er vom Blitze getroffen wäre. "Etwas einzuhändigen?" stammelte er nach.

"Ja, ja!" versetzte sie lachend, lief fort, und hohlte und brachte: Didon, Tragédie lyrique en trois Actes; P i c c i n i ' s Meisterstück, das sie eben den Morgen aus Paris von einer jungen Englischen Dame, ihrer besten Freundin in London, geschickt bekommen hatte.

Er musste nun selbst lächeln, nachdem er die Zeit wie ein armer Sünder dagestanden. "Nehmen Sie die Oper mit; kommen Sie morgen wieder, und sagen Sie mir Ihr Urteil." Sie reichte ihm, als er die Oper schon unter dem arme hatte, mit dem allerhellsten Freundschaftsblick, der in die Seele geht, die schöne Rechte; und er konnte sich nicht entalten, sie zu fassen, zu küssen, und mit