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Pittoreskem und leidenschaft nicht gleich." Renaud. Tragédie lyrique en trois Actes, par Sacchini.

Auch diese kannte L o c k m a n n .

"eigentlich die Aussöhnung der Armida mit Rinalden. Das Gedicht ist nach dem T a s s o , und hat nichts Hervorstechendes; doch ist es oft gut für die Musik mit einzeln schönen Stellen."

"Die Musik ist rein, Neapolitanisch schön durchaus; nichts beleidigt, oder greift zu rauh an; sie macht Vergnügen, ergreift aber selten, und erschüttert fast nie. Sich an den süssen Tönen schöner Kehlen zu weiden in den geschmeidigsten Melodien und Harmonien, scheint immer S a c c h i n i ' s Zweck für die Zuschauer gewesen zu sein."

"Der dritte Akt ist das Vortreflichste darin. Die erste Scene, die einen Wald beim Schlachtfeld vorstellt, hat Patos und Pittoreskes; aber doch mehr angenommenes, als eigentliche natur. Für die Menge "Unter den Stücken zum Tanze sind die reizend"Bei den Chören merkt man, dass er die von "Den Charakter der Armida haben alle drei besser "Unter dem Allervortreflichsten dieser drei Opern m e l l i ' s vortreflichen Scenen den ersten Rang. S a c c h i n i hat nichts, was diesem gleich zu stellen wäre."

Il Trionfo d' Armida di Traetta.

Der Text nach Q u i n a u l t .

Man fand die ganze Oper mager, und meistens Schlendrian; die Scene allein, wo sich Armida in Rinalden verliebt, indess sie ihn ermorden will, vortreflich; und nebst der Ankunft des Rinald, seiner Bezauberung und seinem Einschlafen, das einzig Gute.

"Die ältern Opern, fuhr L o c k m a n n fort, sind fast alle bloss so bearbeitet, dass eine oder zwei Gruppen, wie Gemählde, hervorspringen; das Uebrige ist Ausfüllung, um in den Logen dabei spielen zu können. Ländlich, sittlich. Diese Scene gewinnt viel, wenn man weiss, dass sie für die G a b r i e l i geschrieben ist. Zur Zeit selbst, wo sie neu und Erfindung war, muss sie entzückt haben. Der Ausdruck ist meisterhaft. Aber wahr ist es, alles andre wäre jetzt unerträglich."

Armida von Salieri.

"Gute Italiänische Musik; nichts Neues, und wenig Vorzügliches. Die einzige gute Scene des T r a e t t a zeigt mehr Genie. S a l i e r i hat viel bessere Werke Beste; und doch scheint auch im Leidenschaftlichen der Begleitung J o m e l l i nachgeahmt zu sein."

"R i g h i n i , der jüngst denselben Text von C o l t e l i n i , jedoch nur im Auszuge, zu Wien bearbeitete, und einige Scenen von andern Meistern einschaltete, übertrift ihn bei den Hauptscenen, hat neue Melodie, neue Begleitung, und ist zuweilen stark im Ausdruck."

"C o l t e l i n i hat eine glänzendere poetische Sprache, als J o m e l l i ' s Dichter, und plündert hier und da den M e t a s t a s i o ; aber dieser hat das Natürliche des Ganzen reiner herausgegriffen."

Noch gingen sie einige Scenen einer Armida von H a y d n durch, und das Terzet: Partirò, ma pensa ingrato; und der bezauberte Wald, die beide jedoch nicht zum Wesentlichen gehören, gefielen. Doch dünkten sie ihnen nicht originell Haydnische Musik, sondern nachgeahmte Italiänische. Der Göttliche kam ihnen beim Texte zuweilen vor, wie ein zusammengekuppeltes Windspiel im Laufen.

Gegen Abend wurden H o h e n t h a l und F e y e r a b e n d von einem guten Freund in Gesellschaft abgehohlt; und L o c k m a n n empfahl sich gleich darauf. Als er unten im hof war, sah er die Gartentür offen; und im Betrachten, dass sie von beiden Seiten konnte verschlossen, und innen verriegelt werden, lockte ihn das mutwillige Spiel der himmlischen Gestalt, auf einmal wieder höchst lebendig im Gedächtnisse, zur Wasservertiefung am Ende unter den hohen alten Linden. Lauter süsse volle Empfindung, wandelte er schüchtern durch die schattigen Gänge dahin; sah die erste reizende Scene nur noch viel gegenwärtiger, und setzte sich in eine Laube von duftendem blühendem Geisblatt, recht wie ein verliebter Schäfer in Gedanken versunken und verloren.

Nachdem er lange so gesessen, traten ihm die Tränen in die Augen, und er brach in die Worte aus: "Wie willst du sie losreissen aus dem Schooss ihrer Familie, aus dem Zirkel der Bewunderung! wie willst du dich losreissen! Mit wie viel schönern Aussichten stiegst du den Gottard herunter, an Begierde den kühnen Stürzen der Reuss nach in das Paradies deines Vaterlandes! Aber o wallendes klopfendes Herz, du kannst ohne sie nicht leben." –

Und sie rauschte vor ihm hin, und streifte sich schon das leichte Gewand ab, sich in der Dämmerung von der Glut des Tages abzukühlen in dem reinen Quellwasser.

Sie konnten keine Worte finden, die Ueberraschung auszudrücken.

Der Oberteil ihres Leibes war entblösst. Sie wollte fliehen; aber verwegne leidenschaft ergrif sie, und hielt sie fest.

Sie trieb ihn mit beiden verschränkten Armen auf seine Brust mit aller Gewalt von sich: "L o c k m a n n , L o c k m a