ich etwas Leichtes mitgenommen, wobei Sie gar nicht zu singen brauchen; etwas für die Hofsängerinnen und Hofsänger; und was Sie wahrscheinlich beinahe schon vergessen haben: la buona figliola von P i c c i n i ."
"Die Opera buffa ist ganz zu Neapel einheimisch, besonders unter dem jetzigen König, der sie liebt; und wird über die Alpen hin fast immer unglücklich verpflanzt."
"Die Operetten der Franzosen stehen an entschiednem Charakter weit unter ihr, und sind meistens bloss kleine rührende Komödien, Mitteldinge zwischen Tragischem und Komischem. Die Opera buffa soll weiter nichts als Farce, Spassmacherei sein, die zuweilen verzweifelt ins Ernstafte komisch übergeht; Karrikaturen, wo viel Talent dazu gehört, den Charakter der natur beizubehalten. Schade, dass die Neapolitaner noch keinen M o l i e r e dafür haben! mit dem A r i s t o p h a n e s der grösste komische Genius aller zeiten."
"Die Franzosen und auch die Deutschen möchten gern das edle Komische in Musik haben; aber dieses schickt sich selten dazu, es ist zu wenig leidenschaft da. Witz und Ränke gehören in das Reich des Verstandes und der Feinheit; die Musik verlangt Abwechslung von Tönen, und die Gescheidteit verträgt nur die meistens monotone gewöhnliche Aussprache."
H i l d e g a r d unterbrach ihn hier, und sagte: "Man scheint diess so gefühlt zu haben, dass man das Recitativ ganz weggelassen, und nur Arien, Finalen und Chöre beibehalten hat."
Er fuhr fort: "Unnatürlich genug! Die Italiäner beobachten die Einheit, und zeigen dadurch ein weit feineres Gefühl."
"Die vornehmen gesitteten Leute, welche Spassmacher nicht leiden können, sollten in keine Opera buffa gehen."
"So bald die Leidenschaften nicht mehr schicklich sind in den Augen der Vernunft, werden sie komisch, ihr Vortrag mag auch noch so ernstaft sein. Ein hässlicher kleiner Kerl S c a r r o n , das Z, und die hohe junge Schönheit M a i n t e n o n machen allezeit ein komisches Paar; das geistreichste Betragen auf seiner, und das sittsamste auf ihrer Seite können das Komische nicht wegbringen, sondern erheben es vielmehr. (Diess schoss der guten Mutter auf.) Ein eifersüchtiger Alter, eine verliebte Alte, eine koquette Alte sind Personen der Opera buffa; ein Don Quischott, der allein eine Armee angreift. Das Lächerliche sowohl in der Poesie als Musik entsteht gewöhnlich durch Kontrast."
"Die neuere Opera buffa hat durch Erfindung der
Finalen eine ganz eigne Form erhalten. Sie sind eine Nachahmung der Katastrophen in den tragischen Opern; das heroisch-Furchtbare ist menschlich und gesprächig geworden; das schreckliche Tragische gar süss gemildert. Die Finalen von S a r t i , P a e s i e l l o und C i m a r o s a sind Meisterstücke. Die Form ist so glücklich schön, dass man nun schon viele Jahre nach einander sich an derselben nicht satt hören kann."
"Die ersten bekannten Finalen dieser Art sind eben
in der buona figliola von P i c c i n i ; welcher sie von einem unbedeutenden Palermitaner aufgenommen haben soll."
"Der Stoff zu dieser Operette ist etwas Gewöhnli
ches, und es gibt viel bessere ältere Texte. Das gute Mädchen ist ein Findling, dient als Gärtnerin; der Marchese della Conchiglia verliebt sich in sie, und will sie heuraten. Seine Schwester ist mit dem Cavaliere Armidoro versprochen, welcher desswegen die Ehe rückgängig machen, will. Sie wird also weggebracht; durch einen Deutschen Soldaten jedoch dabei bekannt, dass sie die Tochter eines Deutschen Obersten ist, die während des krieges in Italien verloren wurde; und alles läuft glücklich ab."
"Paoluccia, die Kammerjungfer der Marchesin, und eine Bäuerin Sandrina machen die Intriguen; ein Bauer Mengotto den Liebhaber von ihr; und das gute Kind wird auf mancherlei Weise gefoppt und verfolgt."
"Der gang des Stücks ist ziemlich gut gehalten; das Ganze aber mehr naiv als komisch; der Deutsche Soldat allein niedrig komischer Charakter. Sonst springt keine ächt komische Situazion hervor. Kurz, das Gedicht ist ein ziemlich ordentliches mittelmässiges Werk, und zeigt wenig von komischem Genie. Schade, dass die Musik dazu unter die ersten Hauptwerke der Opera buffa gehört!"
"P i c c i n i schreibt einen guten komischen Styl. Muster davon sind hier im ersten Akt die Arie des Marchese E pur bella la Cecchina, mi fa tutto giubilar. Und Muster zugleich des Naiven: Una povera ragazza, padre e madre che non a, die Arie der Cecchina. Hauptsächlich aber das Quintett, oder Finale."
"Wenn diess das erste, und P i c c i n i der Erfinder dieser Form ist: so hat er's gleich sehr weit gebracht; denn nach ihm ist nur Abwechslung dazu gekommen."
"Cecchina fängt an: Vo cercando e non ritrovo la mia pace e il mio conforto, che per tutto meco porto una spina in mezzo al cor."
"Aber gewiss hat man die Form von den Quintetten, Quartetten der Opera seria entlehnt, und nur komischen Styl hinzugebracht. Höchlich schön und ergötzend bleibt sie immer, und übertrift an Mannigfaltigkeit die Chöre."
"Im zweiten Akt hat die Arie des Deutschen, Tagliaferro, Charakter, und macht Spass auf dem Teater mit den Instrumenten. Viel besser, rund und