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H i l d e g a r d hohlte alsdann ihren Bruder und F e y e r a b e n d e n herbei, für die Bratsche und Geige; und es ging nach dem Musiksaal.

Sie kannte schon die schönsten Scenen dieser Armida, und hatte sie zu London mehr als einmal gesungen.

Er sagte darüber noch Folgendes.

"Die Armida abbandonata von J o m e l l i ist die schönste Rhapsodie aus dem befreiten Jerusalem des T a s s o , und macht ein grosses reiches Ganze für die lyrische Bühne. Es gleicht einem Gewitter in schönen Frühlingstagen, das mit fürchterlichen Blitzen und Wetterschlägen schnell vorüber rollt."

"Um eine volle Oper zu machen, hat der Dichter noch einige andre Personen aus dem grossen Gedicht in diese Episode hineingezogen, den Widerstand gegen die Armida durch den Tankred verstärkt, und mit dem bezauberten wald pittoresk beschlossen."

"Das Wesen, der Hauptcharakter derselben ist die leidenschaft der Liebe mit ihren Leiden und Freuden in dem Herzen einer gewaltigen jungen Zauberin, durch die treffendsten Seelenklänge dargestellt und ausgedrückt; Eifersucht, Genuss, und Friede, Verlassung und Verzweiflung, Zorn und Rache, mit dem höchsten Reiz und brennendsten Feuer; und diese Oper mag wohl unter dem Klassischen über diese leidenschaft den ersten Rang behaupten. Es ist wenig Pracht und Pomp darin, aber Melodie, Rhytmus, und Begleitung, die so rein und scharf und schön und sicher die Gefühle darstellt, wie die Kunst des P r a x i t e l e s oder eines A p e l l e s die Formen und Gestalten auserwählter Menschen."

"Der ganze erste Akt ist nur Vorspiel und Einleitung, bis auf das göttliche Duett am Ende, wo die volle Glut der Liebe in den reinsten Himmelsmelodieen und Harmonieen die Herzen in Entzücken schmelzt. Rinald wird vorher reizend mit tanzenden Mädchen aufgeführt in Eifersucht unter der Anführung einer schönen Ciacconne."

"Ueberhaupt sind Rinald und Armida zwei ächt lyrische Personen, immer in leidenschaft, und nie in Ruhe. Die erste Arie des Rinaldo, und die erste der Armida sind fast nur zur Bravour, um ihre Kehlen in Bewegung zu setzen. Besser wär' es gewesen, wenn sie gleich ins Ganze gegriffen hätten. Das Duett samt dem Recitativ gehört unter die schönen der Italiänischen Musik; die edelste und süsseste Melodie, die reizendste Begleitung, und Abwechslung in den Stimmen; und vortreflicher Ausdruck durchaus."

"Der zweite Akt ist der Kern vom Ganzen. Nach meinem Gefühl gehört er unter das allerhöchste der Musik."

"Schon geht das Heitersüsse in Bangigkeit über, und es entsteht Kampf, der noch einmal sich selig auflöst in der wahrhaft zärtlichen Arie des Rinaldo Caro mio Ben, mia Vita, deh! non turbar que' rai10."

"Nun kommt die Ahndung der schrecklichen Katastrophe bei der Armida in dem meisterlichen Recitativ mit Begleitung Misera me! und der kummervollen Arie Ah, ti sento mio povero core11! Alles ist so recht ausgearbeitet, immer in neuer Melodie und Harmonie! nach dem Texte, nichts von Schlendrian."

"Die Arien des Ubald und Tankred dienen zur Abwechslung, und sind voll harmonischer Künste."

"Endlich rückt die grosse Katastrophe heran, bei der Scene, wo Armida zu Rinalden sagt: dove corri o Rinaldo? Wie vortreflich alles declamirt ist! Griechischer Rhytmus. Und nun kommt das Tragische, wo Rinald von Instrumenten begleitet spricht: Jo gia ti lascio, gia ti lascio Armida; alles lauter innigst gefühlte Seelenaccente tiefer Zärtlichkeit."

"Die heftigen Ausbrüche von Armidens leidenschaft darauf gehören unter das erhabenste Lyrische der Musik; und ich kenne wenig, das sich ihm an die Seite stellen kann, recht hell und heftig brennendes Feuer; wahr klassisch, keine Note zu viel und zu wenig."

Vivi felice? – Indegno, perfido, traditore

"Wenn man hier so fühlt, wie die Instrumente den Ausdruck verstärken, und wie mit Blitzen in die Seele brennen: so lässt sich an dem Vorzug der neuern Musik vor der Griechischen nicht mehr zweifeln. Welche Stellen: l'inferno tutto svolgero contro te! Vanne, vanne! ma pensa, che nudo spirto ed ombra m'avrai sempre seguace!12 und wie ganz vollkommen sinnliche wahre natur sichs schliesst: Chiamarmi a nome, e sara tardi allora13. Göttliche Darstellung durchaus."

"Diese Scene mit der Arie Rinalds: Guarda chi lascio, guarda! ist der Triumph der Italiänischen Musik über alle andre. Man kann nicht mit mehr wahrer leidenschaft, mit reinerer Keuschheit und zartem Gefühl von Harmonie und schönerm Kontur und treflicherm Rhytmus in der Melodie, mit mehr Fülle von leidenschaft, und Adel, Grazie im Ausdruck solche Worte und Situazion in Töne bringen. Deh, amato Bene, non partirò! – oh pene, oh barbaro dolore! ah mi si spezza il cor fra tanti affanni14! Wie göttlich! welche Begleitung! Man fühlt so recht lebendig, wie der Meister die Sprache der Töne in seiner Gewalt hat."

"Und eben so ist das Misera Armida der Verlassnen der Triumph der Italiänischen Musik; klassisch durchaus mit dem Odio, furor, dispetto. Und das Udite, o Furie, udite! vi muova il mio tormento15. Donnerkeil des A i s c h y l o s ."

"So wie das Folgende ein wahres ganzes tragisches Gewitter, lauter reine Stärke und Gewalt ohne Ueberladung. Il ciel s'