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zu finden sei, als eine andre mit einer vortreflichen Cremoneser Geige könne verglichen werden."

Er beschrieb dann mit einer wirklich angenehmen Beredtsamkeit verschiedne grosse Feste dort, wobei er zugegen gewesen war; als das fest des heiligen Franziskus zu Assisi, das fest der Portiuncula, wobei er die schöne Kirche, und die Hütte des Heiligen noch unter der Kuppel, worin ihm der erste Gedanke zu seinem Orden war eingegeben worden, und die zwölf springenden Brunnen aus der einen Mauerwand der Kirche für die ungeheure Menge volkes von allen Landen her, nicht vergass; so wie das fruchtbare Paradies das ganze lange Tal hin um Assisi. Er erzählte ferner die letzte Wahl des ersten Vorstehers seines Ordens, eines Deutschen, zu Rom; und beschrieb die schöne Lage ihres Klosters da, und den Reichtum der berühmten Gemählde in demselben.

L o c k m a n n fiel hier ein, und sagte: "Der Erzengel Michael daselbst ist wirklich eins der schönsten Bilder von G u i d o , und noch lebendig in meiner Einbildungskraft. Der grosse Meister gefälliger Schönheiten hat einen himmlischen Jüngling darstellen wollen von zauberischer Gewalt. Der Kopf desselben ist die innigste Vereinigung reizender Männlichkeit und Weiblichkeit mit dem süssesten Ausdruck von Unschuld, besonders im mund. Alles aufgeblüht an ihm wie Blume ohne Anstrengung zeigt von der reinsten Seele, fähig alles Vollkommnen. Die Röte auf den Wangen gibt ihm allein etwas Zorniges; sonst sieht er bloss aus, als ob er die Befehle eines Andern ausführte, gehorsam nicht eigenwillig. Das in die Höhe wallende Haar bildet reizend die Bewegung und das Niederschweben."

Der Pater fügte hinzu: "Alles Nackende ist von hoher Schönheit, das linke Bein, der rechte Arm, die linke Faust voll göttlicher Kraft. Die Rüstung zeigt das Wunderbare seiner Stärke; so wie der Satan unter seinen Füssen."

L o c k m a n n fuhr weiter fort: "Die Bekleidung allein, dünkt mich, ist ein wenig zu mahlerisch, und hat nicht genug Wahrscheinlichkeit. Aber das Ganze bleibt immer eins der reizendsten Gemählde voll hoher Schönheit; es vergnügt, entzückt, und erweckt Heiterkeit in der Seele."

Der Pater unterbrach ihn: "Man kann den Jüngling nicht ansehen, ohne ihm hold zu sein; er ist so recht der Inbegriff von Schönheit und Güte mit hohem geist vereinigt; was man auf dieser Erde fast nicht findet. Mit einem Worte: G u i d o hat das Centrum getroffen; jeder Mensch, wess Standes er sei, würde sagen, wenn er so etwas in Wirklichkeit sähe, und kennen lernte: es ist ein wahrer Engel."

Einmal im zug, könnt' er nicht aufhören, die reichen Klöster und prächtigen Kirchen in Italien zu beschreiben; das Wohlleben, das gute Essen und Trinken, die köstlichen Fische und wohlfeilen vortreflichen Weine.

Die Elsasserin unterbrach ihn mitten in seiner Begeisterung mit der naiven Frage: ob sie dort auch wohl einen so schönen Turm hätten, wie den Strassburger?

"Nein, war die Antwort nach einiger überlegung, nur das nicht; und keine solche Sängerin."

H i l d e g a r d musste laut auflachen über die Kapuzinade; welche die andern auch andächtig anhören wollten.

Das Gespräch ging dann über auf das Kloster, die Zeit seiner Stiftung, was es für Einkünfte, Prozesse habe, u.s.w.

Mittlerweite legte die äbtissin selbst L o k k m a n n e n freundlichst den grössten, und ausgesucht grünen Spargel vor, und nötigte ihn zum Trinken; und der Ton von blosser Höflichkeit, womit sie den jungen Herrn von H o h e n t h a l und dessen Hofmeister nötigte, entging H i l d e g a r d e n nicht. L o c k m a n n fing an stiller zu werden, und sass in Gedanken, zuweilen vor sich hin blickend. Sie legte es mit Recht für sich aus; aber auch die blühende Elsasserin legte es für sich aus, und nicht weniger die äbtissin.

F e y e r a b e n d suchte bei gelegenheit der Musik das Gespräch auf England zu lenken, und pries dessen Wohlstand und vortrefliche Regierungsform. Mutter und Sohn stimmten zwar ein; aber es wollte natürlicher Weise nicht haften. Man ergötzte sich zu guter letzt an dem unvergleichlichen Zuckergebäck, den köstlichen eingemachten Aprikosen, und andern frischen Früchten. Dann trank man verschiedne Gesundheiten in ächten ausländischen Weinen der besten Arten. Die letzte Gesundheit war: noch viele solche frohe Feste! und lange leben und gesund sein!

Man stand auf. Die äbtissin zog L o k k m a n n e n bei Seite, und steckte ihm ein Geschenk zu für seine Musiker; für ihn selbst zwar nur eine schildkrötene Dose, worauf aber eine meisterhafte Kopie in Miniatur von R a p h a e l s berühmtem Gemählde der heiligen Cäcilia zu Bologna stark mit Gold eingefasst war. Er weigerte sich anfangs sie anzunehmen; aber bei dem blick auf die Schönheit der Vorstellung liess er sich doch leicht dazu bewegen. Er küsste ihr aus Dankbarkeit die schöne Hand, und fühlte wohl den sanften Zug und Druck derselben auf seine Lippen.

Selbst H i l d e g a r d musste den Wert und das Passende des Geschenks loben. Die äbtissin hatte die Miniatur von einem jungen durchreisenden Mahler B r a n d , welcher ihr Porträt machte, und bald darauf zu früh verstarb