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geschehen), und die von den Hofleuten, welche das Bedürfniss fühlten, gleich anfangs beichteten, sich der Sünden der Hauptstadt entledigten, das Abendmahl empfingen, und dem volk so ein gutes Beispiel gaben. L o c k m a n n hatte die Musik zu der feierlichen Handlung schon vorbereitet, und suchte sie nun so gut wie möglich aufzuführen.

Bisher hatte der Kapelle ein alter Meister S e b a

s t i a n S t a h l vorgestanden, welcher nun zur Ruhe gesetzt werden sollte. Dieser war noch aus der Bachischen Schule, und machte sich eine Ehre daraus, den Vornahmen ihres grossen Stifters zu führen; übrigens ein herzensguter Mann, gründlich zwar, aber ohne viel Geschmack und besonderen Erfindungsgeist in seiner Kunst.

Der Fürst hatte den jungen L o c k m a n n auf einer Reise, in Erfurt, dessen Heimat, bei einem fest kennen lernen, wo er in der Kirche auf dem Petersberge gerade die Orgel spielte, und alsdann eine Messe von seiner Komposizion aufführte. In einer glücklichen Stimmung, am grab und über die geschichte des Ritters von Gleichen mit seinen zwei Weibern, ward er von dieser Musik bis ins innerste bewegt, so wie noch niemals von einer andern. Er erkundigte sich, wer das heilige gewaltige Instrument so zweckmässig nach seinem Sinn gespielt, und die Messe so voll Andacht und Salbung gesetzt, und so meisterlich aufgeführt habe; liess den Künstler vor sich kommen, unterredete sich mit ihm, und person und Wesen und alles gefiel. Er nahm ihn mit sich, schickte ihn bald darauf nach Italien, mit dem besonderen Auftrag, die grössten Meisterstücke der Kunst dort zu sammeln und zurück zu bringen.

Bei der Kapelle waren brauchbare, dienstwillige Leute, die mehrsten aus dem land selbst, und darunter einige, besonders für blasende Instrumente, von der entschiedensten Anlage zu den grössten Virtuosen; und in dem engen Kreise, worin sie lebten, dachten sie glücklicher Weise über ihren wirklichen Wert noch bescheiden. L o c k m a n n suchte die vorzüglichen sogleich durch die grösste Aufmerksamkeit, gefälligen Unterricht und treffendes Lob bei Gelegenheiten, wo es sie am mehrsten freuen, und zum Wetteifer anspornen musste, für sich einzunehmen; und machte jedem in der Stille, mit ihm allein, seine Fehler und bösen Angewohnheiten guterzig, aber doch streng, begreiflich.

Er hatte sich vorgenommen, bei jeder Musik, die er

aufführen würde, sie allemal vorher mit dem geist des Ganzen, und dann mit dem vorzüglichen Ausdruck einzelner Stellen recht vertraut zu machen, damit sie in Masse auf einen Zweck wirken, und er so endlich nach und nach das Ziel des Dichters sowohl, als des Tonkünstlers erreichen möchte. Dass die von langsamen Begriffen es mit Musse überlegen könnten, wollt' er das Wesentliche bisweilen zu Papier bringen, und es ihnen zum Abschreiben auch für die Zukunft mit nach haus geben. Er machte also mit dem Miserere1 von A l l e g r i sogleich den Anfang.

"Diese Musik ist, nebst den Werken des P a l e

s t r i n a , vielleicht die älteste, die heutiges Tages noch aufgeführt wird; und, sonderbar! es macht ihr wohl, was wirkung betrift, keine andre Musik ihrer Art den Rang streitig."

"Sie ist abwechselnd für zwei Chöre, in fünf und

vier Stimmen, geschrieben: zwei Sopranen, Alt, Tenor, und Bass; bei den vier Stimmen bleibt der Tenor weg. Dieses lautet etwas jugendlicher, und bringt Kontrast hervor."

"Bei dem letzten Vers: Tunc imponent super Altare tuum vitulos, kommt der erste und zweite Chor zusammen, und die Harmonie wird neunstimmig. Dieser letzte Vers wird langsam und leise gesungen; die Töne schmelzen in einander, und verlieren sich gleichsam nach und nach."

"Die Stimmen haben gar keine Begleitung von Instrumenten, nicht einmal der Orgel. Die blosse Vocalmusik ist eigentlich, was in den bildenden Künsten das Nackende ist."

"Ich habe dieses Miserere zweimal in der Sixtinischen Kapelle zu Rom mit den besten Stimmen aufführen hören; und es hat so tiefen zerschmelzenden Eindruck auf mich gemacht, dass ich bis zu Tränen gerührt worden bin."

"Diess wird bewirkt durch die Einfachheit der Harmonie, den breiten Umfang derselben bis zu drittehalb Oktaven, und die Verwickelung und Auflösung der Stimmen; auch dadurch, dass meistens bloss die Länge und Kürze der Sylben, und der Sinn der Worte den Takt ausmacht; oder vielmehr, dass man das, was wir Takt nennen, fast gar nicht merkt."

"Noch ein Umstand, keine Kleinigkeit, mag zur wirkung beitragen, nämlich dass diese Musik alle Jahr nur einmal aufgeführt wird, und also immer neu und heilig bleibt." "Dieselben Strophen von Musik werden fünfmal wiederhohlt; und noch das sechstemal, jedoch mit Auslassung eines Gliedes." "Das erste Glied des Gesangs ist fünfstimmig, geht aus dem G moll in B dur, F dur; und kommt durch mancherlei Windungen in die Quinte D mit der grossen Terz." "Dann das zweite Glied vierstimmig, wieder aus G moll, geht ebenfalls aus in D dur." "Dann das dritte Glied vierstimmig aus C moll, welches in G dur schliesst." "Und so wird dieselbe Strophe noch viermal wiederhohlt." "Die sechste Wiederholung lässt, wegen Mangel an Worten, das zweite G moll aus, und geht gleich in C moll über