. Stimmen einzeln, Stimmen verflochten auf mancherlei Weise, und was nur etwas für die Musik darbietet, schön ausgedrückt. Damit es nicht zu einförmig werde, geht J o m e l l i mehrere Töne durch, aus dem D dur bis ins C dur und C moll. Et resurrexit voll Ausdruck; et ascendit in coelum eben so; wie resurrectionem mortuorum. Das Credo ist immer Chorus, und stellt in Oktaven die Gemeinde vor.
Das dona nobis pacem machte prachtvollen Beschluss.
Ein schönes Werk des Meisters, welches mit allgemeiner Lust und Freude angehört wurde, aber noch weit von seiner Todtenmesse absteht.
Die Messe war vorbei. Das wundertätige Marienbild wurde von den vier jüngsten Nonnen herbeigetragen und vor den Hauptaltar gestellt. Alles fiel auf die Knie.
Das Bild war uralt, wenigstens aus dem vierzehnten Jahrhundert. Im Kopf der Mutter Gottes ist wirklich etwas Erhabnes, und dabei etwas stolz jungfräulich Mütterliches; ob er gleich verzeichnet, die Nase zu lang, und das Kinn zu klein ist. Die Kleidung Griechisch. Maria sitzt auf einem Sopha wie auf einem Tron. Auch das Kind hat Majestät im Gesicht, legt das Köpfchen ins Genick, wie ein junger Despot, und schlägt in seinem grünen Röckchen, welches unter den Armen ein roter Streif Seide zusammen hält, auf ihrem linken Arm getragen, die Beine übereinander. Sie hat ein rotes Unter- und ein himmelblaues Obergewand.
Man war wirklich im Himmel, nicht mehr auf Erden, als nun von H i l d e g a r d s reiner und gewaltiger stimme durch die weiten geräumigen Gewölbe des Tempels in lieblichster Begleitung schmeichelnd bittend die Worte drangen: Salve regina, mater misericordiae, vita, dulcedo; dulcedo et spes nostra; et spes nostra salve! Salve Regina! Salve mater! Salve mater misericordiae! Salve regina! Salve! Salve!
Zu den Tronen des himmels keine andre Tochter der Sterblichen, als H i l d e g a r d ; diese Empfindung lebte und schwebte in aller Herzen.
Bei den letzten Worten: O clemens, o pia, o dulcis virgo Maria; und dem letzten Gruss: Salve regina, dulcedo et spes nostra, salve, salve! wollten diejenigen, die ihre Augen wieder von der Musik zurück auf das Bild hatten wenden können, einen lichten Glanz um die Köpfe strahlen, und die Mutter Gottes sich wirklich bewegen und nicken gesehen haben.
Als die Musik eine lange Weile zu Ende war, und die Prozession schon ihren Anfang hätte nehmen sollen: hörten alle immer still zu, als ob die Musik noch fort währte; besonders sahen sie gleichsam in den Lüften die göttliche Menschenstimme die obgleich vortrefliche Hoboe, wie den Falken einen andern Vogel überflügeln, und dann die heroischen Trompeten und alle Instrumente der entzückenden Schönheit huldigen.
Endlich zog die Prozession aus. Der ganze Himmel war heiter, und ein kühles Lüftchen spielte mit den Zweigen. Mit dem Wunderbilde voran, führten die äbtissin und die Nonnen, ungefähr dreissig an der Zahl, in ihren schönen Gewändern und Schleiern vom Orden des heiligen Benedikt, den Zug. Ihnen folgten die Kinder, nach einem Zwischenraum, den die Klarinetten, Hörner und Fagotten einnahmen; dann H i l d e g a r d und ihre Mutter mit einer langen Reihe Mädchen und Weiber. Nun schmetterten abwechselnd die Trompeten und wirbelten die Pauken in die Wälder, und nach diesen kamen Jünglinge und Männer, alle in festlichem Schmuck.
Es ging um das Kloster herum, und dann die sanfte reine grüne Wiese am rechten Ufer des klaren Bachs hinab, bis zur Oefnung des Tals, wo an einem wirtshaus für die Ortschaften, welche zur Kirche gehörten, die Jäger des Forsts paradirten, die, als die Prozession ihnen zu gesicht kam, sie mit dem Donner ihrer Büchsen begrüssten, dass es weit und breit, und mit verschiednen Schlägen, im Gebirge widerhallte. Als der Zug vor ihnen vorüber war, feuerten sie noch mehrmals ab. Es ging nun über die brücke, und am linken Ufer des Bachs die Anhöhe hinauf durch ein Stück Wald hoher starker Buchenstämme wieder nach der Kirche. Unter der feierlichen Musik der Klarinetten und Hörner, Trompeten und Pauken, und dem Donnerschall des Gewehrs murmelte, wie das Brausen der Meeresflut zwischen Felsen, immer: "Gegrüsset seist du Maria! und, heilige Mutter Gottes bitte für uns!" mit inbrünstigen Schlägen an die Brust, von allem volk.
Der Himmel schien sich aufzutun, und ein hellerer Glanz von ihm herab zu leuchten. Hehr und heilig und friedlich stand die Gegend, als sie zum Tempel hinein zogen.
Sie stellten das Bild wieder an den alten Ort. Die äbtissin kniete davor nieder, nach ihr alle, und jagte mit so starker stimme, als sie vermochte: "Sei gegrüsset grosse Fürsprecherin! walte ferner über uns, wende alles Uebel ab, segne die Früchte, und beschütze das Land!"
L o c k m a n n hatte unterdessen seine Schaar auf dem Chor wieder zurecht gestellt, und die Symphonie von H a y d n mit einer Menge von Geigen und Bässen und allen blasenden Instrumenten vortreflich aufgeführt, schloss bezaubernd und berauschend.
Wenn das Volk die Sitte der höchst sinnlichen Römer und Neapolitaner verstanden hätte: so würde' es ihn und H i l d e g a r d e n auch noch um das Kloster und durch das Tal in Prozession unter jubel herumgetragen haben; so voll Bewunderung und Dankbarkeit war alles für