! wie weiblich! und wieder der stärkre Adel: i ferri, le catene! – Wie göttlich: mi lascian tutti, misera, in abbandono; e sol m'avanza, che soccorso crudel! la mia costanza. Und sie trinkt gierig das Gift4."
"Diese Scene behauptet gewiss mit den ersten Rang unter allem Klassischen, was je ist geliefert worden; und ich glaube nicht, dass die ganze Griechische Musik etwas gehabt hat, das mit dieser in Vergleichung kommen könnte."
"Das Quintett, wo Sophonisbe stirbt, macht einen patetischen Beschluss; voll Ausdruck in neuer einfacher Begleitung."
"Auch die andern Personen in dieser Oper haben schöne Sachen, besonders Massinissa und Siface; aber es ist alles unter dem Angeführten."
"T r a e t t a hat ein erstaunlich reines zartes Gefühl. In seinem Herzen muss manche leidenschaft in ihrer Fülle gekämpft haben; er trift auf ein Haar den Ton von Traurigkeit, Schauder, Schrecken, kühnen Entschlüssen, Uebergängen aus einer leidenschaft in die andre; und besonders von dem Leiden edler Seelen."
H i l d e g a r d hatte sich bei der erhabnen Scene nicht geregt: so ganz war sie Ohr und Empfindung. Sie versuchte nun deren Vortrag gleich selbst; und er gelang zu L o c k m a n n s Entzücken. Alsdann rief sie Mutter, Bruder und F e y e r a b e n d e n , um an dem neu entdeckten Schatze sich mit ihnen zu ergötzen. Alle bewunderten die Scene als eins der grössten Meisterstücke, und sagten, diese Rolle sei ganz für H i l d e g a r d e n gemacht.
L o c k m a n n setzte hinzu: "Wenn es Ihnen beliebt, im nächsten Konzert als die gefühlvolle und zugleich heroische Königin, die mit der Kleopatra der Stolz ihres Geschlechts in Afrika ist, aufzutreten; so will ich morgen Nachmittags meine Leute zur probe versammeln." Diess wurde mit Freuden versprochen.
H i l d e g a r d bat ihn noch, ihr diese Oper, und die Armida von J o m e l l i , beide ganz abschreiben zu lassen. Es sollte sogleich geschehen; er hatte mehrere gute Kopisten.
probe und Aufführung gelangen nach Wunsch. Alle, die Musik liebten, bildeten dabei ihren Geschmack mehr; und wer sie noch nicht nach Würden schätzte, fing an achtung für diese gewaltige Kunst zu bekommen.
Selbst die Fürstin musste das Hohe des Charakters in H i l d e g a r d s Darstellung, und ihre geschmeidige Zauberkehle bewundern. H i l d e g a r d und ihr Bruder waren die Lust des Fürsten.
Nach der Musik unterhielt sich der letztre mit dem jungen H o h e n t h a l über die Zeitperiode der Sophonisbe. Die Rede kam auf den S a l l u s t , und er forschte nach, wie ihn der Jüngling kannte. Dieser antwortete mit seiner gewöhnlichen Freimütigkeit, wie folgt.
"Sein Jugurta und Catilina sind die reinsten Quellen der Römischen geschichte, und gehören zu dem Vortreflichsten der ganzen Römischen Litteratur."
"geschichte von Völkern überhaupt ist für Fürsten, Minister, Feldherren und Philosophen, für diejenigen, welche an der Spitze der Menschheit stehen; und für diese sind S a l l u s t s Werke vollendete Meisterstükke."
"Er erzählt kurz, wahr und klar, voll Darstellung hinreissend. Nichts ist bei ihm überflüssig, und alles ausgelassen, was den blick auf das Ganze zerstreuen könnte; seine Sprache gedrängt und lauter Kern; seine Beschreibungen von Charaktern und Ländern tief ge"Er erzählt begebenheiten der Zeit, wo Rom in sei"T a c i t u s steht, was Materie betrift, weit unter "P o l y b i o s schreibt in dem, was wir von ihm "L i v i u s erzählt in dem, was wir von ihm übrig g u s t , als ein Welscher Gallier, und hatte wenig zur Darstellung unter Augen; obgleich ein heller scharfsinniger Kopf und vortreflicher Schriftsteller."
"Die ganze Römische geschichte ist ein langwieriges Studium. Es ist gut, sie einigemal durchgegangen zu haben, und die interessantesten Perioden derselben zu kennen; aber S a l l u s t s kleines Buch gibt einem in wenig Stunden die reichhaltigste Anschauung eines der lebendigsten Stücke vom Ganzen. Und die Zeit ist kostbar."
"Was einer nicht gegenwärtig vor seinen Sinnen gehabt hat, kann er aus der Wirklichkeit, auch mit noch so viel Einbildungskraft und Verstand, nicht darstellen. Beides ist zwar wesentlich für einen guten Geschichtschreiber; denn er kann nicht alles sehen und hören: aber auch höchst betrüglich, wenn er von vergangenen oder auswärtigen Dingen spricht; er täuscht und blendet die Unerfahrnen. Diess mag zuweilen der Fall beim L i v i u s sein."
"S a l l u s t kannte fast alle Männer, deren Taten er beschreibt, persönlich, und Menschen und Gegenden, mit denen, und wo sie handelten; kannte sie nicht bloss, sondern studirte sie mit allem Fleisse. Die Staatsverfassung seines Landes verstand er bis aufs Innerste; von der Kriegskunst so viel, als ein vortreflicher politischer Geschichtschreiber nötig hat."
"Was das Unmoralische seines eignen Lebens betrift, so darf uns, dünkt mich, dieses, auch alles für erwiesen angenommen