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oscurabis auf or che farà lo sdegno? Wie pittoresk die Abfahrt der Armida durch die Luft!"

"Im dritten Akt ist die Scene vom bezauberten Wald die Hauptscene; der Uebergang über den Fluss pittoresk, Hörner und Hoboen begleiten wie Strom; die Zaubergegend lieblich; die Nymphen aus den büsche naive Mädchenmusik; u.s.w."

"Diese Oper rundet sich schön zu einem Ganzen. Die Hauptpersonen strahlen immer hervor, und die andern weichen zurück. Bei den wenigen Instrumenten ist doch die Einförmigkeit vermieden; sie sind aber auch meisterhaft gebraucht."

Sie fingen gleich mit dem Duett an, und es ging vortreflich; L o c k m a n n machte den Rinald.

Im zweiten Akt aber bei der grossen Scene dünkte diesen, als ob er H i l d e g a r d e n noch gar nicht gehört hätte. Sie konnte die Scene auswendig, und spielte sie, als ob sie auf dem Teater wäre, mit einer Leichtigkeit, Freiheit, mit solcher leidenschaft, so starkem Ausdruck, ganz die wollüstige verführerische junge reizende Zauberin in ihrem nachlässigen Morgenanzug, mit so neuen eignen überraschenden Läufen und Manieren, einer solchen Süssigkeit, Reinheit, Gewandteit, Gewalt der göttlichen stimme, wo die Töne wie Perlen gross und klein entzückend im reichsten erstaunlichen Umfang hervorrollten, dass er gar nicht mehr wusste, wo er war, ob in Neapel bei der G a b r i e l i , oder in einem Zauberrevier bei der T o d i ; und beide verschwanden bei H i l d e g a r d s himmlischer Gestalt und vor ihren Reizen.

Kurz, so etwas hatte er noch gar nicht gehört. Er wusste nicht, wie er in Gegenwart der beiden andern seine Gefühle auslassen sollte; seine Brust schwoll, seine Wangen glühten, seine Augen brannten. "Was verliert die Welt, dass Sie nur uns in solchen Wonnestrudeln herumtreiben! welche Kehle, welcher Vortrag, welches wahre leidenschaftliche Spiel! und wie eine gebohrne Römerin die Sprache! welcher neue glänzende passende Reiz in den Verzierungen!" war ein Ausruf über den andern.

Ob es sie gleich inniglich freute, so lachte sie doch mutwillig darüber; und war überhaupt ausgelassner in Abwesenheit der Mutter, als er sie noch gesehen hatte. Während der Action öfnete sich bei der heftigen Bewegung das Gewand: und beide Brüste blickten hervor in herber jungfräulicher Ründlichkeit, zart und schwanenweiss. Die Fenster standen alle offen, ein Lüftchen blies herein, und verwehte das Haar, nur in einen Knoten gebunden, reizend darüber. Die wahre Armida, wie T a s s o seine schönste Tochter schilderte! Der Bruder und F e y e r a b e n d waren auf die Noten erpicht, und bemerkten es nicht; L o c k m a n n aber war ganz lüsternes Auge, nur versteckte sie die Unschuldigen zu geschwind wieder.

Man wurde zu Tische gerufen; wie schnell verstrich die Zeit! H i l d e g a r d fasste ihn heiter und huldreich am Arm. Er sagte, mit kühnem blick in ihre Seele: "Als Armida wird Ihnen keine Sängerin auf der Erde den Rang streitig machen; als solche können Sie auftreten, wo Sie wollen."

Bei Tische sprach er nur wenig von ihr, rühmte aber desto mehr die Fertigkeit im Lesen, das gute Ohr, und den reinen Griff ihres Bruders, und auch Feierabends.

H o h e n t h a l antwortete: "Die Musik ist, als Liebhaberei betrachtet, mehr eine Sache für Frauenzimmer, als für Mannspersonen. Die stimme der Melodie, oder der Sopran ist überhaupt das Vorzüglichste der ganzen Musik; und diesen haben natürlicher Weise die Frauenzimmer allein: denn von Kindern ist nicht die Rede. Wenn ein guter Kopf das Vortrefliche nicht haben kann: so gibt er sich mit dem Geringern weniger ab."

H i l d e g a r d widersprach ihm hierin, und sagte: dass eine schöne Tenorstimme bei Männern dasselbe sei, was beim Frauenzimmer der Sopran.

"Gewiss nicht so ganz für das Ohr, erwiderte er, und das Tiefere darf und kann nicht die leichte Schnelligkeit haben. Doch darüber wollen wir nicht streiten. Ferner, und was das Wichtigste ist, müssen wir unsre Zeit zu andern Dingen anwenden; und vollkommen kann keiner in irgend einer Kunst werden, wenn er nicht seine ganze Zeit darauf verwendet. Also ist die Musik bei mir nur Erhohlung, Zeitvertreib, den ich aber unendlich höher schätze, als Kartenspiel und andre elende Beschäftigungen."

"Wenn einer leistet, was er vermag und im stand ist, nicht heuchelt und schmeichelt, und sich nicht über seinen Grad von Vollkommenheit erhebt, und sollte er auch mittelmässig sein: den muss man schonen. Freilich kommt es einem schwer vor, wenn andre diess rühmen und preisen. Wenn einer aber bei seiner Mittelmässigkeit übermütig ist, die Vortreflichen lästert und Kabalen schmiedet: da muss man streng sein. Es ist nichts unerträglicher, als wenn Pigmäen auf Stelzen einher schreiten, und es für natürliche Grösse ausgeben wollen."

"Sie, Herr L o c k m a n n , und alle Künstler, meine Schwester und alle Frauenzimmer, die es so gemächlich haben, wie Sie, sind weit besser daran, als wir, wenn wir das leisten wollen, wozu uns unsre Bestimmung fordert. Sie können frei nach Vollkommenheit streben: wir müssen es