zwei Offiziere die Krallen ab; gegen Abend H o h e n t h a l den rechten Flügel; und dem Kapellmeister sprach man auf der Scheibe wenigstens den zweiten Preis zu.
Den andern Morgen wurde da herrlich gefrühstückt, und weiter fort geschossen; Musik gemacht, Preise gewonnen, gesotten, gekocht, gebraten, und geschmaust, Andenken eingehandelt, gespielt, getanzt und gezecht, erzählt, geküsst, und gelacht, bis am Abend der Körper des Vogels nach langem Wackeln und Täuschungen von einem Kernschuss endlich abfiel, und unter allgemeinem Jauchzen die Höhe herabrollte. Eine stimme rief der andern K a t t zu; K a t t , der junge geschickte Jäger aus dem Hennebergischen, im Dienst des Herrn v o n L u p f e n , tat den Schuss für den kleinen Junker W i l h e l m .
Man behängte ihn sogleich in dessen Namen als König mit der Pracht der Schilde. Die Trompete schmetterte das Zeichen zum Einzug; und nachdem alle sich einfanden, erscholl feierlich froh der Marsch. Man schritt in mutiger Heldenreihe voran, und so vom jubelnden Volk auf beiden Seiten und vorn und hinten umgeben, den nur zu kurzen Weg im Triumph wieder in den Ort, zum nächtlichen Schmaus und Ball.
Den folgenden Abend ging es in eben dem lustigen
Tone bei der Buona figliola im Konzert fort, von welcher L o c k m a n n das Beste aufführte. Die schöne junge Madam E w a l d machte die Cecchina treflich, und eben so die Demoisellen B u s c h und L ö f f l e r die Paoluccia und Sandrina; Z o r n den Tagliaferro meisterlich. Das Stück war schon die vorige Woche probirt worden, und sie hatten es während der Zeit so einstudirt, als ob sie es auf einem Teater von Neapel spielen sollten. H i l d e g a r d sang diesesmal nicht mit, teilte aber reichlich Lob aus, besonders der E w a l d und dem Z o r n . Der Fürst kannte das Stück schon, und hatte besonders an den Finalen grosse Freude, so wie alle.
Während des Zwischenraums vor dem zweiten Akt
wollt' er den jungen H o h e n t h a l über seine Studien versuchen; er fing gleich mit der Römischen Litteratur an, und den Nachrichten Cäsars über den Gallischen und bürgerlichen Krieg, die er am besten kannte.
Der edle Jüngling hatte sie mehr als einmal mit vie
ler Aufmerksamkeit und überlegung gelesen; und sagte: "Bei ihm kann man recht die Philosophie des krieges studiren. Er ist zwar nur der einzige unter den Römischen Schriftstellern dafür: aber an ihm und dem Feldzuge Xenophons, meinem liebsten Griechischen buch, findet man genug zu denken."
Der Fürst ging ins Besondre; es wäre äusserst anziehend, die Schweizer, Gallier und unsre Urväter daraus kennen zu lernen. Zum Beispiel gleich Anfangs den festen Charakter der Schweizer und ihre Beharrlichkeit.
"Aber auch Blindheit und Verwegenheit, versetzte der Jüngling. Bei der erstaunlichen Mauer zu Genf führten sie sich zwar ehrlich aber dumm auf. Eben so unvorsichtig lassen sie sich an der Saone schlagen; ihn darauf mit aller Bequemlichkeit über den Fluss gehen; und bekümmern sich weiter in ihrem Marsche weder um hinten, noch vorn, und auf den Seiten und oben und unten. Gewiss ein höchst tapferes, aber auch dummes und trotziges Volk; ich glaube, die Wilden in Amerika streiten mit mehr Klugheit."
"Welch ein unendlich höherer Mensch ist Cäsar gegen sie in allem! Welche erstaunliche Tätigkeit, eigne Beständigkeit, sich auf Niemand anders zu verlassen, Menschenkenntniss, Geschwindigkeit in der Ausführung, Kühnheit und Klugheit, immer nur das Ziel vor Augen zu haben; ob er gleich bei dieser ersten Campagne sich auch wohl ein paarmal übereilte!"
Der alte Krieger musste über die letzteren Worte lächeln; doch hörte er ihm mit Lust zu, und fuhr dann ferner fort: "Für die Franzosen ist Cäsar nur ganz klassisch."
"Wenn sie ihn fort lesen, versetzte H o h e n t h a l , so werden sie nie einen mächtigern zu hülfe rufen. Das kriegerische Genie C ä s a r s blickt hier immer mehr hervor; wie ein Fechter gerade das Fleckchen zu bemerken, den wesentlichen Punkt, auf den loszugehen ist. Beim Ariovist, der ohne Vergleich klüger war als die Schweizer, verpasst er ihn einmal, und erzählt es ehrlich für diejenigen, welche durchsehen. Sein Styl ist nachlässig, wie ein grosser Mann eben etwas für sich aufschreibt."
"Es ist schön, wie er von allem Kundschaft einzieht, seine Feinde so recht studirt, nie verachtet, seine Läger und die vorteilhaftesten Plätze zu Schlachten durchaus so vortreflich wählt, bei den grössten Gefahren nie die Tätigkeit verliert, immer die kälteste Gegenwart des Geistes behält; und keine tapfre Tat seiner Leute, die er alle kannte, gut gezogen hatte, und mit denen er sich nichts für zu schwer hielt, unbelobt lässt."
"Grausam war er gewiss einigemal gegen die Deutschen, aber noch mehr gegen die Gallier, und verbrei"Unter den barbarischen Nazionen zeichneten sich Der Fürst erstaunte über die Bemerkungen. Ihn ent"Gerad' in diesem, verfolgte der seltne Schüler, er
– – Aequam memento
rebus in arduis servare mentem; non secus
in bonis ab insolenti temperatam laetitia."
"In Alexandrien allein scheint ihm die junge reizende