leidenschaft des Holden zu reizen, wenn sie ihm nur etwas entdeckte; und antwortete: "Herr v o n W o l f s e c k ist ein Hofpedant; da er nichts von Musik versteht, so hat er mir seinen Beifall nur auf diese ungeschickte Art ausdrücken können. Lassen Sie Sich so etwas nicht kümmern."
"Aber Sie wendeten doch hernach, als er Sie wegführte, Ihr himmlisches Gesicht zu meinem süssen Trost bitter von ihm ab!"
"Weil ich das Laffenwesen, besonders von einer solchen Figur, nicht leiden kann."
O goldne Zeit der Jugend und Schönheit, Frauen und Jungfrauen, wo ihr einen Wald von Schatten wünscht, um mit den heissen Strahlen eurer Sommersonnen selbst den edelsten Blüten und Früchten eurer Neigung dadurch nur liebzukosen und sie köstlich zur Reife zu bringen, nicht im Freien sie zu versengen und zu verbrennen!
Welch eine Lust, wenn das Herz von der Gewalt der natur allein getrieben, unerkünstelt, euch die Fülle seines Gefühls opfert!
Diess heiterte L o c k m a n n e n wieder auf, und stillte seine Besorgnisse.
Weil er zögerte, so eilte sie selbst, um von dieser Materie abzukommen, an das Klavier, tat einige Griffe; fing dann in Gedanken an darauf zu phantasiren, und wand sich zu seinem Erstaunen glücklich durch die schwersten Gänge, in welche sie hinein geriet.
"Auch das noch!" rief er.
"O," antwortete sie lächelnd, "ich weiss selbst nicht, wie ich es gemacht habe, wenn es Ihnen gefällt. Ich habe das Klavier immer nur zur Begleitung gebraucht, höchstens Tänze, einige gar leichte oder sehr angenehme Sachen gespielt, und mich auf das kunstreiche Fingerspiel der B a c h e , M o z a r t und C l e m e n t i nie eingelassen. Ich schätze das Instrument, ausser der Harmonie, für sich allein nicht genug; und habe mir nur Mühe gegeben, die Regeln der Harmonie wohl zu fassen, und mich in dieser Rücksicht oft darauf geübt."
L o c k m a n n hatte sie zwar sich einigemal nett, rein und richtig begleiten hören, glaubte sie aber nicht so weit. Er rühmte sie sehr desswegen. Sie erwiderte:
"Noch niemand hat mich so gut begleitet, als Sie; ich wünschte, dass Sie mir über Ihre Art einigen Unterricht erteilten."
Inzwischen kam die Mutter die Treppe herauf gegangen; sie hatte H i l d e g a r d e n spielen hören, vermutete den Meister bei ihr, und wollte sie doch nicht immer mit ihm allein lassen. Ihre Tochter sass am Klaviere, und beide waren im gespräche. Sie bat, sich nicht darin stören zu lassen, setzte sich mit ihrer Näharbeit, und hörte zu.
L o c k m a n n erwiderte H i l d e g a r d e n : "Der Spieler muss bei der Begleitung dem Orchester den Takt, der stimme den Ton angeben, und sie darin erhalten. Die Instrumente dazu sind der Flügel, oder das Fortepiano, die Guitarre, und in der Kirche zuweilen die Orgel."
"Wir Deutschen schweifen hierin oft aus. Es ist nichts unerträglicher, als das unaufhörliche Einhacken mit den Accorden; alle Begleitung der andern Instrumente wird dadurch verhunzt, und mit der stimme geht man so pedantisch um, wie ein Schulmeister mit seinen Knaben."
"Die Italiäner begleiten, wenn ein besondrer Director da ist, ohne Ziffern, und ohne Partitur, bloss nach dem Gehöre. Doch ist es gewiss am besten nach der Partitur; wie kann einer sonst der stimme beistehen, wenn er das Ganze nicht schon durch öftere Proben kennt? Sie geben, hauptsächlich in den Recitativen, die Harmonie nur leicht mit einem Schlag an, und zeigen bloss deren Veränderung. Und diess ist auch der Zweck, weil die stimme es nicht immer kann, ohne dem schönen Vortrag zu schaden. Wo die stimme schon selbst die Harmonie angiebt, bedarf es nicht einmal des Klaviers. Der Begleiter soll die stimme nur führen, wie ein junger Mann eine beherzte Dame, ihr den Pfad ausspähen bei misslichen Uebergängen, und sie nicht behandeln wie Krüppel und Lendenlahme."
"Die Orgel schickt sich mit ihrem anhaltenden Gepfeife gar nicht zur Begleitung, und überschreit alle Grazie der stimme; es ist als ob der Riese Goliat mit einem kind spielen wollte."
"Nichts ist ferner unerträglicher, als wenn die Violoncelle sich dabei hervortun wollen, und den Zuhörern das Gehör zerhacken."
"Lauten, Guitarren, Harfen und Flügel oder Fortepianos sind die, natürlichsten Instrumente zur Begleitung."
Alsdann fuhr L o c k m a n n ernstaft fort: "Ich habe Ihnen hier eine der berühmtesten Opern von M e t a s t a s i o , die Olimpiade, mitgebracht, woran, wenigstens bei einzelnen Scenen, die grössten Meister ihre Kunst versucht haben. Diese Musik ist von J o m e l l i ; er führte sie zu Stuttgard im Jahre 1761 auf5."
"Das Gedicht ist zu künstlich angelegt, als dass es im Ganzen täuschen könnte; man muss gar zu viel dabei merken, so verflochten ist es. Ueberdiess sind die Personen Italiäner in Griechischer Tracht. Im dritten Akt besonders, wo in der ersten Scene Megakles und Aristea auf beiden Seiten des Teaters sterben wollen, einander nicht sehen, und