, im Lesen seiner Schriften nicht stören. So war der Strom der Zeit; er liess sich darin forttragen, wie ein kühner und erfahrner Schiffer; wollte nicht den Helden der Tugend machen, und glücklich nach den Umständen leben. Grösser bleibt es gewiss, als ein S o k r a t e s unter den Tyrannen hervorzuragen."
"Durch dieses Leben bei solchen Einsichten sind
im Gegenteil eben S a l l u s t s Schriften so lehrreich, ist alles mit Staatsweisheit wie mit Nerve, Fleisch und Blut und Kraft und Stärke durchzogen, so recht zu seinem Zweck; selbst erzeugt, aus der natur geschöpft, göttlich, und keine Kompilazion."
Dieses Urteil freute den Fürsten wieder in der
Seele; er sah, was aus dem Jüngling werden konnte, und setzte sich vor, ihn auf alle Weise zu befördern. Um ihn durch zu frühzeitiges, und vielleicht zu stark ausgedrücktes Lob, wie vorher, nicht eitel zu machen, sagte er darauf nur: "Vortreflich, lieber H o h e n t h a l ! man könnte Sie wohl mit Ehren schon zum Professor der Römischen geschichte machen."
H o h e n t h a l versetzte darauf lachend, indem
sich nun einige Herren vom hof hinzugesellten: "Ich möchte dann vielleicht Ewr. Durchlaucht antworten, wie ohne fernere Vergleichung K a r l d e r S e c h s t e seinem Hofkapellmeister F u x : wir haben es halter so besser!" Er erzählte das Geschichtchen, wo der Kaiser öffentlich zu einer Oper von F u x den Flügel spielte.
W o l f s e c k suchte unterdessen mit allerlei schwerfälligen Possen sich H i l d e g a r d e n gefällig zu machen. Sie war die Zeit über immer, wie vorher, gegen ihn so höflich gewesen, dass er daraus den Schluss machte, sie müsse seinen Antrag nur für so obenhin, und nicht für ernstlich und ordentlich aufgenommen haben, oder durch Schuld der Fürstin vielleicht noch gar nichts Rechtes davon wissen. Als er zudringlicher wurde, ihr auf die letzt die Hand fasste und mit Bedeutung küsste: sah sie sich genötigt, ihn mit einem eiskalten blick und wie befremdet zu betrachten. Diess tat wirkung; aber er legte es doch nicht so sehr zu seinem Nachteil aus, sondern wohl nur für erst erregte Aufmerksamkeit.
Wie Verliebten so leicht nichts entgeht: so bemerkte auch L o c k m a n n , dass W o l f s e c k seinen langen rücken beugte, und tiefgebückt mit vorliegenden Augen H i l d e g a r d s zarte schöne Rechte an seinen breiten Mund drückte. Ihr blick und Gesicht dabei war von ihm abgewandt, und er konnte also nicht sehen, wie sie es aufnahm. W o l f s e c k hatte ihn selbst, vorher und jetzt, einigemal besonders betrachtet, als ob er etwas gegen ihn im Schilde führe. Reich war er, das wusste L o c k m a n n ; eben so, was sein Vater vermochte; kurz, dass diess vielleicht die grösste Partie im land war. Bei diesem Gedanken lief es ihm heiss im leib auf und ab. "Sie ist für dich verloren!" Diese idee rollte ihm durch alle Nerven und Adern und im kopf herum, dass ihm anfing die Stirn zu schwitzen.
"Befürchten Sie jedoch nicht, dass ich so bald einem Andern zu teil werde." – – "Aber wenn du musst, Kind! Bei euch fragt man nicht lange; es ist genug, wenn eure äussern Verhältnisse zu einander passen."
Er gab auf alles Acht, wie er sie zur Tafel begleitete. Hier bemerkte er zu grossem Trost, dass sie ihr schönes Gesicht von dem Unhold wegwandte, und bitter aussah: für ihn der göttlichste Reiz, den er je an ihr erblickt hatte.
Er konnte nicht ruhig werden, bis er sie darüber selbst sprach. Etwas musste vorgehen, oder vorgegangen sein; so viel schien ihm klar.
Den andern Tag lauerte er die Zeit ab, wo er sie allein zu finden glaubte, nahm eine schöne Oper voll Liebe mit, und traf sie glücklich wieder auf ihren Zimmern.
Er sagte gleich das Stärkste, um geschwind hinter die Wahrheit zu kommen. Sie sah es in seinen scharfen Gesichtszügen, dass er etwas auf dem Herzen hatte. "Ich werde bald Serenaten, Epitalamia und Tänze zu Ihrer Hochzeitfeier mit Herrn v o n W o l f s e c k setzen müssen!"
"Ich glaube, Sie träumen," versetzte sie mit einer angenehmen Art von Zorn. "Oder wo haben Sie etwas gehört und gesehen, das Ihnen Anlass geben könnte, mir diess zu sagen?"
Der grösste teil seiner Angst war von diesen Worten zu Boden geschlagen, wie Sommerstaub vom ersten frischen Gewitterguss.
Er wusste nicht, was er darauf antworten sollte, und musste also mit seiner ganzen Wahrheit hervorrücken.
"Gestern küsste W o l f s e c k Ihnen so zärtlich die Hand; und – darf ich so eitel sein es zu sagen? – sah Ihren unwürdigen Musikmeister, gewiss ohne dessen Verschulden, wie Ihre feinste Aufmerksamkeit ihm die Gerechtigkeit widerfahren lassen wird, schon einigemal mit besondrer überlegung an."
Sie lachte über die beichte; doch regten sich einige unwillige Züge des Nachdenkens an ihrer sonst ewig heitern Stirn. Sie befürchtete die