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auf."

"Warum nicht? antwortete L o c k m a n n , nachdem er um sich her gesehen und überlegt hatte; sie durften nur erst an die Mutter Gottes selbst glauben, das andre war leicht. Da die mahlerischen Phantasien so selten sind, selbst bei den Mahlern, und sie ihre Gestalt im leeren Luftraum sich nicht vorstellen konnten: so sahen sie sich bald das Bild lebendig, und endlich völlig verkörpert. Unerwartetes Glück, unverhofte Befreiung von Uebeln, Krankheiten, weswegen sie zu ihr unter dieser Gestalt flehten, da sie keine andre hatten, alle günstige Zufälle, wovon sie die Ursachen nicht erkannten, wurden dann, zuverlässig kindisch, aber doch wahr und aufrichtig, und wenn Sie wollen, Griechisch, dem Bilde selbst zugeschrieben. Alte und erwachsene Kinder sahen es wohl noch die Augen bewegen; vielleicht den Kopf gar, durch klösterliche Betrügereien, denen doch solche Erfahrungen, auf die man sich verliess, vorhergehen mussten."

"Der gewöhnliche Mensch kann sich überhaupt kein Wesen, sei es noch so mächtig, als Sonne, Luft und Elemente, anders vernünftig und verständig und hülfreich auf Bitten in der Not vorstellen, als unter seinem Bilde. Selbst die grössten Philosophen sehen alles in der natur als notwendige Erscheinungen an, und die Toren verzweifeln endlich an ihrem eignen freien Willen."

F e y e r a b e n d erwiderte: "Vielleicht mehr wert, als der ganze dicke Atlas Marianus; aber gerade die klösterlichen Betrügereien, um goldne und silberne Opfer zu gewinnen, sollte man nicht gestatten. Die Religion soll nicht allein glücklich, sondern den Menschen auch besser und rechtschaffener machen; und nicht auf der einen Seite fetten Müssiggang, und auf der andern magern und armen Fleiss ins Land bringen."

H i l d e g a r d suchte das Grelle des Hofmeisters zu mildern, und sagte: "Man darf überall nie zu streng sein. Auch die guten Künste der Einbildungskraft leben auf Kosten der Stärke. Wenn das Unkraut nur nicht zu häufig unter dem Weizen ist! mit allzu genauem Ausjäten zertritt und verderbt man endlich selbst die Saat. Da so viele Mädchen an keinen Mann kommen können: warum wollte man zwanzig oder dreissig alten Jungfern ein wenig Feinheit übel nehmen, die sie sich erlauben, eine bequeme Pflegestätte zu haben? Und dann unterstützen sie wieder die Armen und Kranken; und ihre Ceremonien sind ein erfreuliches Schauspiel für das Volk."

Ihr Bruder stand nun seinem F e y e r a b e n d bei: "O ja, die Klöster sind gar etwas Erbauliches. Wenn es auf die Damen ankäme: so hätten wir ihrer noch einmal so viel. Inzwischen als gemeinschaftliche Hülfsquellen, und nicht zu zahlreich besetzt, könnte man immer ein Paar auf einige Meilen in der Runde dulden."

L o c k m a n n sass H i l d e g a r d e n gegenüber, liebenswürdiger, als sie ihn noch gesehen hatte; obgleich ihre Augen in der Bekanntschaft den Worten weit voraus waren. Ein Geist der Liebe umleuchtete seine Locken, glänzte auf seinen Wangen, und rötete süss die Lippen. Sie betrachteten oft einander, und ihre Seelen unterhielten sich lebhaft im Stillschweigen. Nicht weit vom haus warf ein Stoss des Wagens von einer Anhöhe herunter sie fast in seine arme; ihre Knie berührten die seinigen, und ihre rechte Hand kam gerade flach mit dem zartesten Sinn des Gefühls auf seine gewölbte breite warme Brust. O, wie ihm das wohl tat! O, wie auch ihr das wohl tat! Aber sie war geschwind wieder auf ihrer Stelle. Man scherzte über den Zufall, kam an, und ging aus einander.

Dass H i l d e g a r d so fertig und gut Italiänisch sprach, war für L o c k m a n n e n die angenehmste Entdeckung, das unverhofte Glück, und das Liebste der ganzen Spazierfahrt. Die drei Küsse, recht schmackhaft, frisch und voll, waren auch etwas wert, und er fühlte sich noch mit der blühenden Weiblichkeit verschlungen und verdoppelt; aber der Gedanke: Nonne! verdarb alles; und dann war es nur Schatten gegen H i l d e g a r d e n , ein Husarenraub, geschwind erhascht, genossen und vergessen.

Er wählte noch denselben Abend Musik für sie aus, um sie in allerlei Gestalten erscheinen zu sehen, und verlangte sehnlichst, sie von ihr zu hören. Um ungestörte Musse zu bekommen, wandt' er die folgenden Morgen zu Proben an für die nächsten Sonntage und Feste; und verteilte das Geschenk der äbtissin. Eine prächtige Messe im hohen Styl von P i c c i n i , welche dieser jüngst für die Spanische Kirche zu Rom gesetzt, als man ihn zum Kapellmeister daran ernannt hatte, mit der Freiheit abwesend bleiben zu dürfen, und der blossen Pflicht, nur zuweilen dafür zu schreiben, war das Schwerste und Schönste.

Den andern Tag nach der Klosterfeierlichkeit traf ihn wieder im Schlossgarten der F ü r s t mit H i l d e g a r d e n , Mutter und Bruder, der Frau v o n L u p f e n und ihrem Gemahl, welche am hof gespeist hatten, und, nach einer Spazierfahrt, nun zu Fuss durch den Garten wieder zurückkehrten. Die Rede kam gleich auf die beste Einrichtung eines wöchentlichen Konzerts, welches allezeit Mittwochs sollte gehalten werden; und der F