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aber mit der alltäglichen Musik von B e r t o n i , zu Venedig die Rolle des Rinaldo recitiren gehört; und wie leid es diesem habe tun müssen, sich in Erinnerung aus Neapel vom Pferd auf den Esel zu setzen.

Man sprach dann von dem äusserst angenehmen Cantabile des S a c c h i n i , von der M a r a und T o d i ; und die jetzt so bekannten Anekdoten von den Wortspielen über ihre Namen zu Paris: c'est bientôt dit; und Bravo und Brava, Mara, und Maro, mit der Bedeutung des letzteren im Französischen, wurden beigebracht.

Man sprach nun über Namen überhaupt; und L o c k m a n n fragte hierbei, wie sie den schönen Namen H i l d e g a r d bekommen habe.

Die Mutter antwortete: "Er ist alt in meiner Familie; meine Grossmutter hiess so, und meine Tochter hat ihn von meiner Mutter Schwester, ihrer Pate."

F e y e r a b e n d fügte hinzu: "Man sollte mehrere altdeutsche Namen wieder einführen, die so bedeutend wären, wie die Griechischen, und selbst neue nach dem Charakter der Personen endlich einmal wieder erfinden. Es ist gar zu leer und gedankenlos, an allen Ecken und Enden nichts als Anna, Maria, Elisabet und Lotte, Johann und Peter zu hören."

H o h e n t h a l fuhr ferner fort: "Diess schickte sich wohl für uns, da wir überhaupt in Europa die erfinderische Nazion sind. Die Erfindungen in England werden mehrenteils von Deutschen gemacht, welche sich dann mit einem reichen Londoner in Verbindung setzen, um sie in gang zu bringen."

H i l d e g a r d bestätigte diess mit wichtigen Beispielen; und sagte: "Ohne Eitelkeit! der Deutsche ist unter allen neuern Nazionen der beste von natur für eigne erste Ideen."

Sie schenkte dann aus einer Flasche alten Hochheimer die Gläser voll. Man stiess an: "Zum rühmlichen Andenken der S c h w a r z , G u t e n b e r g , K o pernik, Leibnitz, Kant, Händel, G l u c k , H e r s c h e l ! und auf glückliche Nacheifrung der Unsterblichen!"

Man stand auf, und trank den Kaffee in einem Zimmer der Mutter. Hier sah L o c k m a n n zuerst das Porträt des verstorbnen Vaters in Lebensgrösse; es war durchaus so vortreflich, wie lebendig, von R e y n o l d s , und schien recht mit Liebe gemahlt zu sein, so meisterhaft und entschieden in der Nähe die Arbeit.

Die Mutter sah es mit zärtlicher Rührung an, und sagte: "Sie werden vielleicht einmal in London wenig Gemählde von diesem grossen Mahler so wohl erhalten sehen. Es wurde gleich nach der Verfertigung hieher gebracht. Die Fettigkeit vom Rauch und Dunst der Steinkohlen füllt dort die Zwischenräume der Lasur an. Dadurch bekommen die Gemählde in kurzer Zeit ein verdorbnes Ansehen; und man weiss noch kein Mittel, diese Fettigkeit herauszubringen."

L o c k m a n n weidete Sinn und Herz an der geistreichen, edlen und einnehmenden Gestalt.

H i l d e g a r d nahm ihn dann mit ihrem Bruder bei Seite, und sagte zu ihm: "Wenn Sie noch einige Zeit haben, und nichts Bessers zu tun wissen, so gehen wir wieder auf unsern Musiksaal. In meiner Sammlung finden Sie noch eine gute Gesellschaft Armiden; und überhaupt ist es dort luftiger und kühler."

Alle und die Mutter selbst gingen dahin. H i l d e g a r d hohlte ihrer mehrere hervor. Die erste war:

Armide par Gluck. Text von Quinault.

L o c k m a n n kannte sie gar gut, und sagte darüber: "Ob sie gleich in Paris am mehrsten ist aufgeführt worden; so steht sie doch, selbst im Teatralischen, weit unter seiner Iphigenia in Tauris. Im Ganzen ist wenig natur; die Teufel und die person H a ss sind zu künstlich; und die Chöre meistens hinein gezwungen. Nur einige Scenen ragen hervor; die, wo Armida den schlafenden Rinald tödten will, noch eine andre, und die letzte, wo sie allein bleibt von Rinalden verlassen."

"G l u c k s Musik ist hier meistens Declamazion; und die Begleitung oft voll wie ein Wasserfall. Tänze und Chöre geben seinen Opern vor den Italiänischen grossen Reichtum. Was ihn darin von allen unterscheidet, ist die Einheit der Instrumentalmusik durch das Ganze; und die immerwährend eigne Declamazion der Stimmen voll Rhytmus. Es ist Gluckischer Accent, Gluckische Originalität. Der vortrefliche Ausdruck des Heftigen, Gewaltigen und Leidenden setzt ihn unter die ersten tragischen Meister. Wir werden nächstens seine Bahn durchgehen, und wollen uns das Vergnügen nicht unterbrechen."

"G l u c k s Armida muss mit allem ihrem Pomp doch der von J o m e l l i weichen. Die einzige Scene, wo sich Armida in den schlafenden Rinald verliebt, fehlt diesem. Sie macht einen reizenden Anfang der leidenschaft. Der Italiänische Dichter liess sie aus, um das Ganze nicht zu weitläuftig zu machen. Der Schluss ist bei G l u c k e n voll Feuer; kommt aber dem im zweiten Akt von J o m e l l i an Schönheit,