jungen Cornelien, die Scipionen, nicht so von der menschlichen Gesellschaft absondern, und die jungen geistvollen Teresien nicht zur Schwärmerei verleiten: diese sind für das tätige Leben bestimmt. Tat allein macht wirklich glücklich; das geschäftige Leben allein ist das wahre. Zur heissen Zeit, bei schwüler Luft, und nach Musik von P e r g o l e s i , mögen einen jedoch zuweilen in aller Unschuld solche Gedanken anwandeln."
Man setzte sich darüber zu Tische, und die heilige Teresia ward einige Zeit das Gespräch. H i l d e g a r d schnitt eine köstliche eben reif gewordne Zukkermelone in Achtel, und teilte sie aus. F e y e r a b e n d verstand Spanisch, und besass selbst eine schöne Ausgabe von den Werken der Heiligen. Er sagte: "Ihr Styl ist verführerisch; lauter Lieblichkeit, und die reinste Kastilianische Sprache."
Vivo sin vivir en mi,
y tan alta vida espero,
que muero porque non muero.
und hoffe ein so hohes Leben,
dass ich sterbe, um nicht zu sterben.
"Ein ganzes Lied nach dieser Strophe voll Verzükkung, und voll Bitterkeit gegen das Irdische, dessen Inhalt manche unerfahrne Seele hinreissen kann."
"Teresia las in ihrer Kindheit mit ihrem Bruder die Lebensbeschreibungen der Heiligen und Märtyrer; beide wünschten eben so zu sterben, und wollten den Tod bei den Sarazenen suchen. Als sie diess nicht bewerkstelligen konnten, spielten sie die Eremiten, und machten sich Einsiedeleien in ihren Gärten. Nach dem Tod ihrer Mutter las Teresia in ihrer ersten Jugend ohne Maass und Ziel Geschichten irrender Ritter. Dann tat man sie zur Erziehung in ein Nonnenkloster. Und so erzählt sie mit reizender Naivetät fort, wie sie endlich Stifterin eines neuen Ordens ward."
L o c k m a n n schilderte dazu ihre Gestalt in Marmor von B e r n i n i , die ihm hierüber lebhaft wieder in Erinnerung kam, in der Kirche der Maria Vittoria zu Rom, und hielt es für wahrscheinlich, dass der Künstler den Ausdruck nach ihrem lied, und vielleicht die Hauptzüge nach einem jugendlichen Porträt von ihr, gebildet habe.
"Der Kopf bleibt ein Meisterstück von Ausdruck," fuhr er fort; "es ist eine erhabne ernste Verzückung, unter welcher die natur leidet und in Ohnmacht sinkt. blitzen, wenn ich das Wort brauchen darf, Wollust; der offne überlassne Mund fühlt eine höhere Kraft, und liegt überwunden in bangen süssen Gefühlen. Die ganze Gestalt scheint die schwärmerische Spanierin."
"Sie wird auf Wolken liegend emporgehoben, und hände und Füsse sinken, ganz von der Erde und Wirklichkeit weg, willig ein. Feuerstrahlen regnen von oben herab auf sie."
"Im Ganzen herrscht gewiss viel Empfindung; auch ist Schönheit in den Formen, die freilich von den Griechischen auch in der Bearbeitung abstehen, und man merkt das Jahrhundert des M a r i n o . Die Wolken in Marmor tun nicht die gehofte wirkung, so wie das verzettelte Nonnengewand. Albern ist der Engel vor ihr mit dem Pfeil in der Rechten nach ihrem Herzen, und mit der zärtlichen Miene."
"Das Ganze zeigt einen allgemeinen Taumel der Sinne, und verlangt, um gehörig genossen zu werden, schon erhöhte Welsche Einbildungskraft."
Nach einigem Stillschweigen, fing F e y e r a b e n d wieder an: "Ein ächter Einsiedler müsste sich selbst genug sein, seine Glückseligkeit in den grossen massen der natur finden, fern von den kleinlichen Leidenschaften der Gesellschaft; und mit tiefer Empfindung der Reihe der organischen Formen immer in erhabnen Betrachtungen schweben."
Als er so sprach, flisterten die Blätter; ein Wind regte sich, und plötzlich rauschten Wipfel und Zweige. Es erhob sich ein Sturm; der Staub flog, die Lichter wurden ausgelöscht, Blitze flammten, und von fern rollte der Donner. Man machte sich ins Freie; ein starkes Gewitter kam herangezogen. Dichte Nacht wälzte sich über die Gegend.
Die Mutter eilte mit dem Sohne voran, fast vom Winde getragen, auf ihre Zimmer, F e y e r a b e n d hinter drein; L o c k m a n n nicht so schnell mit H i l d e g a r d e n , von deren rechter Brust er die zarte nackte warme süsse straffe Form mit raschem Griffe der linken Hand zum erstenmal, entzückt durch sein ganzes Wesen, fühlte. Sie riss sie ihm hastig weg; indess flatterte ihr Kleid um ihre und seine Beine, dass sie sich, wie in einem Walzer, durch Umdrehen loswinden mussten. Dabei raubt' er ihr noch einen vollen Kuss zum Abschied, und kam unter Blitz, Donner, Sturm und dem ersten Regenschauer mit fliegenden Haaren glücklich nach haus.
"Sie liebt dich, o sie liebt dich! wenigstens das, was an ihr fühlt und empfindet, so streng und kalt auch das, was in ihr denkt, nur Freundschaft gebieten mag. Welch ein Tritt!" so sagte er freudig, indem er sich zu Bette legte, und streichelte seine Fusszehe, die ihm noch weh tat. "O, so glücklich, du kleine, fuhr er fort, bist du in deinem ganzen Leben nicht gewesen! Welch eine wollüstige Form! (Er mass noch mit schwebender Hand das Gefühl ihrer Brust.) Eine goldne unten zugespitzte Schale für Hochheims alleredelsten Nektar will ich mir so ründen lassen. O es geht; es