vortreflich ist die Erzählung der Paoluccia und Sandrina: per il buco della chiave."
"Cecchina hat schöne Arien, die aber nicht ins komische Fach gehören; als Vieni il mio seno di duol ripieno dolce riposo a consolar16. So wie auch im ersten Akt die Lucinde. Diess gibt dem Ganzen eine gute Mannigfaltigkeit."
"Das Quintett Si Signora di la sù si è veduto che quagiù col Soldato fortunato si badava a divertir, mag zu seiner Zeit sehr schön gewesen sein; jetzt ist vieles zu gemein geworden. Hier gehört es zur Erfindung der neuen Form."
"Noch ist das Duett schön und dramatisch zwischen dem Marchesen und der Cecchina, wo alles entdeckt wird: la Baronessa, amabile Idolo mio, sei tu. Und das kleine Quintett, womit sich das Stück schliesst."
L o c k m a n n hatte von Verschiednem bei der Erklärung das Tema auf dem Klavier angegeben, und dazu gesungen.
H i l d e g a r d sagte nun: "Ein Paar Arien der Cecchina, die mir ausserordentlich gefallen, möchte' ich wohl noch singen. Erlauben Sie, dass ich meinen Bruder rufe und F e y e r a b e n d e n , mich zu begleiten. Dann wollen wir den Untergang der Sonne im Garten geniessen."
"Das wird mir grosse Freude machen;" versetzte Lockmann.
Die Mutter hatte bis jetzt zugehört, zum teil auch gesehen, und begab sich weg, beschämt über ihren Argwohn.
H o h e n t h a l und F e y e r a b e n d kamen. Mit dem rührendsten und süssesten Ausdruck sang H i l d e g a r d zuletzt die Arie: Vieni il mio seno di duol ripieno dolce riposo a consolar; und beschloss: "Diess wäre mir vorgestern vielleicht so gut gewesen, als das Recept des Herrn S c h w e i g e r . Göttliche Tonkunst, du bist die beste Arzenei der Seelen!"
Ihr Bruder und F e y e r a b e n d überhörten diess, indem sie ihre Instrumente bei Seite legten; und L o c k m a n n e n quoll eine Träne in die Augen, da er sich einbildete, dass diess ihn beträfe.
Sie gingen in den Garten, wohin die Mutter folgte, sahen den prachtvollen Untergang der Sonne, welche die ganze Gegend mit ihrem Purpurlicht zu einem Eden überglänzte, hielten unter den Linden ein angenehmes Gespräch über die Gestade des Ozeans; und beim Weggehn erhaschte L o c k m a n n noch, mit H i l d e g a r d e n allein in der Dämmerung, einen freundschaftlichen Kuss, der unterwegs seinem Wesen einigermaassen die angenehme friedliche Stimmung gab, welche sie verlangte.
Die folgenden Tage fing er an, mit Eifer, Feuer und Fülle, den ersten Akt des Achill in Skyros in Musik zu setzen. H i l d e g a r d s stimme leitete ihn immer bei der Hauptrolle, sie war sein Modell; und die kriegerischen Ausbrüche des jungen Helden schöpfte er dabei aus seinem eignen Herzen.
Ob er gleich der junge schöne Mann war, so hatte bis jetzt die volle leidenschaft der Liebe doch noch nicht in ihm geherrscht; lüsterne Weiber verführten ihn nur einigemal zu Venedig und Neapel, wie auf den Raub. Sinnenlust und weiter nichts. Die Vollkommne durchaus für Herz und Geist und Sinn war noch nicht erschienen; und der gewaltige Trieb, die höchsten Gipfel seiner Kunst zu ersteigen, besiegte alles. H i l d e g a r d allein fesselte ihn zuerst mit den unsichtbaren unzerreisslichen Ketten, sanft aber unwiderstehlich. Alles, was er nun begann und tat, tat er für sie.
Das nächste Konzert führten sie die vortreflichen Scenen aus der Armida des J o m e l l i auf. L o c k m a n n hatte in einem gedruckten halben Bogen den Plan angegeben, und den Text der Scenen mit der Uebersetzung beigefügt. H i l d e g a r d erregte Bewunderung und Erstaunen; betrug sich aber dabei sehr anständig, und war bei weitem nicht die Armida bei der probe auf ihrem Musiksaal. Der alte R e i n h o l d wankte sehr in seiner Meinung, dass eine schöne Kastratenstimme alle weiblichen überträfe. Auch L o c k m a n n ärntete als Rinald viel Lob ein. Allen fiel auf, wie wohl er sich für diese Armida schicke; am mehrsten aber der Fürstin und dem Herrn v o n W o l f s e c k . Dieser lernte nun blosse Höflichkeit von gefälligkeit und Neigung besser unterscheiden. Fein, und aller äussern Bewegungen mächtig, stellte H i l d e g a r d sich gegen ihn, als ob in Rücksicht seiner gar nichts vorgegangen wäre. Er aber vermochte diess nicht, und hielt sich anfangs in Entfernung; er hatte geglaubt, wie auch die Fürstin, sie würde als ein kluges Frauenzimmer die vorteilhafte Partie mit beiden Händen ergreifen. Zwar besass ihr Bruder reiche Güter in Franken und der Pfalz, die von ehrlichen und verständigen Pächtern verwaltet wurden; aber die Schwester hatte darauf keinen Anspruch zu machen. Sie kannten ihren Charakter nicht, der sich in dem freien London ausbildete. Was L o c k m a n n e n betraf: so wussten sie nicht die geringste Spur; und beide schienen