, nachdem L o c k m a n n einige Abende am Klavier ihn ergötzt, und ein leichtes rasches entzückendes Spiel wie mit Bällen zwischen der süssen fertigen Kehle seiner Tochter, und seiner rührenden Tenorstimme in himmlischen Melodien getrieben worden war.
H i l d e g a r d und er weideten ihre Blicke an einander in den hellen Augen, an den reinen Stirnen, dem edlen geraden Zug der Nasen, dem lieblichen Suadamund, blühenden Oval der Wangen, und hohen üppigen Wuchse, so gut es unbemerkt geschehen konnte, voll Bewunderung und nie gefühlter Regungen.
L o c k m a n n betrachtete nun auch die M u t t e r : eine schlanke Gestalt an die vierzig, und noch schöner Kopf in edlen Formen.
Der junge Herr v o n H o h e n t h a l sah fast wie ein Zwillingsbruder seiner Schwester aus; doch war er an Alter etwas jünger: voll Lebhaftigkeit, Geist und Anstand.
Die F ü r s t i n , eine gute Matrone, hatte vorzüglich ihr Geschlecht im land zum Augenmerk, und sorgte für alles, was dieses betraf. Sie unterhielt sich mit der Mutter, und wandelte langsamer mit dieser einen Seitengang hinter drein.
Der Fürst wendete sich wieder an R e i n h o l d und L o c k m a n n , und sagte: "Ihr zwei Italiäner wart im Gespräch begriffen. Fahrt fort, wenn es nichts Geheimes ist; vielleicht finden wir auch etwas dabei zu erinnern."
R e i n h o l d versetzte: "Wir sprachen von der Menschenstimme, vorzüglich vom Sopran; und bemerkten, dass in Deutschland nicht so viel Sorgfalt darauf verwendet wird, als in Venedig, Rom und Neapel."
H i l d e g a r d nahm darauf bei einiger Stille das Wort, und sagte: "Alle gestehen ein, dass das Blühen der Künste in einem land dessen schönste Zierde sei; aber fast überall geht man damit verkehrt zu Werke. Man gibt viel Geld aus, ohne Plan und Zusammenhang. Man kauft alte Gemählde auf, bezahlt teuer Porträte und Virtuosen; an Pflanzung, an das Lebendige und Volksmässige wird wenig gedacht."
"Musik ist unter den Künsten die allgemeinste; sie wirkt am mehrsten auf das Volk, und sieht oben an bei jeder Feierlichkeit und Freude. Wenn die Regenten ihre Untertanen glücklich machen wollen: so ist sie gewiss die vorzüglichste unter allen Künsten, und zugleich die wohlfeilste."
"Die Menschenstimme ist unstreitig das Wesentlichste bei der ganzen Musik; und an vortreflichen Menschenstimmen fehlt es überall, auf dem Teater, in Kirchen, und im gemeinen Leben. In Städten von vielen tausend Einwohnern sind drei oder vier schöne reine nur einigermaassen ausgebildete Menschenstimmen in Deutschland, und noch mehr in England und dem Norden, eine wahre Seltenheit."
"Die mehrsten schönen Menschenstimmen findet man in Gegenden, wo reine heitre Luft und gutes wasser ist; gewöhnlich gar keine, wo Kröpfe einheimisch sind. Man sollte einen Kenner ordentlich in Besoldung nehmen, und darauf herumreisen lassen. Ein Fürst, fuhr sie lächelnd fort, könnte sich allein mit dieser Anstalt verewigen. Und dieser Ruhm kostete ihm des Jahrs vielleicht nicht mehr, als er fremden Virtuosen für ihre Konzerte bezahlt. In seinem land dürfte ihm schlechterdings keine gute stimme verloren gehen, und hätte sie ein Junker oder fräulein vom ältesten Adel und grössten Reichtum."
Der Fürst hörte aufmerksam zu; er liebte, welches wohl bekannt war, bis auf den Grad, wo die gehörige Würde nichts leidet, freimütige +++Reden, besonders vom Frauenzimmer, und hasste Heuchler und Schmeichler. H i l d e g a r d gab L o c k m a n n e n mit Hand und blick ein Zeichen fortzufahren. Dieser war erstaunt, entzückt sie so reden zu hören, und schon dadurch überzeugt, dass sie wenigstens Kennerin sein müsse. Er benutzte die gute Stimmung und gelegenheit, und fuhr so freimütig fort, wie sie angefangen hatte.
"Da wir keine Kastraten machen, so sind alle unsre Sopranstimmen weiblich. Buben, auch mit den reinsten Kehlen, haben noch keinen Charakter, und sind von zu kurzer Dauer; ihr Uebergang in die Tenoroder Bassstimme ist immer sehr misslich. Doch könnte man sie auf Geratewohl vortreflich in Kirchen und auf dem Teater bei Chören brauchen; und, so bald bei der Mannbarkeit die schöne tiefere stimme entschieden wäre, ihnen die völlige musikalische Erziehung geben. So hat der Kurfürst Clemens von Bonn aus einem Bauerbuben den grossen R a a f gebildet, zur Bewunderung auf den ersten Bühnen von Europa."
"Die Stimmen von weitem Umfang und wichtigem Gehalt sind niemals gleich von natur da; sie werden nur durch unaufhörliche Uebung gestärkt und gebildet. Zum Beweise kann einer der jetzigen grössten Sänger, und eine der ersten grössten Sängerinnen in Europa dienen, M a r c h e s i und die T o d i , welche nach ihrem eignen geständnis anfangs sehr unbedeutend waren, und nach langer Uebung erst das wurden, was sie jetzt sind."
"Die Hofnungen schlagen auch hier manchmal fehl; doch nicht so häufig, wie beim Genie. Mancher Knabe verspricht einen grossen Mahler, Dichter, General, Staatsmann; und es wird hernach doch nichts aus ihm. Manches kleine Mädchen verspricht eine himmlische Schönheit, und verwächst sich hernach zu einem ganz gewöhnlichen Dinge. Man darf bei einigen fehlgeschlagenen Versuchen